Coburg
2. Handball-Bundesliga

HSC Coburg braucht 40 Minuten Anlaufzeit

Die Coburger gaben im letzten Spiel der Saison gegen Absteiger Dessau-Roßlauer HV lange Zeit keine gute Figur ab. Zwei Siebenmeterparaden von Konstantin Poltrum ebneten dann aber den Weg zum 25:19-Erfolg.
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Ein versöhnlicher Saisonabschluss: Die Coburger Mannschaft feierte ihren hart erkämpften Heimsieg gegen Dessau und Platz 3 Arm in Arm. Uwe Gick
Ein versöhnlicher Saisonabschluss: Die Coburger Mannschaft feierte ihren hart erkämpften Heimsieg gegen Dessau und Platz 3 Arm in Arm. Uwe Gick
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Coburg Der HSC 2000 Coburg hat die Zweitliga-Spielzeit am Samstagabend vor 1850 Zuschauern in der HUK-Arena mit einem 25:19-Heimsieg abgeschlossen. Allerdings benötigte die Mannschaft von Trainer Jan Gorr an diesem Abend eine 43-minütige Anlaufzeit, lief zuvor lange Zeit einem Rückstand hinterher. "Das war das Rückrundengesicht", zog HSC-Vorstandsprecher Stefan Apfel nach der Partie Bilanz. Doch als HSC-Torhüter Konstantin Poltrum in die Partie gefunden hatte, kippte das Momentum und die Coburger kamen doch noch zu einem lockeren Erfolg.

Den dritten Platz hätte der HSC selbst im Falle einer Niederlage gehalten, da der ASV Hamm-Westfalen dem VfL Lübeck-Schwartau 35:37 unterlag. Den Titel sicherte sich HBW Balingen-Weilstetten mit einem klaren 31:21-Sieg beim TV Großwallstadt. Auch der Meister hätte sich eine Niederlage erlauben können, da die HSG Nordhorn-Lingen beim Wilhelmshavener HV mit 30:31 unterlag. Die Norddeutschen müssen trotz des Sieges den Weg in Liga 2 antreten. HSC 2000 Coburg - Dessau-Roßlau 25:19 (8:10)

Schon vor dem Warmmachen kam Wehmut auf. Das traditionelle Abklatschen dauerte länger als gewöhnlich, denn die Umarmungen zwischen den bleibenden und gehenden HSC-Spielern nahm deutlich mehr Zeit ein als sonst. Aber der Rest war wie immer - Jan Gorr suchte während des Aufwärmens mit seinen Notizen in der Hand nochmals das Gespräch mit jedem einzelnen Spieler. Er musste auf Jakob Knauer verzichten, der bei einem Verkehrsunfall unter der Woche leichte Blessuren erlitten hatte. Für ihn wurde Girts Lilienfelds reaktiviert, der sich optimal ins Team einfügte und neben Anton Prakapenia zum besten Akteur avancierte.

Wie wichtig der scheidende Weißrusse für den HSC ist beziehungsweise war, zeigte sich gleich in den ersten beiden Spielminuten - hinten blockte er einen Wurf, vorne traf er selbst. Dessau spielte von Beginn an zermürbend lange Angriffe, wenn sich nicht die Option zum Kontern oder die schnelle Mitte ergab. Schon zu diesem Zeitpunkt deutete sich ein zäher Ablauf an.

Konter waren auch das Thema beim HSC, allerdings führten die ersten drei nicht zu einem Erfolg, die nächsten drei Versuche wurden von Dessau abgefangen. Deswegen war die wenig spektakuläre Partie ergebnistechnisch nach der ersten Viertelstunde ausgeglichen. Die Abwehr, zum letzten Mal mit dem Innenblock Hagelin/Prakapenia stand zwar recht gut, trotzdem wurden die Fans ob der vielen Fehler nach 20 Minuten etwas unruhig. Beim Treffer zur 8:7-Führung funktionierte das Coburger Konterspiel endlich einmal punktgenau, doch danach funktionierte bei den Gastgebern nichts mehr. Der HSC blieb bis zum Seitenwechsel ohne Treffer, halbzeitübergreifend herrschte neun Minuten und 43 Sekunden Torflaute.

Nach dem ersten Zwei-Tore-Rückstand (8:10) rief Jan Gorr zur Auszeit, in der sich Florian Billek als Wortführer betätigte. Im folgenden Angriff kam er mit "Schmackes" von der Außenposition, sein Gegenspieler Florian Pfeiffer zu spät, erwischte ihn im Gesicht und sah dafür die Rote Karte. Doch Coburg machte aus dieser Überzahlsituation nichts. Erst erahnte HV-Keeper Ambrosius einen Heber, dann scheiterte das Gorr-Team zwei Mal in Folge vom Kreis. Erneut begleiteten vereinzelte Pfiffe die Mannschaft in die Kabine.

Der Zwei-Tore-Rückstand blieb in der zweiten Halbzeit erst mal bestehen (13:15, 39.). Nur die Hälfte der Coburger Würfe fand bis dato den Weg ins Tor. Zwar hatten die Gäste keine viel bessere Quote, doch die Coburger die besseren Chancen.

Poltrum kassiert nur einen Treffer

Die Gäste wurden dann sogar richtig frech, probierten es mit einem Kempa-Trick - allerdings erfolglos. Das nutzte der HSC 17 Minuten vor dem Abpfiff zur erstmaligen Führung seit dem 8:7. Diese hielt der erstmals eingewechselte Poltrum mit zwei parierten Strafwürfen innerhalb von zwei Minuten fest.

Plötzlich lief es - die Gastgeber zogen in kürzester Zeit auf vier Tore davon. Es hätte auch deutlicher werden könnten, aber der Lauf wurde einmal mehr von einem vergebenen Konter gestoppt. Die Dessauer versuchte es mit dem siebten Feldspieler, toppten aber in dieser Phase sogar die Torflaute des HSC in Hälfte 1. Der Absteiger blieb 11 Minuten und 45 Sekunden ohne Treffer, Poltrum hielt seinen Kasten genau elf Minuten lange sauber, bis er den ersten Treffer nach seiner Einwechselung kassierte. Beim Stand von 22:16 wollte Billek Markus Hagelin einen Strafwurf überlassen, doch dieser schüttelte den Kopf.

Also vollendende der HSC-Rechtsaußen den 7:0-Lauf zum 23:16 selbst, Christoph Neuhold setzte noch einen drauf. Gorr konnte zum Abschluss noch seine Youngster bringen - Max Preller auf Linksaußen, Fabian Apfel ins Tor.

Die Statistik

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (9 Paraden, 16 Gegentore), Konstantin Poltrum (5 Paraden, 1 Gegentor), Fabian Apfel (1 Parade, 2 Gegentore); Max Preller, Markus Hagelin, Maximilian Jaeger, Lukas Wucherpfennig (1), Felix Spross (1), Sebastian Weber (1), Anton Prakapenia (8), Florian Billek (4/3), Marcel Timm, Girts Lilienfelds (6), Tobias Varvne (3), Patrick Weber, Christoph Neuhold (1) Trainer: Jan Gorr

Dessau-Roßlauer HV: Dominik Plaue, Philip Ambrosius (14 Paraden, 25 Gegentore); Tomas Pavlicek (2), Libor Hanisch (1), Marek Vanco (4), Florian Pfeiffer (1), Johannes Wasielewski (3), Daniel Schmidt, Philip Jungemann (3), Bruno Zimmermann (3), Tom Hanner (1), Justin Lee Milkow (1), Jan Zahradnicek Trainer: Uwe Jungandreas.

SR: Markus Kauth / Andre Kolb

Spielfilm: 2:2 (3.), 3:3 (7.), 3:4 (9.), 4:5 (11.), 5:5 (13.), 6:6 (16.), 7:7 (20.), 8:7 (22.), 8:9 (25.), 8:10 (27.) - 9:10 (31.), 10:12 (33.), 13:13 (37.), 13:15 (39.), 15:15 (40.), 16:15 (43.), 16:16 (44.), 18:16 (46.), 19:16 (47.), 20:16 (48.), 22:16 (52.), 24:16 (55.), 24:17 (56.), 24:18 (58.), 25:19.

Zuschauer: 1850

Siebenmeter: 3/3 - 0/2 (Pavlicek und Zahradnicek scheitern an Poltrum)

Strafminuten: 4 (Varvne, Timm) - 2 (Pfeiffer) - Rote Karte gegen Pfeiffer (27:15)

Beste Spieler: Prakapenia, Lilienfelds - Vanco, Ambrosius

Stimmen zum Spiel

Jan Gorr (Trainer HSC 2000 Coburg): "Dessau hat sich lange sehr hartnäckig präsentiert. Wir haben zudem sehr viele freie Chancen liegengelassen und es uns deswegen auch schwer gemacht. In der zweiten Halbzeit haben wir uns frei geschwommen." Stefan Apfel (Vorstandssprecher HSC 2000 Coburg): "Es ist immer schön mit so einem Endspurt einen Sieg einzufahren. Es tut gut, das hat man auch den Fans angemerkt. Die ersten 40 Minuten haben wir unser Rückrundengesicht gezeigt, die letzte Viertelstunde war dann sehr ordentlich und alles in allem war es ein schöner Abschluss." Florian Billek (HSC-Rechtsaußen): "Es war wichtig, dass wir den Zuschauern und auch den Jungs die uns verlassen werden, einen würdigen Abschied bereiteten. Das gehört dazu, dass wir mit allen Mitteln versuchen, mit allem was wir haben, das letzte Spiel zu gewinnen. Wir haben viele Bälle liegen lassen, dann aber alles rausgehauen." Sebastian Weber (HSC-Spielführer): "Es war ein typisches letztes Saisonspiel. Es hat lange gedauert, bis sich ein Sieger herauskristallisiert hat. Dessau-Roßlau hat das schon letzte Woche gegen den TV Hüttenberg gut gemacht. Am Ende hatten wir ein paar Körner mehr und haben diese ins Spiel geworfen."

Quintett verabschiedet

Als ein Coburger Quintett am Samstagabend nach dem 25:19-Sieg mit viel Applaus auf dem Spielfeld der HUK-Arena verabschiedet wurde, waren die schwachen ersten 40 Minuten längst vergessen. Philipp Barsties, Petr Linhart, Patrick Weber, Markus Hagelin und Anton Prakapenia wurden von den Verantwortlichen mit kleinen Aufmerksamkeiten und vor allem warmen Worten bedacht. Prakapenia zeigte sogar nach Abpfiff seines letzten Spiels für die Coburger da nochmals sein Geschick, als er den überreichten Präsentkorb locker und geschickt mit einer Hand ausbalancierte. Sein Ballgefühl wird den Coburgern in der kommenden Spielzeit fehlen.

HSC-Vorstandssprecher Stefan Apfel: "Anton hat eine sehr gute Saison gespielt und Führungsqualitäten gezeigt. Aber ich tue mich schwer einzelne Spieler herauszuheben, weil das die Leistung der anderen in einer Mannschaftssportart nicht richtig widerspiegelt. Uns schmerzt der Abgang von Anton sehr, aber wenn ein Spieler den Wunsch hat, in die 1. Liga gehen zu wollen und ein Angebot hat, kann man das nicht verwehren."

Geehrt wurde auch Florian Billek vom Fanclub "Westkurve" für 1000 erzielte Treffer im HSC-Trikot. Aus diesem Anlass trugen und schenkten die Fans dem auch in dieser Saison in 29 Spielen mit 181 Toren erfolgreichsten Coburger Werfer ein T-Shirt mit dem Tausender-Aufdruck, eingerahmt von Wurfszenen des Rechtsaußen. Billek jagt jetzt den Rekordhalter Ronny Göhl, der mit 1331 Treffern noch mit 323 Torerfolgen vor dem 30-Jährigen liegt. "Man soll sich immer neue Ziele setzen. Aber das Wichtigste ist, dass wir mit der Mannschaft weiterhin Erfolg haben, wir nächstes Jahr wieder angreifen", erklärte Billek. " Wenn ich meinen Teil dazu beitragen kann, ist das eine coole Geschichte. Wer weiß was in zwei Jahren ist, ich gebe mir auf jeden Fall Mühe Ronny zu schnappen." Billek stand zudem vier Mal im Team der Woche der "Handballwoche".

HSC war das fairste Team der Liga

40 222 Zuschauer kamen in dieser Saison zu den Heimspielen des HSC, das macht pro Spiel 2117. Das sind im Schnitt 30 weniger als noch in der Spielzeit 2017/2018, aber hinter Hamburg, Nordhorn-Lingen und Balingen-Weilstetten immer noch die viertbeste Zahl der 2. Liga. Und wäre das Aufstiegsrennen bis zum abschließenden Spieltag offen gewesen, hätte der HSC die Vorjahreszahl wohl zumindest bestätigen können.

Im Aufstiegsjahr 2016, als der Tabellendritte noch zum Aufstieg berechtigt war, hatte Coburg mit 58:22 Punkten (bei 21 Teams in der Liga) abgeschlossen, die jetzt erzielten 55:21 Punkte sind somit das beste Abschneiden in Liga 2.

Spitzenreiter sind die Coburger in Sachen Zeitstrafen und Roten Karten - und das im positiven Sinne. Denn mit 206 Strafminuten und zwei Feldverweisen (Prakapenia gegen die Rhein Vikings und Timm bei der HSG Nordhorn-Lingen) sind sie mit Abstand die fairste Mannschaft in der Liga.

Zum Vergleich: Der VfL Eintracht Hagen hat 328 Strafminuten und vier Mal Rot kassiert, Balingen 322 Strafminuten und Sechs Rote Karten. Rotsünder Nummer 1 war der TV Emsdetten mit einem Dutzend Feldverweisen.

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