Coburg
Leichtathletik

Felix Streng: "Wir sind einfach alle Leichtathleten"

Der in Coburg aufgewachsene paralympische Athlet startet bei der deutschen Hallenmeisterschaft und tritt ausschließlich gegen Sportler ohne Behinderung an.
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Felix Streng ist in diesem Jahr in der Halle bereits 7,41 Meter weit gesprungen.  Foto: racevision.de
Felix Streng ist in diesem Jahr in der Halle bereits 7,41 Meter weit gesprungen. Foto: racevision.de
Das Kribbeln wird immer stärker und Felix Streng, der seine Kindheit in Coburg verbrachte und heute in Leverkusen lebt, kann es kaum erwarten. Klar: Dem 22 Jahre alten paralympischen Leichtathleten geht es ja nie schnell genug, weil er Sprinter und Weitspringer ist. Da ist viel Geschwindigkeit immer die halbe Miete. Nach dem verlorenen Jahr 2017, das er frühzeitig abbrechen musste (Achillessehnen-Beschwerden, Virus-Infektion), will Streng 2018 wieder durchstarten.

Die ersten Wettkämpfe haben auch gezeigt, dass die Richtung stimmt. Und am 20. Januar gelang ihm bei den Nordrhein-Meisterschaften im Weitsprung sogar ein Satz auf 7,41 Meter in die Sandgrube. Streng wusste die Weite sofort einzuordnen: "Das ist die Norm für die deutschen Meisterschaften." Gemeint sind die nationalen Hallen-Titelkämpfe der "normalen" Leichtathleten ohne Behinderung. Streng weiß, dass er nicht Meister werden kann, weil er außerhalb der Wertung startet. Trotzdem freut er sich riesig auf seinen Auftritt in der Helmut-Körnig-Halle in Dortmund, der am Samstag (17. Februar) um 15.55 Uhr beginnt. An den Diskussionen, ob die Prothesen der behinderten Sportler den Athleten Vorteile bringen, mag sich der in La Paz (Bolivien) geborene Paralympics-Teilnehmer nicht beteiligen - weil er sie nicht für zielführend hält. "Wir sind einfach alle Leichtathleten", betont Streng, "und ich bin sicher, dass es ein großartiger Wettkampf wird. Ich freue mich tierisch darauf."

Dass für die Veranstaltung keine Eintrittskarten mehr zu haben sind, bedeutet: Die Halle, deren Fassungsvermögen bei gut 4000 Zuschauern liegt, wird voll sein. Und die Sportler dürfen auf eine stimmungsvolle Kulisse hoffen. Davon will sich dann auch Felix Streng nach vorne treiben lassen und die nicht mal einen Monat alten 7,41 Meter weiter ausbauen: "Ich will da schon was draufsetzen."


23. Geburtstag am Freitag

Weil die Ergebnisse im Training zuletzt konstant gut waren, könnte auch was draus werden. Die 15 Namen umfassende Meldeliste führt Felix Streng mit seiner Bestweite auf Platz 12, doch zu Florian Oswald (LG Region Karlsruhe/7,58 Meter) auf Rang 5 beispielsweise fehlen nur 17 Zentimeter. Ganz vorne steht der ebenfalls für den TSV Bayer 04 Leverkusen und außerhalb der DM-Wertung startende Markus Rehm (8,22 Meter), mit dem Streng gemeinsam schon Weltmeister (Doha) und Sieger bei den Paralympics in der Staffel über 4 x 100 Meter wurde. Für Streng wäre es wie ein Sieg, wenn er Rehm und den anderen Weitspringern einen tollen Wettkampf liefern könnte.

Dass er am Freitag noch Geburtstag hat und 23 Jahre alt wird, spielt da nur eine Nebenrolle. Die Feier fällt dann eben ein paar Nummern kleiner aus. Am liebsten würde er die Zeit vordrehen, damit es schnell 15.55 Uhr am Samstag ist.


Das ist Felix Streng


Felix Streng wurde am 16. Februar 1995 in La Paz (Bolivien) geboren. Im Jahr 2001 kam er mit seiner Familie in den Landkreis Coburg, in die 40-Seelen-Ortschaft Herbartsdorf. Streng, der ohne rechten Unterschenkel zur Welt kam, besuchte die Walldorfschule und betrieb zwar Sport, kam aber zufällig zum Leistungssport, als er im Rahmen einer Schularbeit über Behindertensport nach Leverkusen reiste. Seit 2012 ist er dort für den TSV Bayer aktiv. Bei den Paralympics 2016 in Rio holte er mit der deutschen 4 x 100-Meter-Staffel die Goldmedaille.
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