Coburg
Fußball

FC Coburg: Eine haarige Angelegenheit für Trainer Lars Scheler

Die erste Saison mit den Männern des FC Coburg begann für Lars Scheler schwierig, doch inzwischen hat seine Truppe fünf Punkte Luft zur Abstiegszone.
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Angespannt, nachdenklich, unzufrieden - sicher von allem ein wenig. Aber insgesamt ist Lars Scheler mit dem bisherigen Verlauf seiner ersten Landesliga-Saison als Trainer des FC Coburg einverstanden. Bei momentan fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz ist die Basis für das primäre Saisonziel, nämlich den Klassenerhalt, geschaffen. Foto: Timo Geldner
Angespannt, nachdenklich, unzufrieden - sicher von allem ein wenig. Aber insgesamt ist Lars Scheler mit dem bisherigen Verlauf seiner ersten Landesliga-Saison als Trainer des FC Coburg einverstanden. Bei momentan fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz ist die Basis für das primäre Saisonziel, nämlich den Klassenerhalt, geschaffen. Foto: Timo Geldner

Männer mit Bart, meinen viele, sind besonders stark, unverwundbar und oft heldenhaft. Nur Bärtige setzen sich die Krone auf. Ein König ohne Bart, den gibt es wohl gar nicht. Auch Lars Scheler trägt einen Bart. Einen richtigen Vollbart. Schwarz, dicht, relativ kurz.

An der Seitenlinie wirkt er deshalb auch ab und zu grimmig. Manchmal für seine Spieler sogar Angst einflößend. Ein wenig wie Leonardo DiCaprio in "The Revenant". Doch Scheler wird von keinem Bär angegriffen. Und außerdem trägt er eine schlichte Brille auf der Nase.

Aus dem smarten "Lally", der sich einst für den DVV Coburg, für den VfL Frohnlach und für den TSV Mönchröden, aber auch für den SV Hut Coburg wie eine lauernde Kobra durch die gegnerischen Abwehrreihen schlich und dabei reihenweise knipste, ist längst ein gestandener Mann geworden. Der 37-jährige, zweifache Familienvater aus Lautertal wurde zwar bisher noch nicht zum "König des FC Coburg" gekrönt, aber das Zepter schwingt er bereits seit Juli letzten Jahres in der 1. Herren-Mannschaft.

Den Wechsel vom A-Jugendtrainer in die "Schlangengrube" Landesliga Nordost hat der IT-Administrator zu keiner Sekunde bereut. Er lebt für den Fußball. Er lebt für diesen Klub. Und der Life-Kinetik-Coach hat auch ganz klare Vorstellungen davon, wie er mit der neuen Nummer eins des Fußballkreises Coburg künftig kicken will.

Im Gespräch mit dem Tageblatt gibt Lars Scheler nicht nur Einblicke in seine Trainer-Philosophie, er spricht auch über bevorstehende personelle Veränderungen und verrät, ob der Bart im Falle eines Bayernliga-Aufstieges eines Tages tatsächlich runter muss.

Herr Scheler, wie läuft die Vorbereitungsphase?

Lars Scheler: Aktuell bin ich sehr zufrieden. Performance im Training und Spiel sind gut. Von größeren Verletzungen bleiben wir bisher verschont. Einzig Gökhan Sener musste leider nach gutem Vorbereitungsstart wegen einer Schleimbeutel-Entzündung in der Hüfte die letzten Wochen kürzertreten. Er ist aber jetzt wieder im Mannschaftstraining. Kleinere Problemchen gibt es natürlich immer mal wieder.

Probleme gab es in der Vorrunde vor allem zu Beginn der Punktrunde. Hat sich die Mannschaft inzwischen an den Trainer und der Trainer an die Spieler gewöhnt?

Ich denke, es ist normal, dass sich alles, auch neue Anforderungen, erst mal einpendeln mussten, und eine Frage der Gewöhnung sehe ich da nicht. Die Negativerlebnisse, wenn man sie so nennen will, waren wichtige Erfahrungen für uns.

Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit im Herrenbereich zu der als A-Jugendtrainer im NLZ?

Für mich nicht sehr, es ist immer noch Fußball. Vor- und Nachbereitung haben sich nicht geändert. Der Herrenbereich steht halt etwas anders im Fokus als der Jugendbereich. Damit einher gehen natürlich auch andere Interessen und Meinungen von Beteiligten und Unbeteiligten. Da muss man genauer filtern, was wichtig ist und was nicht.

Warum hat der Verein bis jetzt die zu erwartende Verlängerung Ihres Trainervertrages noch nicht gemeldet? Gibt es da noch Unklarheiten oder ist das nur Formsache?

Das ist Formsache und wird sicherlich bald passieren. Kein Stress in der Richtung.

Auf welchen Positionen wünschen Sie sich Verstärkungen?

In unserer Innenverteidigung haben mit Jannik Schmidt und Daniel Alles zu oft Spieler gespielt, die ihr größtes Potenzial im zentralen Mittelfeld hätten. Daniel Kimmel hat in der zentralen Defensive fußballerisch und von seiner Persönlichkeit her auf dem Platz eine sehr gute Entwicklung genommen. Mit Dennis Kolb haben wir ein weiteres Talent aus den eigenen Reihen, das spätestens jetzt im Winter nah ans Team gerückt ist.

Sollten wir noch einen dritten Innenverteidiger dazuholen können, der sportlich Sinn macht, würden wir das wohl tun.

Auf den defensiven Außenbahnen, würde ich sagen, gibt es ein "Kann", aber kein "Muss", da genug Perspektivspieler und Kaderspieler vorhanden sind, die sich entwickeln können, wenn sie das wollen.

Im Grunde sehe ich das entspannt und bin zufrieden mit dem, was schon bei uns ist und was nachkommt. Perspektivisch gibt es auf allen Positionen sehr interessante Spieler, die schon mal bei uns waren oder bereits bei uns sind. Ich hoffe, dass diese Jungs den Weg mit uns gehen und das ganze nicht so kurzfristig sehen.

Erklärtes Fernziel des Vereins ist die Bayernliga. Für wie realistisch halten Sie den Aufstieg in den nächsten Jahren?

Ich bin mir gar nicht sicher, ob wir das so offensiv schon mal öffentlich geäußert haben. Ich sicherlich nicht. Ich würde gerne unsere "Zweite" in zwei, drei Jahren in der Bezirksliga sehen. Wir sind fünf Punkte vor einem Relegationsplatz, da war die Mannschaft vor zwei Jahren nach der Winterpause auch mal. Erst mal etablieren, dann Stück für Stück weiterentwickeln.

Wenn man sieht, was gerade die Teams aus dem Nürnberger Raum oder Neudrossenfeld teilweise für Erfahrungen gegen uns auf den Platz bringen, dann sind das schon Bayernliga-Kader.

Schwabach hat jetzt einen Spieler geholt, der etliches an Profierfahrung mitbringt. Wir können das in direkten Duellen teilweise gut auf Augenhöhe gestalten. Der nächste Schritt wäre über eine ganze Saison gesehen, das zu schaffen. Wahrscheinlich bräuchte es mehrere kleinere Steps bis dahin.

Würmer bereiten Euch wieder Sorgen. Der Hauptplatz soll bis Ende April wieder nicht bespielbar sein. Wird der Kunstrasenplatz in der Rückrunde wieder zu einer Trumpfkarte des FCC?

Ich akzeptiere einfach die Gegebenheiten. Ich kann sie nicht ändern und wir alle versuchen, das Beste daraus zu machen und Vorteile daraus zu ziehen. Ich persönlich bin ein Rasenfan, sofern der Ball darauf auch ordentlich rollt.

Wenn der FCC unter Ihrer Regie in die Bayernliga aufsteigt, kommt dann der Bart runter?

Das könnten wir ruhig festmachen, denn der sieht in drei bis vier Wochen wieder genauso aus. Jürgen Klopp hat mal gesagt, er kann sein Gesicht ohne Bart einfach nicht mehr sehen. Ich verstehe genau, was er meint. Und außerdem: Mir gefällt es, ich muss mich nicht so oft rasieren und meine Frau steht voll drauf! Das Gespräch führte Christoph Böger

Wechselgerüchte

In Fußballerkreisen halten sich seit einigen Wochen hartnäckig Gerüchte, dass mehrere Spieler des FC Coburg Abwanderungsabsichten haben. Bisher steht nur fest, dass mit Leonard Scheler einer der dienstältesten Spieler des Landesliga-Kaders den FCC aus studientechnischen Gründen in Richtung Kreisligist TSG Niederfüllbach verlässt.

Aber nicht nur die Füllbacher haben angeblich ein gesteigertes Interesse an Vestekickern, sondern auch der VfL Frohnlach, der SC Sylvia Ebersdorf und vor allem Noch-Ligakonkurrent TSV Sonnefeld sollen ihre Fühler nach talentierten A-Jugendlichen ausgestreckt haben. Wir haben bei Alexander Pietsch, dem Sportlichen Leiter des FCC, zu den Wechselgerüchten nachgefragt:

Pietsch nimmt Stellung

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"Ich bin mit den Gesprächen, die ich mit unseren Spielern bisher geführt habe, sehr zufrieden. Unsere Mannschaft wird zusammenbleiben und mit den Jungs wollen wir in den nächsten Jahren arbeiten. Es ehrt uns, wenn unsere Spieler im Fokus anderer Klubs stehen. Das zeigt, dass wir gute Arbeit machen."oph

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