Coburg
Basketball

Coburger Achterbahnfahrt mit schlechtem Ende

Das Basketball-Hoch in Coburg ist nach dem Abstieg des BBC aus der ProB vorerst gestoppt worden. Die Aufarbeitung der missglückten Spielzeit hat begonnen.
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Auf dem harten Boden der Tatsachen sind die Coburger um Jordan Burris nicht nur in Würzburg gelandet - an den treuen BBC-Fans (im Hintergrund) lag es sicher nicht.  Foto: BBC Coburg
Auf dem harten Boden der Tatsachen sind die Coburger um Jordan Burris nicht nur in Würzburg gelandet - an den treuen BBC-Fans (im Hintergrund) lag es sicher nicht. Foto: BBC Coburg
100 Coburger Schlachtenbummler haben am Sonntag alles gegeben, etwas Heimspielatmosphäre in die enge und überhitzte Würzburger TGW-Halle zu transportieren. An ihnen lag es gewiss nicht, dass ihr Team im 14. Auswärtsspiel der ProB-Saison zum 13. Mal das Feld als Verlierer verließ. "Die Mannschaft hat sich nach dem Spiel für die tolle Unterstützung bedankt, das war noch einmal ein schöner Moment", sagt Matthias Haufer, Sportlicher Leiter beim BBC Coburg.

Versöhnliche Bilder, die aber nicht über eine insgesamt verkorkste Saison, die nach der 78:90-Niederlage bei der TG s. Oliver Würzburg mit dem Abstieg in die 1. Regionalliga gipfelte, hinwegtäuschen dürfen. "Wir sind nicht gestern abgestiegen, zu diesem Endspiel hätte es gar nicht kommen müssen", sagt Haufer in Anspielung auf ein gutes halbes Dutzend Spiele, das die Coburger im Griff hatten, aber letztlich noch aus der Hand gaben.

"Es ist ein Rauf und Runter in dieser Saison, wie in einer Achterbahn", sagte BBC-Vorsitzender Wolfgang "Jack" Hörnlein nach dem 66:61-Erfolg gegen den FC Bayern Ende März. Ein Eindruck, den die Mannschaft von Trainer Derrick Taylor am Sonntag auch innerhalb eines Spieles wieder bestätigen sollte.

Nach einem beherzten Beginn der Coburger folgte im zweiten Viertel der erste Einbruch, als der BBC am Brett hoffnungslos unterlegen war und einen 0:11-Lauf hinnehmen musste. Nach zwischenzeitlich 16 Punkten Rückstand kämpften sich Walde und Co. wieder auf einen Punkt heran (56:55) und hätten sogar in Führung gehen können. Im Anschluss begingen die Coburger zwei Fouls - die von den Schiedsrichtern als "unsportlich" eingestuft wurden -, schickten die Würzburger damit mehrmals an die Linie und waren in der Folge völlig verunsichert. Die Unterfranken enteilten mit einem 10:0-Lauf fast vorentscheidend (66:55).

"Nach den zwei unsportlichen Fouls war das Momentum weg und die Luft raus, dann gingen die Köpfe runter. Das ist schade, denn im dritten Viertel haben wir mit unserem Lauf eine gewisse Euphorie entfacht", sagt Haufer. Den Sieg vor Augen und dann den Faden verloren: ein Sinnbild für die komplette Spielzeit. "Wir waren einfach nicht clever genug, wir haben oft zweistellig geführt, aber es nicht geschafft, diese Spiele über die Bühne zu bringen."


Fehlende Athletik im Kader


Auch die zweite große Schwäche der Mannschaft, die sich durch die komplette Saison gezogen hat, das Rebounding, offenbarte sich am Sonntagabend. Fast doppelt so viele Abpraller (40:22) schnappten sich die Würzburger, die mit Dejan Kovacevic (15 Punkte, 10 Rebounds) und Leon Kratzer (10 Punkte, 9 Rebounds) aber auch über ein bundesligataugliches Centerduo verfügen. Die Reboundschwäche macht Haufer einerseits an Konzentrationsschwächen der Akteure fest, die es schlicht teilweise verpassten, ihre Gegenspieler "auszuboxen", andererseits aber auch an der eigenen Kaderzusammenstellung. "Wir müssen uns im Nachhinein fragen, ob wir genug Athletik im Kader hatten. Wir haben keinen Shotblocker im Team, der den Ring beschützen kann, wenn unsere Guards geschlagen werden", erklärt ein selbstkritischer Haufer und fügt an: "Alle Beteiligten haben in dieser Saison Fehler gemacht."


Mit Sieg im letzten Spiel von Fans verabschieden


Zum Teil sollen diese Fehler bereits am Montagabend, wenn sich Haufer mit den Trainern Derrick Taylor und Johannes Wunder sowie BBC-Geschäftsführer Manuel "Bobby" Fischer und "Jack" Hörnlein trifft, aufgearbeitet werden. Entscheidungen über die Zukunft einzelner Spieler fallen dabei aber noch nicht, damit wolle man bewusst erst nach dem letzten Spiel gegen Karlsruhe (Samstag, 19.30 Uhr, HUK-Arena) beginnen.

"Da wollen wir uns zumindest mit einem Heimsieg ehrenvoll und mit einem guten Gefühl in die Sommerpause verabschieden", sagt Haufer, der selbst noch einen Vertrag bis 2019 in Coburg besitzt. Ob der Sportliche Leiter dabei auch in der Regionalliga mit Trainer Derrick Taylor, der im Dezember 2017 zum BBC kam, zusammenarbeiten wird, ist noch offen. "Wir haben in einigen Spielen eine Leistungssteigerung zur Vorrunde gesehen, aber die grundlegenden Defizite, also vor allem die Konstanz in unserem Spiel, konnte auch Derrick nicht stoppen", erklärt Haufer. "Man muss dazu aber auch sagen, dass er mit einer Mannschaft arbeiten musste, die er nicht selbst zusammengestellt hat."

Sechs Akteure aus diesem Team, nämlich Max von der Wippel, Christopher Wolf, Eividas Molosciakas, Matthias Fichtner, Daniel Stawowski und Yasin Turan, haben noch einen Vertrag für 2018/19 - gültig sind diese Arbeitspapiere aber nur für die ProB. Gespräche über die Zukunft sollen mit allen Spielern nach der Karlsruhe-Partie geführt werden.


Kleine Hoffnung auf ProB bleibt


Eine kleine Coburger Resthoffnung auf die ProB in der kommenden Spielzeit bleibt. So ist es im Basketball nicht unüblich, dass die Meister der Regionalligen (Südost: TSV Oberhaching oder Gotha Rockets II; Südwest: Panthers Schwenningen oder SG Dürkheim/Speyer) auf ihr Aufstiegsrecht verzichten und auch die dahinter platzierten Teams die wirtschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen für die ProB nicht erfüllen können. In diesem Fall wären die Coburger, die die ProB-Lizenz fristgerecht beantragt haben, ein potenzieller Nachrücker.

Ein Szenario, das Haufer allerdings für unwahrscheinlich hält und für ihn auch nicht im Sinne des sportlichen Wettbewerbs wäre. "Ein Rückschlag wie der Abstieg kann auch immer eine Chance sein. Mit dem Basketball in Coburg ging es sehr schnell aufwärts, der sportliche Erfolg war verlockend. Jetzt müssen wir versuchen, aus unseren Fehlern zu lernen, uns neu zu justieren und wieder anzugreifen", so Haufer.


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