Sonnefeld
Fußball

Ein Störfeuer der besonderen Art beim TSV Sonnefeld

Wie Louis Kappenberger unverhofft in die Rolle des "Interimsvorsitzenden" rutschte und jetzt eine prekäre Situation meistern muss.
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Im TSV-Dress und auf dem Platz, da fühlt sich Louis Kappenberger (weiße Hose) wohl, doch seit einigen Wochen steht er auch als kommissarischer Vorsitzender in der Pflicht. Der 23-Jährige muss ein Konzept erstellen mit dem sein Klub die Gegenwart meistert und die Zukunft optimistisch bestreiten kann. Das fällt ihm schwerer als die eine oder andere Grätsche in der Landesliga Nordost. Foto: CT-Archiv/Timo Geldner
Im TSV-Dress und auf dem Platz, da fühlt sich Louis Kappenberger (weiße Hose) wohl, doch seit einigen Wochen steht er auch als kommissarischer Vorsitzender in der Pflicht. Der 23-Jährige muss ein Konzept erstellen mit dem sein Klub die Gegenwart meistert und die Zukunft optimistisch bestreiten kann. Das fällt ihm schwerer als die eine oder andere Grätsche in der Landesliga Nordost. Foto: CT-Archiv/Timo Geldner
Als talentierter "Drei-Käse-Hoch" ins NLZ gewechselt und mit 18 Jahren wieder zurück zum Heimatverein. Die erfolgreichste Zeit der Klubgeschichte hautnah und als zweikampfstarker Spieler aktiv mitgestaltet und jetzt als 23-Jähriger quasi in einer "Hau-Ruck-Aktion" zum kommissarischen Vorsitzenden gewählt.

Die jüngste sportliche Vergangenheit von Louis Kappenberger hat es in sich, denn nach seiner persönlichen Leidenszeit mit mehreren schweren Verletzungen steht er jetzt vor einer Herkulesaufgabe. Manche meinen sogar der in der Stadt Sonnefeld angestellte IT-Fachmann sei die "ärmste Sau", die den entstandenen Scherbenhaufen beim TSV Sonnefeld zusammen kehren muss!


Der TSV in prekärer Lage

Dass der Fußball-Landesligist in diesen Tagen in einer prekären Situation steckt, wird dem neutralen Beobachter auf den ersten Blick gar nicht deutlich. Schließlich steht der Klub als bester Aufsteiger auf Platz 9 in der Landesliga Nordost hervorragend da. Über die Zuschauerresonanz können sich die Verantwortlichen auch nicht beschweren. Der TSV ist seit Monaten innerhalb und über die Landkreisgrenzen hinaus in aller Munde - positiv.

Doch die Zeit der Lobeshymnen scheint gezählt. Kappenberger ist Realist: "Es wird verdammt schwer." Er und seine Mitstreiter denken derzeit über alle möglichen Szenarien nach. Selbst über einen freiwilligen Rückzug aus der Landesliga nach der laufenden Saison wird bereits intern diskutiert. Doch wie konnte es überhaupt soweit kommen, dass der TSV derart in der Klemme steckt und solche absurd erscheinenden Überlegungen anstellt?


Kappenbergers erster Vorwurf

Für Kappenberger sind zwei Sachen entscheidend gewesen: So schön und so erfolgreich die letzten Jahre mit drei Aufstiegen in vier Spielzeiten auch waren, und so sehr sich Spieler, Trainer und Funktionäre im Erfolg zu Recht sonnten - "der Verein hat in dieser Zeit auch Wesentliches verpasst"! Das Umfeld habe mit dem galoppierenden sportlichen Erfolg nicht mithalten können. Seine Vorgänger hätten zu viel Verantwortung im Sinne des Vereins aus der Hand gegeben.

Alle wichtigen Entscheidungen in der Fußball-Abteilung haben der Hauptsponsor und der Spielertrainer - also Eduard Mühlherr und Bastian Renk - getroffen. Kappenberger betont ausdrücklich, dass er und der Klub diesen beiden Machern den großen sportlichen Erfolg zu verdanken haben. Er lobt deren Engagement auf und neben dem Platz in höchsten Tönen. Dennoch hätte der Vorstand mehr Einfluss, Gehör und Mitspracherecht nehmen müssen und sich die Entscheidung "Pro Landesliga" vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht für den Verein gut überdenken müssen.

Seine Vorgänger Dieter Reißenweber und dessen Stellvertreter Ingo Keller warfen inzwischen das Handtuch. Grund waren unterschiedliche Meinungen bei den Fusionsplänen mit dem VfL Frohnlach und den angestrebten Baumaßnahmen auf dem TSV-Gelände. An dieser Stelle erhebt Kappenberger ein zweites Mal warnend den Zeigefinger. Seine Kritik betrifft die Fusion! Diese Gedankenspiele haben seiner Überzeugung nach maßgeblich dazu geführt, dass das zuletzt mit Volldampf gesteuerte TSV-Boot langsam, aber sicher in Schieflage geriet.


Kappenbergers zweiter Vorwurf

Kappenberger kann die Frohn-lacher Bemühungen um eine Zusammenarbeit durchaus verstehen, schließlich stecke der Nachbarverein ja seit einiger Zeit in einer nicht wegzudiskutierenden sportlichen Krise. 2018 droht schon wieder ein Abstieg. Doch für ihn und seine Sonnefelder sei der Vorstoß der "Blau-Weißen" ein "Störfeuer" der besonderen Art gewesen. Mehr noch: Vielleicht der Anfang vom (Landesliga-)Ende?

Gut möglich, dass die Ära der "Schwarz-Weißen" auf Landesebene schneller zu Ende ist, bevor sie richtig begann. Fakt ist, dass der TSV das herrschende Niveau halten möchte - darüber sind sich alle Beteiligten einig. Doch da muss sportlich und finanziell schnellstmöglich Klarheit her. Zwar stehen mit Eduard Mühlherr noch Sponsoren-Gespräche aus und dabei ist die Hoffnung groß, dass der Gönner dem Klub rund um die Max-Schulz-Anlage auch nach der gescheiterten Fusion und dem Rückzug seines "Ziehsohnes" Bastian Renk weiterhin gut gesonnen bleibt. Dennoch ist schon jetzt die Zukunft mehrerer Leistungsträger ungewiss.

Civelek, die Özdemir-Brüder, Torwart Jauch, Routinier Simitci, Friedlein oder Rödel - um nur einige zu nennen - werden sich auf Grund der jüngsten Entwicklung gut überlegen, wo und ob sie künftig kicken. Die Befürchtung Kappenbergers, dass im Schlepptau des scheidenden Trainers der eine oder andere Spieler den Weg nach Frohnlach mit geht, ist nachvollziehbar.


Reichel, Eberhardt, Braungardt?

Und so lange das neue Sonnefelder Fußball-Konzept noch nicht steht - daran arbeiten Kappenberger und seine Interims-Mitstreiter derzeit unter Hochdruck - "haben wir einen schweren Stand. Vor allem bei Verhandlungen mit den Jungs". Eine der wichtigsten Personalien in diesem Konzept ist die Trainerfrage. Kurzfristig einen Mann zu finden, der die "Katze im Sack" kauft, ist schwer. Peter Reichel, Ex-Lichtenfelser, Redwitzer, Friesener und für kurze Zeit auch Lettenreuther Coach, hat bereits dankend abgelehnt. Michael Eberhardt, der beim TSV Mönchröden, VfL Frohnlach, FC Coburg oder TSV Neuensorg engagiert war, stammt aus Sonnefeld, kennt als A-Jugend-Trainer der Spielgemeinschaft den TSV aus dem Effeff und zeigt Interesse. Er ist zweifelsohne ein potenzieller Kandidat für die Nachfolge von Renk.

Kappenberger bestätigt die Kontakte mit Eberhardt und Reichel, räumt im gleichen Atemzug aber ein, dass es weitere Gespräche mit interessanten Kandidaten gibt: "Entschieden ist derzeit noch gar nichts".


Die Zeit drängt

Doch der junge Vorsitzende weiß natürlich, dass die Zeit drängt. Nicht nur die Spieler wollen wissen, wie es weiter geht. Spätestens bis Ostern müsse eine Entscheidung fallen, wer Trainer wird. Dass auch künftig beim TSV gekickt werde, steht außer Frage. Doch mit welchen Spielern, Trainern und vor allem ob weiterhin in der Landesliga, das steht in den Sternen, obwohl bei 30 Punkten nach 22 Spielen keine Abstiegsgefahr droht.

Ob es jedoch Sinn macht, mit einem quantitativ und vor allem qualitativ weit unterlegenen Spielerkader in der Landesliga anzutreten, muss reiflich überlegt werden. Regelmäßig in die Ferne fahren, um dann unfreiwillig, aber zwangsläufig zur "Schießbude der Liga" zu werden, will keiner. Spätestens dann droht Kappenberger aber tatsächlich der viel zitierte Scherbenhaufen...
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