Coburg
2. Handball-Bundesliga

"Gorr-Express" überrollt TUSEM Essen

Mit dem vierten Sieg im sechsten Spiel stößt der HSC 2000 Coburg in die Spitzengruppe vor. Beim 22:18 (9:10)-Auswärtstriumph gegen den ehemaligen Deutschen Meister TUSEM Essen traf Sebastian Roth fünfmal.
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Die gute Abwehrarbeit war der Grundstein zum Auswärtssieg des HSC 2000 Coburg gestern Abend beim ehemaligen Deutschen Meister TUSEM Essen. Tomas Riha (rechts) und Till Rhiem (links) hatten nicht nur in dieser Szene am eigenen Kreis alles "im Griff". Foto: Michael Gohl
Die gute Abwehrarbeit war der Grundstein zum Auswärtssieg des HSC 2000 Coburg gestern Abend beim ehemaligen Deutschen Meister TUSEM Essen. Tomas Riha (rechts) und Till Rhiem (links) hatten nicht nur in dieser Szene am eigenen Kreis alles "im Griff". Foto: Michael Gohl
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Der HSC 2000 Coburg hat eindrucksvoll ein Zeichen in der 2. Handball-Bundesliga gesetzt: Mit 22:18 (9:10) besiegte der Aufsteiger den dreifachen Deutschen Handballmeister TUSEM Essen (1986, 1987, 1989) in deren eigener Halle. Es war bereits der vierte Saisonsieg der Vestestädter, die damit ihren Ruf als "besonderer Aufsteiger" eindrucksvoll untermauerten.
Wie schon im Vorfeld von Essens Trainer Mark Dragunski "befürchtet", setzte sich die individuelle Klasse der erst- und zweitliga-erfahrenen Akteure aus Coburg am Ende klar durch. Vor allem nach dem knappen Pausen-Rückstand kam der "Gorr-Express" richtig ins Rollen und gewann das zwar nicht unbedingt hochklassige, doch zumindest aus Coburger Sicht stets konzentriert und ohne Kräfteverschleiß verlaufende Duell hochverdient.
Die junge Truppe des ehemaligen Deutschen Pokalsiegers von 1988, 1991 und 1992 sowie Europapokalsiegers von 1989 hatte gegen die Coburger Routiniers mit zunehmender Spieldauer einen schweren Stand und musste letztlich den längeren Atem der Truppe von HSC-Trainer Jan Gorr neidlos anerkennen. Der Aufsteiger präsentierte sich in Essen nämlich als kompakte Einheit, die nach Meinung eines sachlichen Essener Fans noch vielen Teams in dieser Liga das Siegen schwer machen wird.
Apropos Jan Gorr: Der Coburger Coach war über die Maßen hinaus erneut an der Seitenlinie engagiert, stand wegen regelmäßigen Reklamierens dabei kurz vor einer Zeitstrafe, kam am Ende jedoch trotz einer persönlichen Verwarnung gut über die Runden. Genauso wie seine Truppe, denn seine Mannschaft gehört auf Platz 5 nun mit 8:4 Punkten zur Spitzengruppe der 2. Bundesliga. Damit ist der HSC sogar ist einer der schärfsten Verfolger der beiden noch verlustpunktfreien Teams aus Rimpar und Leipzig.
Sollten die Coburger die gezeigte Leistung aus der 2. Halbzeit von Essen kompensieren, ist in den nächsten Wochen sogar ein Platz unter den ersten drei Teams nicht mehr ausgeschlossen - und bekanntlich steigen am Saisonende die Teams auf den Plätzen 1 bis 3 in die 1. Bundesliga auf. Wie stellte Coburgs Erfolgstrainer Jan Gorr doch vor der Saison im "Tageblatt-Interview" fest: "Träumen ist erlaubt".
Fakt ist jedenfalls, dass diese Coburger Mannschaft in der momentanen Form tatsächlich kein Aufsteiger wie jeder andere ist - und das hatte Essens Coach Mark Dragunski ja auch schon vor der Freitagspartie vermutet. Seit gestern Abend hat nun auch der Vize-Weltmeister von 2003 und Europameister von 2004 Gewissheit, dass mit den Veste-städtern in dieser Serie gerechnet werden muss.

TUSEM Essen gegen
HSC 2000 Coburg 18:22 (10:9)

Hallensprecher sind ja dazu da, auch die Fans vor dem Anpfiff auf Temperatur zu bringen. Und für die Partie gegen Coburg, gab's ein besonderes Bonbon. Die Zuschauer sollten solange stehen bleiben und applaudieren, bis der Gastgeber das erste Tor erzielt. Für die Coburger sicher nichts Neues.
Nun, es hätte ins Auge gehen können, denn der Tusem tut sich gerade in der Offensive schwer. Doch Pasqual Tovornik ließ sich nicht lange bitten, nach 32 Sekunden zappelte der Ball im Coburger Netz - Oliver Krechel, der sich nach der Pause deutlich steigerte, hatte keine Chance.
Doch so flott sollte es nicht weitergehen. Die Abwehrreihen prägten diese Partie. Beide Mannschaften kämpften und rackerten am eigenen Kreis, verbissen, aber immer im Rahmen des Regelwerks. In Hälfte eins war es ein zumindest spannender Vergleich auf Augenhöhe.
Als sich die Essener aber nach der Pause in der Deckungsarbeit nachließen, zog Coburg auf 19:14 (54.) davon.
Ungestüm und zappelig wollten die Hausherren das Spiel noch drehen, kamen auf 17:19 (57.) heran durch Routinier Michael Hegemann, zerstörten aber die zarte Hoffnung wieder durch eigene Unzulänglichkeiten.
Nach einer Rettungstat von Keeper Carlos Donderis Vegas offenbarten die Essener ihre ganze Unbedarftheit, als sie übereifrig einen Siebenmeter verursachten. Andersson machte das 20:17 (58.), nachdem kurz zuvor Ronny Göhl noch vom Punkt scheiterte und schon da eine vorentscheidende Fünf-Tore-Führung der Coburger verpasste.
Selbstbewusst waren die Oberfranken angereist. Doch schon in Hälfte eins mussten sie erkennen, dass es diesmal ein ganz dickes Brett zu bohren gab. Der Tusem machte hinten dicht, Torwart Vegas Donderis hielt prächtig, sodass sich die Coburger aufrieben.

Gerlich und Billek auf der Bank

Trainer Jan Gorr, sichtlich unzufrieden, probierte in Hälfte eins verschiedene Varianten, wechselte sein Personal fast komplett durch. Die beiden erfolgreichsten Torschützen fanden sich auf der Bank wieder. Der Ex-Essener Matthias Gerlich noch eher als Rechtsaußen Florian Billek. Der kam nicht zum Gegenstoß und erzielte nur einen Treffer, und den nach einem Freiwurf aus dem Rückraum.
Der Tusem verteidigte stark, tat sich aber im Angriff schwer. Mal entschlossen, mal zu ungestüm, mal technisch fehlerhaft, was immer wieder zu Ballverlusten führte. Und Pech kam auch noch hinzu durch etliche Holztreffer, gleich dreimal in Folge in der Anfangsphase beim Stand von 2:3.
Mit Kampf und Einsatz machte der Gastgeber gegen eine kompakte und reifere Gäste-Mannschaft vieles wett. Aber Coburg hatte einfach auch die wesentlich mehr Alternativen beim Personal und gewann deshalb am Ende dieses Spiel auch hochverdient mit vier Toren mehr auf dem Konto.


TUSEM Essen gegen HSC 2000 Coburg 18:22 (10:9)

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