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Handball

Ex-Coburger Pankofer : "Ich komme immer gerne zurück"

Der ehemalige HSC-Akteur Daniel Pankofer hat seine Karriere beendet und ist jetzt Geschäftsführer der Rhein Vikings, dem Coburger Gegner am Freitag.
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Daniel Pankofer spielte in der Saison 2004/2005 für den HSC Coburg und war dabei mit über sieben Treffern pro Spiel ein absoluter Leistungsträger.  Foto: Hagen Lehmann/Archiv
Daniel Pankofer spielte in der Saison 2004/2005 für den HSC Coburg und war dabei mit über sieben Treffern pro Spiel ein absoluter Leistungsträger. Foto: Hagen Lehmann/Archiv
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Mit stolzen 7,2 Toren pro Spiel ist Daniel Pankofer noch immer die Nummer 1 in der ewigen Statistik des HSC 2000 Coburg. In seiner einzigen Spielzeit 2004/2005 für den HSC erzielte er in 30 Spielen 216 Tore, davon 73 von der Siebenmeterlinie. Gekommen war der gebürtige Nürnberger damals von der CSG Erlangen. Neben Erstliga-Stationen in Dänemark und Griechenland, wo er 2009/2010 zum Spieler des Jahres gewählt worden war, kehrte er 2010 zum HC Erlangen zurück. Über Lübeck landete er bei den HC Rhein Vikings. In der vergangenen Saison trug er noch das Trikot des Vereins und war mit seinen Toren maßgeblich am Klassenerhalt beteiligt.

Mittlerweile ist Daniel Pankofer, der mit seiner Lebensgefährtin in Grevenbroich wohnt, der neue Geschäftsführer des Düsseldorfer Handballclubs. Dabei qualifiziert sich der 37-Jährige nicht nur aufgrund seiner Erfahrungen als Profihandballer für die neue Aufgabe. Neben der Karriere studierte er Wirtschaftswissenschaften und schreibt seine Dissertation zum Thema "Corporate Governance” an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. Das Tageblatt hat sich vor der Partie der Rhein Vikings gegen den HSC Coburg (siehe Vorbericht unten) mit dem 37-Jährigen über seine neue Aufgabe und den HSC unterhalten.

Herr Pankofer, wie sind Ihre ersten Erfahrungen nach dem "Trikottausch"?

Daniel Pankofer: Es ist schon noch ungewohnt. Als Spieler fährt man zum Spiel, alles wird "serviert", man muss sich wenig selbst kümmern. Jetzt bin ich auf der anderen Seite. Da muss man teilweise lange zuvor überlegen, was muss am Tag X "serviert" werden. Dazu sind viele Vorplanungen hinter den Kulissen nötig. Aber es fällt einem leichter, weil ich mich als ehemaliger Aktiver in die Situation hineinversetzen kann.

Zum Auftakt gab es für die eigentlich abwehrstarken Vikings eine 34:35-Niederlage in Wilhelmshaven. Wurde das Spielkonzept geändert?

Unser Hauptaugenmerk liegt weiter auf der Abwehr. Über lange Sicht werden dort die Spiele gewonnen. In unserem Fokus liegt nun aber ein schnelleres Umschaltspiel. Wir wollen unsere Durchschlagskraft im Angriff auf jeden Fall erhöhen. Die Abwehr hat gegen den WHV noch nicht so funktioniert, wie wir uns das vorstellen.

Rechnen Sie mit zurückgehenden Zuschauerzahlen durch das neue Streaming-Angebot der 2. Handball-Bundesliga? In Coburg waren zum Saisonstart schwache 1500 Zuschauer gekommen...

Wir lagen im letztjährigen Saisonschnitt bei knapp über 1000 Zuschauern. Aber zu diesem frühen Zeitpunkt ist es noch schwer zu sagen, wie sich das entwickelt. Aber Emotionen gibt es nur direkt in der Halle und nicht vor dem Bildschirm.

Wie schätzen Sie Coburg in dieser Saison ein?

Ich glaube sie sind stärker besetzt als im vergangenen Jahr, als sie erst hinten raus so richtig überzeugen konnten. Coburg kann den Aufstieg schaffen, aber gerade in diesem Jahr ist die Liga unglaublich stark. Ich rechne mit sechs bis sieben Teams, die sich Aussichten auf den Aufstieg machen können. Dahinter kommt eine kleine Mitte, zu der wir hoffentlich gehören werden, der Rest spielt gegen den Abstieg.

Düsseldorf hat vergangene Saison ganz klare Niederlagen gegen den HSC bezogen. Wie soll es diesmal laufen?

Natürlich anders - es ist für uns zum Heimauftakt gleich ein richtiger Härtetest. Ich habe die Partien noch im Hinterkopf, für die Spieler selbst wird das wohl kein Thema mehr sein. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich in diesen Partien lieber auf der Platte gestanden habe als uns von der Tribüne aus zu verfolgen. Das war wirklich schwach von uns.

Gab es durch die Funktionärswechsel in der Führungsebene (Anm. d. Red.: Sportlicher Leiter Rene Witte wechselte nach Eisenach, Thomas Koblenzer, Geschäftsführer Finanzen, tritt kürzer) Unruhe?

Überhaupt nicht - auf ehrenamtlicher Basis, wie es bisher gelaufen ist, war vieles nicht mehr zu leisten. Thomas Koblenzer bleibt außerdem im Hintergrund unseres Projektes federführend dabei. Er ist schon lange im Verein, hat das Ganze mit aufgebaut und ist tief verwurzelt. Wir brauchen solche Leute, die hier auch gewisse Identifikationsfiguren sind.

Was verbinden Sie noch mit Coburg?

Ich hatte ein tolles Jahr in Coburg und komme auch gerne immer wieder zurück. Obwohl es nur eine Spielzeit war, habe ich gerade nach Coburg mehr Verbindungen und heute noch mehr Kontakt als zu vielen anderen Stationen meiner Laufbahn, so mit "Wolfi" Schuhmann und auch schon vor ihrer Funktionärstätigkeit für den HSC mit "Häfi" Michael Häfner und Stefan Apfel. Aus meiner HSC-Zeit schreibe ich auch noch mit Benjamin Riffiod. Ich freue mich schon jetzt aufs Rückspiel.

Können Sie sich eine vorübergehende Rückkehr aufs Spielfeld vorstellen, so wie Viktor Szilágyi beim Bergischen HC, als es dort zahlreiche Verletzte gab?

In den letzten zwei Jahren habe ich als Spieler sehr viel Herzblut in das Projekt gesteckt. Umso mehr freue ich mich, dass ich nun auch die Zukunft des HC Rhein Vikings in meiner neuen Funktion als Geschäftsführer maßgeblich mitgestalten kann. Da denke ich drüber nach, wenn es soweit sein sollte, und hoffe, dass diese Situation nicht kommt. Ich bin mit meiner Geschäftsführerrolle zufrieden und ausgelastet. Nein, ich glaube, das würde ich der Mannschaft nicht antun wollen. Ich glaube, ich würde nicht aushelfen. Aber man sollte nie nie sagen.

Nach dem vermeintlichen Angstgegner HC Elbflorenz wartet am 2. Spieltag der 2. Handball-Bundesliga am heutigen Freitag um 20 Uhr mit dem HC Rhein Vikings aus Düsseldorf der Lieblingsgegner auf den HSC 2000 Coburg. Zumindest wenn man die vergangene Saison als Maßstab nimmt. Denn zusammengerechnet gewannen die Coburger beide Spiele mit 14 Toren Unterschied.

Folgt eine weitere lockere Einheit? Jan Gorr schätzt den Gegner in dieser Saison anders ein: "An das, was war, denke ich nicht. Die Rhein Vikings sind gerade im Rückraum runderneuert, spielen flotter als im vergangenen Jahr." Der Angriffsschwäche des vergangenen Jahres wollen die Vikings gleich mit drei Neuzugängen im Rückraum beheben. Das klappte in ihrer Auftaktpartie in Wilhelmshaven mit 34 Treffern schon sehr gut, das allerdings zu Lasten der Abwehrarbeit. Denn der WHV siegte letztlich mit einem Tor. 35 Gegentreffer mussten die Düsseldorfer in der 2. Liga noch nie hinnehmen. "Sie sind jetzt aber schneller unterwegs, haben mehr Optionen, sind von allen Positionen gefährlich", hat Gorr festgestellt. Von den Neuzugängen hat Gorr Philipp Pöter als Motor im Team, der seine Qualitäten im Spiel Eins-gegen-eins hat, ausgemacht. "Wichtig wird sein, dass wir unsere Qualitäten einbringen, ein stabile Deckung hinstellen wie gegen Elbflorenz", so Gorr. Ob er dabei aufgrund des verstärkten Düsseldorfer Rückraums auf andere Abwehrvarianten als die 6:0-Deckung zurückgreift, macht Gorr vom Spielverlauf abhängig.

Mit Kontern zum Erfolg kommen

Sein Team scheint gefestigt, aber "das müssen wir immer wieder aufs Neue beweisen. Ein Spiel ist da noch wenig aussagekräftig." Zudem müssen die Coburger auf ihren zentralen Ideengeber Tobias Varvne verzichten, dessen Adduktorenverletzung aus dem Pokalspiel in Kornwestheim gegen Elbflorenz wieder aufgebrochen ist. Wie der HSC darauf reagiert, ließ Gorr offen, hat jedoch mehrere Optionen. Hilfreich wären einfache Konter, denn es gilt die von Abwehrspezialisten Miladin Kozlina organisierte Deckung erst einmal zu überwinden. Mit einem Erfolg könnte sich der HSC vorübergehend an die Tabellenspitze setzen.

Freitag, 20 Uhr: HC Rhein Vikings - HSC Coburg

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Fabian Apfel, Konstantin Poltrum; Marcel Timm, Pontus Zetterman, Anton Prakapenia, Max Jaeger, Christoph Neuhold, Markus Hagelin, Lukas Wucherpfennig, Felix Sproß, Sebastian Weber, Florian Billek, Jakob Knauer Es fehlt: Petr Linhart, Philipp Barsties, Tobias Varvne Trainer: Jan Gorr

HC Rhein Vikings: Mikkel Moldrup, Vladimir Bozic; Christian Hoße, Nils Artmann, Philipp Pöter, Miladin Kozlina, Niklas Weis, Bennet Johnen, Teo Coric, Ivan Milas, Thomas Bahn, Srdjan Predragovic, Alexander Oelze, Moritz Gorgen, Tobias Midell Trainer: Ceven Klatt

SR: Frederic Linker / Sascha Schmidt



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