Coburg
Basketball ProB

BBC Coburg: Erst die Verteidigung, dann das Vergnügen

Mit einem ganzen Dutzend neuer Spieler geht der BBC Coburg am Sonntag in seine dritte Saison in der dritthöchsten deutschen Spielklasse. Cheftrainer Ulf Schabacker legt den Fokus mit seiner jungen und sehr ausgeglichen besetzten Mannschaft dieses Jahr auf die Defensive.
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Das Team des BBC Coburg für die Spielzeit 2019/20 (hintere Reihe, von links): Nico Wenzl, Johannes Krug, Christopher Wolf, Moritz Bär, Anthony Bauer, Daniel Urbano und Shore Adenekan. Vordere Reihe von links: Cheftrainer Ulf Schabacker, Louis Herbst, Timo Dippold, Sven Lorber, Constantin Ebert, Jevon Perschnick, Toni Baric und Princeton Onwas.  Foto: BBC Coburg
Das Team des BBC Coburg für die Spielzeit 2019/20 (hintere Reihe, von links): Nico Wenzl, Johannes Krug, Christopher Wolf, Moritz Bär, Anthony Bauer, Daniel Urbano und Shore Adenekan. Vordere Reihe von links: Cheftrainer Ulf Schabacker, Louis Herbst, Timo Dippold, Sven Lorber, Constantin Ebert, Jevon Perschnick, Toni Baric und Princeton Onwas. Foto: BBC Coburg

Der Zufall will es so: Der BBC Coburg startet am gleichen Datum (22. September) und am gleichen Ort (in Würzburg) wie im vergangenen Jahr in die neue ProB-Spielzeit. Drei Tage vor dem Gastspiel bei der TG s. Oliver Würzburg nimmt das Tageblatt die neu formierte Mannschaft von Trainer Ulf Schabacker unter die Lupe. Der Umbruch: Neu-Kapitän Christopher Wolf ist gewissermaßen "Last Man Standing". Außer dem 24-jährigen Bamberger und Shooting Guard Louis Herbst, der in der vergangenen Saison aber gerade einmal auf fünf Saisonminuten gekommen war, kehrte im Sommer kein weiteres bekanntes Gesicht in die Vestestadt zurück - zehn Abgängen stehen zwölf Neuerwerbungen gegenüber.

Eine Radikalkur, die nach einer insgesamt durchwachsenen Spielzeit 2018/19 von den BBC-Verantwortlichen größtenteils so gewollt war, nichtsdestotrotz gab es aber auch einige Akteure, die man gerne behalten hätte. Zu nennen sind hier die Guards Kevin Franceschi und Chase Adams, die dank ihrer starken Leistungen im BBC-Dress schon im Laufe der vergangenen Spielzeit das Interesse finanzstärker Klubs auf sich gezogen haben. Der Franzose Franceschi wechselte zum griechischen Zweitligisten Agrinio, der US-Amerikaner Adams spielt künftig für die Rostock Seawolves in der ProA. Rostock ist auch die Heimatstadt des neuen Sportlichen Leiters Carsten Richter, der Matthias Haufer, der künftig die gleiche Position bei Medi Bayreuth ausübt, beerbt. Da der 29-jährige Medienkaufmann seinen Job beim BBC aber erst Mitte August antrat, war mit der Kaderzusammenstellung in erster Linie Cheftrainer Ulf Schabacker vertraut.

Während der Vorbereitung war der 62-Jährige übrigens auch beim Coaching auf sich alleine gestellt, da sich vor einigen Wochen überraschend die Wege des bisherigen Assistenztrainers Johannes Wunder und des BBC trennten. Ein neuer Co-Trainer, der die Liga bereits kennt, ist aber in Sicht und soll Anfang Oktober zum Team stoßen.

Die Ausrichtung/Vorbereitung: Ein Dutzend neue Spieler durfte Schabacker Mitte August zum Trainingsauftakt begrüßen. Auffällig: Zehn von zwölf Akteuren haben einen fränkischen Bezug, sprich sind in Franken geboren oder haben zumindest zuvor bei einem anderen fränkischen Klub gespielt. Ein bewusst gewähltes "Qualitätskriterium" der Coburger Verantwortlichen, um trotz des personellen Umbruchs für Identifikation zu sorgen.

Für Schabacker waren längst nicht alle Gesichter unbekannt: die Guards Sven Lorber und Timo Dippold kennt er bestens aus seiner Zeit in Breitengüßbach. Um die Systeme im Detail einzustudieren und das neu formierte Team zusammenzuschweißen, verbrachte der BBC einige Tage in einem Trainingslager in Elxleben bei Erfurt.

Bei den Testspielgegnern wurde auf Experimente verzichtet. Gegen Breitengüßbach (57:61-Niederlage, 76:67-Sieg), gegen die Basketball Löwen Erfurt (84:62-Sieg, 80:84-Niederlage) und gegen Science City Jena II (87:85-Sieg) spielten die Schabacker-Schützlinge bereits im vergangenen Sommer. Dazu kamen noch drei Vorbereitungsspiele gegen die Ligakonkurrenten Baunach Young Pikes (62:61-Sieg/68:72-Niederlage) und den FC Bayern München II (64:63-Sieg).

Die Aussagekraft der fünf Siege und drei Niederlagen gegen Teams aus der ProB und Regionalliga hält sich in Grenzen, dafür verraten die insgesamt niedrigen Ergebnisse etwas über die (neue) Spielphilosophie des BBC Coburg: Die Verteidigung steht im Vordergrund. "Wir sind ein junges, athletisches und hungriges Team, das defensiv-orientiert ist", bringt der Sportliche Leiter Carsten Richter die Ausrichtung auf den Punkt. Das Saisonziel? "Wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben und die Play-downs vermeiden." Das wäre gleichbedeutend mit dem erstmaligen Einzug in die Play-offs der ProB.

Die Guards: Point Guard Constantin Ebert ist der Coburger Schlüsselspieler für die kommende Spielzeit. Der 23-Jährige gebürtige Würzburger gehört in fittem Zustand zu den besten deutschen Spielern der ProB Süd. Nach seiner einjährigen Spielpause aufgrund eines Kreuzbandrisses, den sich der 1,82 Meter große Aufbauspieler im August 2018 in einem Testspiel zugezogen hatte, standen zu Vorbereitungsbeginn noch einige Fragezeichen im Raum, die mittlerweile ausradiert sein dürften. "Er verträgt die Belastung sehr gut. Beim Vorbereitungsturnier in Breitengüßbach hat er in zwei Tagen zweimal mehr als 30 Minuten gespielt", sagt Richter über den neuen Coburger Co-Captain.

Auch wenn der neue BBC-Backcourt sehr breit aufgestellt ist, ist Ebert einerseits als Denker und Lenker, aber auch als Punktesammler nicht zu ersetzen. Mit Adams, Franceschi und Dino Dizdarevic haben die Coburger drei offensiv talentierte Guards verloren, der Fokus der anderen Neuzugänge auf diesen Positionen liegt vor allem im Defensivbereich.

Bestes Beispiel ist der 27-jährige Toni Baric, der den Sprung von der zweiten BBC-Mannschaft ins ProB-Team geschafft hat. Der Kroate soll bei Kurzauftritten Intensität ins Spiel bringen, indem er den gegnerischen Aufbauspieler übers Feld "jagt" und sich den einen oder anderen Ball erobert. "Er ist der Mann für die Hallo-Wach-Effekte", sagt Richter.

Ähnlich ideale Verteidiger für eine Pressverteidigung über das ganze Feld, wie sie kommende Saison häufiger angedacht ist, sind die Shooting Guards Sven Lorber und Timo Dippold. Beide sind hart arbeitende und selbstlose Akteure, die genau wissen, was Coach Schabacker von ihnen erwartet, und nach einigen Jahren in der Regionalliga den nächsten Schritt in der Vestestadt machen wollen.

Komplettiert werden die kleinen Positionen von den Bayreuther Doppellizenzspielern Nico Wenzl und Jevon Perschnick. Dem erst 18-jährigen Wenzl wird eine große Zukunft auf der Aufbauposition prophezeit. In der vergangenen Saison führte der Schüler sowohl die zweite Bayreuther Mannschaft in der 2. Regionalliga (15,7 Punkte pro Spiel) als auch das NBBL-Team (17,4 Punkte) an und ist auch beim BBC als Teil der Rotation vorgesehen.

Die Forwards: Small Forward Princeton Onwas und Power Forward Chris Wolf sind als "Starter" und Führungsspieler gesetzt. "Chris liebt diesen Sport und ist durch und durch ein Motivator. Er ist völlig zu Recht Kapitän und hat große Lust, Coburg im dritten ProB-Jahr in die Play-offs zu führen", sagt Richter.

Sportlich macht Wolf als großen Spieler besonders sein lockeres Händchen von der Dreierlinie wertvoll, in der Saison 2018/19 traf der Zwei-Meter-Mann fast 40 Prozent seiner Versuche hinter der 6,75-Meter-Linie.

Eine Wurfquote, mit der auch Neuzugang Onwas sicher gut leben könnte. Der US-Amerikaner ist ein solider Werfer, zeichnet sich aber vor allem durch sein Gesamtpaket aus. "Er ist offensiv sehr vielseitig, kann mit seiner Größe (Anm. d. Red.: 1,98 Meter) auch den Ball nach vorne bringen. Aber vor allem spielt er richtig gerne Defense, das ist bei Amerikanern nicht immer der Fall", erklärt Richter.

Daniel Urbano (kam aus Jena) ist auf beiden Forward-Positionen einsetzbar und wird sowohl Wolf als auch Onwas Verschnaufpausen geben. Der 23-Jährige verpasste die letzten Testspiele, nachdem er im Training umgeknickt war. Pünktlich zum Saisonstart bei der TG s. Oliver Würzburg, für die er zwischen 2014 und 2017 27 ProB-Spiele absolvierte, könnte er wieder einsatzfähig sein.

Die Center: Die Dauer-Baustelle des BBC Coburg, das Rebounding, sollen die beiden 2,06 Meter großen Center Shore Adenekan und Moritz Bär in den Griff bekommen. Während der Brite die vergangenen drei Jahre in der deutschen Regionalliga verbrachte, war der Bayreuther zuletzt für die BSW Sixers in der ProB Nord aktiv - allerdings mit unregelmäßiger Spielzeit. "Moritz bewegt sich als großer Mann gut und bringt die richtigen körperlichen Voraussetzungen mit. Er braucht viel Spielzeit und hat diese bei uns zuletzt immer besser genutzt", so Richter. Das trifft auch auf Adenekan zu, der aufgrund einer Erkrankung verspätet ins Teamtraining eingestiegen ist. Während die defensiven Qualitäten des 27-Jährigen als Ringbeschützer unbestritten sind, muss er sich offensiv noch steigern und seine Zögerlichkeit in der Zone ablegen. Denn körperlich kann dem Modellathleten mit seinen 110 Kilogramm in dieser Liga kaum jemand das Wasser reichen.

Die Liga: 24 Mannschaften, die zur Hälfte in eine Süd- und eine Nordstaffel eingeteilt sind, bilden auch in der kommenden Spielzeit die ProB. Die dritthöchste deutsche Spielklasse versteht sich weiter vornehmlich als Ausbildungsliga. Sechs der zwölf Klubs in der Coburger Staffel (ProB Süd) sind Entwicklungsmannschaften von Erstligisten.

Auch der BBC ging im Sommer eine zunächst auf ein Jahr begrenzte Kooperation mit dem Bundesligisten Medi Bayreuth ein. Inhalt dieser Zusammenarbeit ist, dass drei Bayreuther Talente mit einem Zweitspielrecht auch für den BBC in der ProB auflaufen dürfen. Die Coburger Verantwortlichen legen aber auf ihre Eigenständigkeit großen Wert und sehen sich nicht als ein Farmteam. Obwohl das Durchschnittsalter des Coburger Kaders gerade einmal knapp 22 Jahre beträgt, liegt der BBC in dieser Kategorie nur im Mittelfeld der Liga.

Toptalente, die zum Teil schon Erstliga-Erfahrung vorweisen können, gibt es genug in der ProB Süd. Darunter sind unter anderem Nils Haßfurther (Würzburg), Mateo Seric (Baunach), Matej Rudan (Bayern), Marius Stoll (Ulm) oder Bjarne Kraushaar (Gießen). Besonders die Unberechenbarkeit der zweiten Mannschaften machen die Liga wieder zu einer kleinen Wundertüte.

Wer sind die Favoriten? Die beiden ProA-Absteiger White Wings Hanau, erster Gast in der HUK-Arena am 29. September, und Baunach sehen sich jedenfalls nicht in dieser Rolle. Die Hessen haben fast ihr komplettes Team ausgetauscht und werden sicher eine gewisse Anlaufzeit benötigen, die Young Pikes wurden noch jünger, verzichten zunächst auf einen Importspieler und geben nur das Ziel Play-offs aus.

Aufstiegsambitionen seit mehreren Jahren hegen die ScanPlus Baskets Elchingen, die sich die Dienste des bundesliga-erfahrenen Trainers Igor Perovic gesichert haben. Trotz vieler neuer Spieler haben die Schwaben in der Vorbereitung mit einigen deutlichen Testspielsiegen gegen Konkurrenten aus der ProB einen starken Eindruck hinterlassen. Einen bekannten Coach konnte auch die Orange Academy vorstellen. Die zweite Mannschaft von Ratiopharm Ulm betreut Anton Gavel, fünffacher deutscher Meister mit Brose Bamberg und dem FC Bayern.

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