Coburg
Fußball-Landesliga-Serie (1/4)

FC Coburg: Oft schön, aber nicht erfolgreich

Das Tageblatt zieht eine Zwischenbilanz für alle vier Landesliga-Klubs aus der Region. Den Anfang unserer Serie macht der FC Coburg, der den Erwartungen nach einer bislang unruhigen Runde hinterherhinkt.
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Mit fünf Toren und fünf Vorlagen ist Fabian Carl (rotes Trikot) aktuell bester Scorer beim FC Coburg.  Foto: Hagen Lehmann
Mit fünf Toren und fünf Vorlagen ist Fabian Carl (rotes Trikot) aktuell bester Scorer beim FC Coburg. Foto: Hagen Lehmann
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Das hatten sich im Lager des FC Coburg alle anders vorgestellt. Denn die Coburger liegen zur Winterpause in der Landesliga Nordwest nur auf dem vorletzten Platz, der am Ende der Spielzeit den Abstieg in die Bezirksliga zur Folge hätte. Der Rückstand auf einen Relegationsplatz ist auf fünf Punkte angewachsen, das rettende Ufer ist gar schon neun Zähler entfernt. Im Jahr 2020 stehen nur noch zwölf Spiele aus, da wird es für den FCC schwer, sich noch vor dem Gang in die siebte Liga zu retten.

Viele Probleme, die zum schwachen Abschneiden beigetragen haben, waren hausgemacht. Hinzu kam Verletzungspech von Leistungsträgern, die dadurch nicht ihre Normalform erreichten. Transfers sind aber in der Winterpause nicht geplant, es sei denn, es ergibt sich überraschend etwas.

Relegationsplatz ist das Ziel

Alexander Grau, der vor dieser Saison den Trainerposten nach fünf Jahren beim Ligakonkurrenten FC Lichtenfels gegen den des Sportlichen Leiters beim FC Coburg eingetauscht hat, ist nicht zufrieden. Zwar hält der 41-Jährige nichts von Schwarzmalerei, aber Grau ist Realist genug, um die Lage objektiv einschätzen zu können: "Nur 17 Punkte aus 22 Spielen, das ist mehr als enttäuschend. Darüber müssen wir alle uns im Klaren sein. Jetzt noch vom direkten Klassenerhalt zu sprechen, ist Träumerei. Es wird schon schwer genug, noch einen Relegationsplatz zu erreichen, denn wir haben ja schon fünf Punkte Rückstand.”

Im bisherigen Saisonverlauf erreichte der FC Coburg einen Schnitt von 0,77 Punkten pro Spiel. Der Sportliche Leiter rechnet vor: "Wir brauchen für den direkten Klassenerhalt aus zwölf Spielen noch etwa 24 Punkte, und das ist ein Schnitt von zwei Punkten pro Spiel."

Diesen Schnitt weisen die Spitzenklubs auf, die um den Aufstieg spielen. Einen Durchschnitt mit einer Zwei vor dem Komma hat nur der überragende Spitzenreiter Vatanspor Aschaffenburg erreicht, selbst der Zweite Alemannia Haibach liegt mit 39 Punkten aus 22 Spielen darunter: "Man soll nie nie sagen, aber den direkten Klassenerhalt noch zu erreichen, das wird sehr schwer werden”, weiß Grau aus langjähriger Erfahrung.

Verletzungen und Unerfahrenheit

Wie ist es zu dieser sportlich prekären Situation gekommen? Zum einen wurde der FC Coburg, genauso wie der VfL Frohnlach, FC Lichtenfels, SV Friesen und der SV Memmelsdorf, im Sommer von der Nordost- in die Nordwest-Staffel verschoben.

Das schwache Abschneiden allerdings auf die neue Liga zu schieben, wäre zu einfach. Mannschaften wie Memmelsdorf oder Friesen beispielsweise sind mit dem Wechsel gut zurechtgekommen. In der vorherigen Saison hatte es für den FC Coburg im Nordosten mit Platz 15 ja nur zur Relegation gereicht, die aber erfolgreich bestritten werden konnte.

Pech aus Coburger Sicht war natürlich, dass sich Stürmer Tevin McCullough kurz vor Saisonstart einen Bänderriss am Sprunggelenk zuzog und damit wochenlang ausfiel. Auch Sertan Sener, eine weitere Stütze im Team, musste mit einem Mittelfußbruch lange zuschauen. Sener (11) konnte nur die Hälfte aller Spiele mit drei Toren absolvieren, McCullough stand nur sechsmal auf dem Platz und erzielte nur einen Treffer.

Ein generelles Manko ist, dass die vielen jungen Spieler aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) zwar gut ausgebildet sind, aber Zeit brauchen, um sich im Männerfußball zu bewähren. Einige junge Kicker mussten in der Hinserie viel Verantwortung übernehmen, was eine zum Teil schwere Bürde war. Die technisch guten jungen Akteure wollten zudem die meisten Situationen spielerisch lösen. "Unser Spiel war zumeist sehr schön anzusehen. Wir waren zumeist auch spielerisch die bessere Mannschaft. Aber unsere Gegner haben gekämpft, haben mehr Zweikämpfe gewonnen, und eben darauf kommt es auch an", analysiert Sportchef Grau. "So haben wir viele Spiele noch hergeschenkt, obwohl wir besser waren, und das hat uns sehr viele Punkte gekostet."

Die Misere hatte auch einen Trainerwechsel zur Folge. Lars Scheler wurde Ende September von seinem Amt entbunden. Doch auch ohne ihn lief es nicht unbedingt besser. Nach anfänglichen Erfolgen - am zweiten Spieltag stand der FC Coburg sogar auf Rang 2 - rutschten die Vestekicker immer weiter ab und hielten sich im zweiten Saisondrittel nur noch im Tabellenkeller auf. Scheler hatte aus 13 Spielen elf Punkte geholt (Schnitt 0,85). Danach übernahm der bisherige Assistent Frederic Martin. Unter dem Kommando des 32-Jährigen wurden sechs Zähler aus neun Partien eingefahren. Damit hat sich die Situation weiter verschärft.

Es gab aber auch Positives: beispielsweise, dass der einstige Torjäger Daniel Sam anbot, wieder auszuhelfen. Die Offerte nahm der Verein an. Der 35-Jährige war nach einem halben Jahr Pause körperlich fit, es fehlte allerdings noch die Bindung zum Team. Sam wurde fünfmal eingesetzt und erzielte zwei Treffer. "Daniel hat mit seinem Auftreten alleine schon einiges bewegt. Es war der richtige Schritt, ihn einzubauen”, so Grau.

Wohl keine Neuzugänge

Doch wie geht es jetzt weiter? Die Situation des FC Coburg ist sogar noch schwieriger als 2017. Damals stiegen die Vestekicker auch aus der Landesliga Nordwest ab, hatten damals aber nach 22 Spieltagen schon 25 Punkte auf dem Konto - acht mehr als heute. Die Wende soll und muss mit dem gleichen Kader wie bisher gelingen. Transfers sind keine geplant. "Wir halten natürlich bis Ende Januar noch Augen und Ohren offen und schauen, ob wir etwas machen können. Aber das ist im Winter immer ein schwieriges Unterfangen”, weiß Grau. Vielmehr will der Klub seine Philosophie, auf junge Spieler aus dem eigenen NLZ zu setzen, weiterverfolgen.

So wird der FC Coburg mit dem Start in die Restrückrunde am 7. März mit dem Heimspiel gegen den Tabellenvierzehnten TSV Lengfeld seine Serie starten müssen, um das Unmögliche doch noch möglich zu machen. Denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

FC Coburg in Zahlen

Platzierung: 17. Platz: 4 Siege, 5 Unentschieden, 13 Niederlagen = 17 Punkte Heimbilanz: 7 Punkte (2 Siege, 1 Unentschieden, 7 Niederlagen = Platz 18) Auswärtsbilanz: 10 Punkte (2 Siege, 4 Unentschieden, 6 Niederlagen = Platz 14) Torverhältnis: 28:45 (12:24 Heimtore, 16:21 Auswärtstore) Beste Platzierung: 2 Schlechteste Platzierung: 18 Höchster Sieg: 3:0 bei den FT Schweinfurt Höchste Niederlage: 0:4 gegen den SV Friesen und gegen den FC Geesdorf Torreichstes Match: 2:4 beim VfL Frohnlach Torschützen: Adrian Guhling (5), Fabian Carl (5), Sertan Sener (4), Ricardo König (3), Daniel Alles (2), Eric Heinze (2), Daniel Sam (2), Marlon Schad (2), René Knie(1), Tevin McCullough (1) und Gökhan Sener (1) Elfmeter: 3 Elfmeter bekam der FC Coburg zugesprochen, Adrian Guhling (1/1), Daniel Sam (1/1) und Marlon Schad (0/1) traten an Zuschauer: 2443 gesamt (Schnitt 244, Vorjahr 133) Rekordbesuch: 980 gegen den VfL Frohnlach Minusrekord: 100 gegen den TuS Röllbach Rote Karten: 1, Adrian Guhling Gelb-Rot: 4, René Knie (2) und Yannick Teuchert (2) Einsätze (25 Spieler): Oleksandr Churilov (21), Eric Heinze (21), Ricardo König (21), Marlon Schad (19), Davide Dilauro (18), Gökhan Sener (18), Daniel Alles (18), Maximilian Weinreich (18), René Knie (18), Adrian Guhling (18), Fabian Carl (17), Lars Teuchert (15), Daniel Kimmel (14), Yannick Teuchert (14) Durchschnittsalter: 23,96 Jahre Trainer: Frederic Martin (seit 2. Oktober 2019)

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