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Coburg
Basketball ProB

Die zweite Chance für den BBC Coburg

Die Coburger Basketballer starten am Samstag in Würzburg in die neue Saison. inFranken.de stellte die BBC-Neuzugänge und die ProB-Teams vor.
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Neuzugang Dino Dizdarevic, beobachtet vom Cheftrainer Ulf SchabackerHagen Lehamnn
Neuzugang Dino Dizdarevic, beobachtet vom Cheftrainer Ulf SchabackerHagen Lehamnn
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Jeder Stein muss umgedreht werden." Ein Satz, der insbesondere in diesem Sommer nach dem frühen WM-Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft fast schon überstrapaziert wurde. Dass sich nach der insgesamt enttäuschenden vergangenen ProB-Saison der Coburger Basketballer, die zunächst im sportlichen Abstieg gipfelte, etwas verändern musste, lag auf der Hand. Die Frage lautete nur: Radikalkur oder maßvoller Neuaufbau?

Die BBC-Verantwortlichen entschieden sich für Letzteres, ohne es jedoch zu verpassen, Schlüsselpositionen auf und neben dem Parkett neu zu besetzen. Bevor überhaupt klar war, in welcher Liga der BBC in der Saison 2018/19 antreten wird, gab der Verein die Verpflichtung des neuen Trainers Ulf Schabacker bekannt, der Derrick Taylor beerbte. Nach einem zähen Geduldsspiel wurde wenige Wochen später publik, dass die Coburger trotz des vermeintlichen Abstiegs weiter in der dritthöchsten deutschen Spielklasse an den Start gehen dürfen. Möglich machte das eine Lizenzübertragung des Regionalliga-Meisters Rockets Erfurt II. Ein Umstand, der Trainer Ulf Schabacker und dem Sportlichen Leiter Matthias Haufer die Kaderplanung im Sommer erleichterte.

Die personelle Fluktuation, wie es sie bei vielen Ligakonkurrenten in diesem Sommer gab, blieb in Coburg aus. Stattdessen setzte der BBC auf den Kern der letztjährigen Mannschaft und ergänzte diesen mit Spielertypen, die in der vergangenen Runde gefehlt hatten. "Wir setzen auf Kontinuität. Hätten wir alle Spieler rausgeschmissen, hätte uns das das Publikum auch nicht gedankt. Die Coburger verzeihen eher mal eine Niederlage", erklärt Haufer. Die drei Identifikationsfiguren sind Kapitän Steffen Walde, der bereits in seine vierte Saison für den BBC geht, Aufbauspieler Yasin Turan, der als Jugendkoordinator auch abseits des Feldes Verantwortung übernimmt, und der gebürtige Bamberger Christopher Wolf, der seinen Vertrag jüngst bis 2021 verlängerte.

Dass neben der Identifikation auch der Erfolg nicht zu kurz kommt, dafür sollen auch die Neuzugänge sorgen. Der französische Aufbau- und Flügelspieler Kevin Franceschi wird mit seiner Schnelligkeit und Athletik die Hauptlast in der Offensive tragen, von US-Amerikaner Jason Penn erhoffen sich die Verantwortlichen die in der vergangenen Saison schmerzlich vermisste Härte unter den Körben. Mit den Guards Dino Dizdarevic und Daniel Krause haben die Coburger nun zwei deutsche Spieler in ihren Reihen, die bereits über Erstliga-Erfahrung verfügen.

Große Erfahrung kann auch der neue Geschäftsführer Wolfgang Gremmelmaier vorweisen. Mit seinem Netzwerk lockte er bereits den einen oder anderen neuen Partner zum BBC. Auch sonst tut sich einiges im Umfeld: Assistenztrainer und Projektentwickler Johannes Wunder bringt den Basketball seit kurzem mit dem groß angelegten "Team-Up" den Coburger Schülern näher.

Damit diese künftig auch Vorbilder haben, zu denen sie aufschauen können, ist es von großer Bedeutung, dass sich der BBC in der ProB etabliert. Und was macht Hoffnung, dass der Ligaverbleib diesmal gelingt? "Wir haben in diesem Jahr eine ausgewogenere Teamzusammenstellung. Im vergangenen Jahr hatten wir zu viele Spieler, die auf ähnlichen Positionen agierten", sagt Haufer, den in der Vorbereitung vor allem die Verteidigungsarbeit der Mannschaft positiv stimmte. "Unsere Defensive ist stärker geworden. Jetzt sollten wir auch mal in der Lage sein, einen schlechten Tag in der Offensive auszugleichen."

Zu beobachten war dies unter anderem beim Vorbereitungsturnier in Breitengüßbach, als der BBC-Offensivmotor gegen die Regionalligisten TTL Bamberg und Treuchtlingen noch stockte, aber die Partien mit einer engagierten Verteidigungsleistung noch gedreht werden konnten. Nicht zuletzt setzen die Coburger Verantwortlichen ihre Hoffnungen natürlich auch in den neuen 61-jährigen Übungsleiter. "Ulf ist bei jeder Trainingseinheit mit vollem Herzen und Feuer dabei", sagt Haufer. "Er wird auch mal laut und springt den Spielern ins Gesicht, ist aber immer zu 100 Prozent authentisch bei seinen Ansprachen. Er braucht auch keinem mehr etwas beweisen."

Beweisen muss das Coburger Team in der kommenden Saison seine Ligatauglichkeit. Haufer macht zwar keinen Hehl daraus, dass das sportliche Abschneiden 2017/18 in Relation zum Budget, das sich auch in der neuen Saison im mittleren sechsstelligen Bereich bewegen wird, für alle Beteiligten enttäuschend war, bleibt aber bei der Zielsetzung demütig. "Ganz klar der Klassenerhalt, im Notfall auch über die Abstiegsrunde."

Die Neuzugänge im Porträt:

Jason Penn: Die Coburger gehörten in der vergangenen Spielzeit zu den schlechtesten Mannschaften in den Kategorien "Rebounds" und "Shotblocking" - mit dem Modellathleten Jason Penn unter den Körben soll das kein zweites Mal passieren. Für den zurückhaltenden US-Amerikaner ist Coburg die erste Station außerhalb seiner Heimat, dementsprechend hatte der 22-Jährige in den ersten Testspielen noch Probleme mit der Auslegung der Schrittfehler hierzulande. In der Defensive entwickelte sich Penn mit seiner Athletik schnell zum erhofften Anker in der Zone. Die Einbindung des Zwei-Meter-Manns, der bevorzugt mit dem Rücken zum Korb agiert und beidhändig abschließen kann, in das Offensivspiel muss dagegen noch besser werden.

Kevin Franceschi: Der vielseitig einsetzbare Aufbau- und Flügelspieler ist als erste Option in der Offensive eingeplant. Francheschis größte Waffe ist der explosive erste Schritt, mit dem der Franzose wohl an fast jedem Gegenspieler dieser Liga vorbeikommt. Am Ring schließt "Air France" meist spektakulär und kompromisslos ab. Sein Distanzwurf fällt nicht konstant, muss aber zumindest respektiert werden. Wegen Hüftproblemen musste Francheschi beim Turnier in Breitengüßbach passen und konnte zuletzt auch nur eingeschränkt trainieren. Ob der 1,93 Meter große Guard zum Saisonstart fit sein wird, ist noch unklar. Einen längeren Ausfall ihres "Kreativspielers" könnte der BBC wohl nur schwer auffangen.

Daniel Krause: Ob Bundesliga, ProA, ProB oder 1. Regionalliga - Daniel Krause kennt die höchsten deutschen Spielklassen alle. Der 29-Jährige soll mit seiner Erfahrung der Ruhepol im Coburger Spiel werden. In der vergangenen Spielzeit trat er berufsbedingt mit seiner Station beim Regionalligisten Herzogenaurach etwas kürzer, jetzt will es der gebürtige Niedersachse noch einmal wissen. Die Stärke des Flügelspielers ist der Distanzwurf. In der Vorbereitung war das Visier des angehenden Bundespolizisten aber noch nicht richtig eingestellt. Sorgen macht sich der Sportliche Leiter Matthias Haufer deshalb nicht: "Er bringt Ruhe hinein und macht viele schlaue Sachen auf dem Feld. Er versteht das Spiel einfach gut."

Dino Dizdarevic: Der 23-jährige deutsche Guard kommt mit der Empfehlung von 26 BBL-Spielen in der vergangenen Saison (Rockets Erfurt, neun Minuten Spielzeit im Schnitt) in die Vestestadt. Dizdarevic hatte auch Angebote von höherklassigen Vereinen vorliegen, entschied sich aber für den BBC und Trainer Ulf Schabacker, unter dem er 2012 die deutsche Meisterschaft in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (NBBL) gewann. Während es für Dizdarevic in der vergangenen Spielzeit in der 1. Liga darum ging, offene Dreier einzunetzen und hart zu verteidigen, muss er sich nun zu einem Führungsspieler entwickeln.

Andy Rico: Der Weg des zweiten französischen Neuzugangs in den BBC-Kader darf getrost als kurios bezeichnet werden. Beim Coburger Freizeitturnier "Midnight Street Challenge" hinterließ Rico, der zuvor in der Oberliga gespielt hatte, mit seiner Physis und Durchsetzungskraft bleibenden Eindruck bei Coburgs Aufbauspieler und Jugendkoordinator Yasin Turan. Nach einem überzeugenden Probetraining hatte der 27-Jährige seinen Kaderplatz sicher. Das 1,98 Meter große und 112 Kilogramm schwere Kraftpaket soll vor allem im Training seine Centerkollegen Max von der Wippel und Jason Penn fordern.

Die Favoriten: Leverkusen und Elchingen

Ähnlich viel Wirbel gab es im Sommer bei den Kölner Basketballern. Nach drei erfolglosen Versuchen der RheinStars, den Aufstieg von der ProA in die BBL zu realisieren, zogen sich die Kölner freiwillig in die ProB zurück. Größtes Problem waren die Mietkosten in der größten deutschen Multifunktionshalle Lanxess-Arena (18 700 Plätze), die trotz der Reduzierung der Kapazität (4000 Plätze) nicht im Ansatz gefüllt werden konnte. Nachdem alle Leistungsträger den Verein verließen und auch die Vorbereitung unruhig verlief, dürfte ähnlich wie für Erfurt erst einmal der Klassenerhalt zählen.

Diesen verpasste die "Orange Academy", die zweite Mannschaft des Bundesligisten Ratiopharm Ulm, in der vergangenen Saison in der ProA. Mit David Krämer und Till Pape haben die Ulmer zwei Spieler im Kader, die bereits in der 1. Liga Akzente setzten. Viel Talent bringt auch der erst 17-jährige Aufbauspieler Zach Ensminger, Sohn der Bamberger Basketball-Legende Chris, mit.

Schon mehrmals an das Tor der ProB angeklopft, klappte es für den Meister der Regionalliga Südwest, Panthers Schwenningen, nun endlich mit dem Aufstieg. Anders als die Mehrzahl der ProB-Teams setzen die Schwenninger nicht auf den Nachwuchs, sondern auf gestandene und abgezockte Akteure - vier Spieler sind über 30 Jahre alt. Auch aufgrund dieser Erfahrung glaubt Matthias Haufer, Sportlicher Leiter des BBC Coburg, dass der Aufsteiger in der oberen Tabellenhälfte landen wird.

Die Topfavoriten auf den Aufstieg sind für Haufer der letztjährige ProB-Meister Scanplus Baskets Elchingen, der wegen des Fehlens einer geeigneten Halle auf das Aufstiegsrecht verzichten musste, und die Bayer Giants Leverkusen, die in dieser Saison von Hansi Gnad (Europameister 1993) betreut werden.

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