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Coburg
Basketball

BBC-Heimspiele ohne Zuschauer: "Die Jungs sind sehr geknickt"

Das Coronavirus und die Folgen auf den Spielbetrieb trüben beim BBC Coburg die Vorfreude auf die Play-offs. Die Stadt Coburg bestätigte, dass das erste Spiel in der HUK-Arena ohne Publikum stattfinden müsste. Abends gab die Liga bekannt, dass der Spielbetrieb am Wochenende ruhen wird.
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BBC-Trainer Ulf Schabacker Foto: Hagen Lehmann
BBC-Trainer Ulf Schabacker Foto: Hagen Lehmann

"Zweimal Kastelruther Spatzen bitte zurück." Ein Mann mittleren Alters wedelt vor dem Kartenkiosk Bamberg an der Brose-Arena mit zwei Tickets für die Volksmusikgruppe und wünscht sich sein Geld zurück. "Geht leider noch nicht, das Konzert wird in den Herbst verschoben und nicht abgesagt", erklärt Ulf Schabacker am Mittwochvormittag. Der 63-Jährige ist nicht nur Trainer des BBC Coburg, sondern auch Geschäftsführer Ticketing des Veranstaltungsservice Bamberg. Aufklärungsarbeit, wie mit gekauften Karten für Veranstaltungen aller Art in Folge von Corona umgegangen wird, muss er an diesem Tag fast minütlich leisten.

Zeitweise klingeln sogar zwei Telefone gleichzeitig, denn Schabacker hat natürlich auch seinen BBC ständig im Hinterkopf und hält Kontakt mit seinem Assistenztrainer Valentino Lott, der an diesem Tag die Vormittagseinheit leitet.

Bei aller sportlicher Vorbereitung auf die Play-offs in der dritthöchsten deutschen Spielklasse, schwirrt natürlich auch im Training das Thema "Coronavirus" und dessen Auswirkungen auf den Spielbetrieb über allem.

"Wir hatten am Dienstagabend eine Mannschaftssitzung, die Jungs sind wegen diesem Thema alle sehr geknickt", sagt Schabacker. "Die Spieler machen das ja alles, um sich vor den Fans zu präsentieren. Schließlich haben wir für unser Play-off-Spiel gegen Dresden 2000 Zuschauer erwartet."

Geisterspiel am 22. März?

Am Mittwochnachmittag schuf die Stadt Coburg für die Verantwortlichen und Fans des BBC Coburg zumindest zwischenzeitlich Klarheit. In einer Vereinsmitteilung heißt es: "Der BBC Coburg muss seine kommenden Heimspiele in den Play-offs hinter geschlossenen Türen absolvieren. Am Nachmittag erreichte die Vestestädter eine Allgemeinverfügung der Stadt Coburg, die Veranstaltungen mit mehr als 200 Teilnehmern untersagt. Das betrifft auch das erste Play-off-Heimspiel der Vereinsgeschichte gegen die Dresden Titans am 22. März."

Ob diese Partie aber wirklich stattfinden kann, ist nach den Entwicklungen am späten Mittwochabend sehr fraglich. Denn da gab die 2. Basketball-Bundesliga in einer Pressemitteilung bekannt, dass der Spielbetrieb am kommenden Wochenende ruhen wird (siehe Infobox). Ob die Play-offs komplett entfallen oder nur zeitlich aufgeschoben werden, scheint offen und soll in der nächsten Woche entschieden werden.

"Dresden ist leichter Favorit"

Unabhängig aller Unwägbarkeiten rund um das Coronavirus versuchen Schabacker und sein Trainerteam die Mannschaft wie gewohnt auf die sportliche Aufgabe einzustellen. Dass die Coburger (5. Platz in der ProB Süd) es mit den Titans zu tun bekommen, kam für Schabacker und die anderen BBC-Verantwortlichen etwas überraschend.

Die Sachsen haben sich nach dem 66:64-Auswärtssieg in Münster am letzten Spieltag noch auf den vierten Platz in der ProB Nord vorgeschoben. "Wir hatten eher mit Bochum oder Rist Wedel als Gegner gerechnet, aber von der Anreise her ist Dresden natürlich angenehm. Bei den anderen Mannschaften hätten wir übernachten müssen", so Schabacker. Sportlich sieht er sein Team auf Augenhöhe. "Aufgrund des Heimvorteils ist Dresden aber schon leichter Favorit", meint der BBC-Coach. Für die Titans sind Heimspiele mehr als nur ein Vorteil. Zehn ihrer elf Partien vor heimischer Kulisse gewannen die Dresdner in der Hauptrunde - keines der 24 ProB-Teams war besser.

Die Coburger halten mit sieben Siegen und nur vier Niederlagen auf fremdem Parkett mit eine starken Auswärtsbilanz dagegen. Mit der Ausbeute in der HUK-Arena (vier Siege, sieben Niederlagen) ist Schabacker verständlicherweise nicht zufrieden. "Das ärgert mich massiv. Insbesondere die Niederlagen zuletzt vor rund 1200 Zuschauern gegen Baunach und die Bayern. Wobei wir gegen die Bayern vernünftig gespielt haben. Vielleicht machen wir uns zu Hause etwas zu viel Druck."

Wäre da eine leere HUK-Arena nicht sogar befreiend? Mit einem Grinsen lässt Schabacker die provokante und nicht ganz ernst gemeinte Frage im Raum stehen.

Grund zur Freude hat der 63-Jährige angesichts der aktuellen Personalsituation. Bis auf die Langzeitverletzten Shore Adenekan (Achillessehnenriss) und Johannes Krug (Kreuzbandriss) sowie den Doppellizenzspieler Nico Wenzl, der im Training von Medi Bayreuth umgeknickt ist, stehen dem BBC-Coach alle Akteure zur Verfügung. "Nach der Rückkehr von Princeton Onwas und Chris Wolf haben wir wieder akzeptable Trainingsbedingungen und können mal wieder Fünf-gegen-Fünf spielen. Das macht allen mehr Spaß", sagt Schabacker.

Besonders viel Spaß machen den Anhängern der Dresden Titans in dieser Saison zwei Spieler: Center Georg Voigtmann (15,4 Punkte und 10,5 Rebounds pro Spiel), Bruder des deutschen Nationalspielers Johannes Voigtmann, und Shooting Guard Eric Palm (17,3 Punkte und 3,6 Assists). "Voigtmann ist sehr vielseitig und trotz seiner Größe ein guter Dreierschütze. Palm ist ein sehr erfahrener Spieler, den man nicht in seinen Schussrhythmus kommen lassen darf", sagt Schabacker. "Insgesamt spielt Dresden aber einen sehr mannschaftsdienlichen Basketball und präsentiert sich geschlossen." Ein starkes Kollektiv dürfte auch für den BBC Coburg der Schlüssel für erfolgreiche Play-offs werden - wenn es denn überhaupt welche geben wird.

Basketball-Liga ProB: Keine Play-off-Spiele am Wochenende

Kein Spielbetrieb Wie die 2. Basketball-Bundesliga in einer Pressemitteilung am Mittwochabend bekanntgab, wird der Spielbetrieb der ProA (letzter Hauptrundenspieltag) und der ProB (erste Spiele in den Play-offs und Play-downs) ruhen. Somit wird auch das Spiel des BBC Coburg bei den Dresden Titans, das für Sonntag (16 Uhr) angesetzt war, nicht stattfinden. Der Wortlaut "Aufgrund der Entwicklung in den vergangenen Tagen und den deutlichen Verschärfungen der Gesundheitsämter und Behörden in Bezug auf Veranstaltungen mit Zuschauern, sieht die Liga eine massive Ungleichheit bei der Austragung der Spiele. Zudem steht für die Liga, die Gesundheit der Spieler, Trainer, Vereinsverantwortlichen und nicht zuletzt der Fans an oberster Stelle. Die deutlichen Einschränkungen in Bezug auf die Zuschauer bei der Austragung der Spiele führen bei einem Großteil der Vereine zu finanziellen Gegebenheiten, die die Liga gemeinsam mit den Vereinen in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in der kommenden Woche bewerten wird. Um die Gesundheit aller Beteiligten nicht zu gefährden und nach intensiver Beratung hat die Liga entschieden, den 30. Spieltag in der ProA sowie die Play-off- und Play-down-Spiele in der ProB am kommenden Wochenende auszusetzen. Die Liga wird sich gemeinsam mit den Vereinen in der kommenden Woche in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung über den weiteren Saisonverlauf beraten und abstimmen."