Coburg

Anton Gavel: Der Musterprofi in neuer Rolle

Der Deutsch-Slowake Anton Gavel prägte als Spieler mit vier deutschen Meistertiteln eine Ära in Bamberg mit. Am Sonntag ist der Trainerneuling mit seinen Ulmern in Coburg zu Gast. BBC-Trainer Ulf Schabacker kennt er gut.
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Anton Gavel feuert seine Mannschaft von der Seitenlinie an. Der frühere Defensivspezialist setzt auch als Trainer auf die Abwehr. Die Orange Academy lässt am zweitwenigsten Punkte in der ProB Süd zu.  Foto: sportpress
Anton Gavel feuert seine Mannschaft von der Seitenlinie an. Der frühere Defensivspezialist setzt auch als Trainer auf die Abwehr. Die Orange Academy lässt am zweitwenigsten Punkte in der ProB Süd zu. Foto: sportpress

Rekordverdächtig war das Hinspiel zwischen der Orange Academy, der Talentschmiede des Bundesligisten Ratiopharm Ulm, und dem BBC Coburg (53:58) in der altehrwürdigen Kuhberghalle Mitte Oktober in vielerlei Hinsicht.

In keiner anderen Partie in der laufenden ProB-Saison wurden weniger Punkte (111) erzielt. Auch die insgesamt 60 Fouls, 45 Ballverluste und 24 vergebenen Freiwürfe sprechen nicht gerade für einen Basketball-Hochgenuss. "Die Zuschauer haben sich das bestimmt anders vorgestellt", sagt Anton Gavel, Trainer der Ulmer ProB-Mannschaft. "Für Coburg war der Sieg sehr wichtig, sie haben danach eine Serie gestartet. Was Ulf Schabacker nach dem schlechten Saisonstart aus der Mannschaft herausgekitzelt hat, ist toll."

Gavel und Schabacker kennen sich aus Bamberger Tagen bestens. Der 35-jährige Deutsch-Slowake gewann zwischen 2009 und 2014 vier Meister- und drei Pokaltitel, der 62-jährige Schabacker trainierte zu dieser Zeit unterschiedliche Mannschaften im Bamberger Jugendprogramm. "Sowohl mein Team als auch die Coburger sind eher defensiv aufgestellt, vielleicht haben Ulf und ich zu lange in Bamberg gearbeitet", sagt Gavel grinsend.

"Alles hart erarbeitet"

Als Aktiver war der ehemalige Aufbauspieler ein Vorbild an Einstellung und galt über viele Jahre als einer der besten Verteidiger der Bundesliga. "Ich war eigentlich nie das große Talent, bin auch nicht so athletisch. Ich bin auch nicht der Super-Techniker, bei mir sieht es eher verkrampft aus. Ich habe mir alles hart erarbeitet", sagte Gavel nach seinem Rücktritt als Spieler im Sommer 2018.

Der dreifache Familienvater verbrachte die vier letzten Spielzeiten seiner aktiven Karriere beim FC Bayern München. Im Anschluss hatte er ein Jahr lang als TV-Experte beim Pay-TV-Sender "Magenta Sport" gearbeitet, ehe er vor der laufenden Saison für zwei Jahre als Trainer bei Ratiopharm Ulm unterschrieb.

Bei den Schwaben betreut er als Coach sowohl das Farmteam des Bundesligisten in der ProB Süd als auch das U19-Team in der Nachwuchs-Bundesliga (NBBL). Nach 15 Spieltagen stehen die Ulmer in der ProB mit sechs Siegen und neun Niederlagen auf Rang 8, dem letzten Play-off-Platz. "Ein oder zwei Siege mehr haben wir uns schon vorgestellt. Leider haben wir viele knappe Spiele, wie auch zu Hause gegen Coburg, verloren", erklärt Gavel. "Unsere Mannschaft ist jung, solche Spiele zu gewinnen, ist ein Lernprozess, durch den wir gerade gehen."

Absage an Seniorenteam

Angeführt wird die Orange Academy vom 2,04 Meter großen Flügelspieler Christoph Philipps, der als eines der größten deutschen Talente des Jahrgangs 1998 gilt. "Er hat einen sehr großen Willen, sich täglich zu verbessern. Er ist variabel einsetzbar, spielt bei uns meist als Flügel, kann aber theoretisch auch mal den Point Guard geben oder als Center spielen."

Der gebürtige Münchner gehört mit 14,6 Punkten und 4,9 Rebounds pro Spiel zu den effektivsten Akteuren der Liga. Für Ratiopharm Ulm bestritt der 21-Jährige in dieser Spielzeit alle zehn Eurocup-Partien und bislang zwölf Bundesliga-Spiele. Stolze 385 BBL-Spiele hat Teamkollege Nils Mittmann, der mit seinen 40 Jahren immer noch 27 Minuten im Schnitt auf dem Parkett steht, auf dem Buckel.

Juckt es da nicht auch beim 35-jährigen Gavel noch einmal in den Fingern? "Nein, das Verlangen, zu spielen, habe ich nicht mehr. Ich bin mit der Trainerrolle sehr zufrieden", sagt der ehemalige deutsche Nationalspieler. "Ich wurde bereits im vergangenen Jahr vom Seniorenteam der Bayern angefragt und habe abgelehnt. Einzige Ausnahme war das ,Legenden-Spiel' in Bamberg im September letzten Jahres." Die große Aufmerksamkeit um seine Person scheint dem bescheidenen Gavel fast etwas unangenehm zu sein. "Es geht ja nicht um mich, es geht einzig darum, die Jungs so gut wie es geht, weiterzuentwickeln", erklärt er. "Ich bin mit viel Eifer dabei, muss aber als Trainerneuling natürlich noch viel lernen. Wer ganz gut Basketball spielen konnte, muss noch nicht automatisch ein guter Coach sein."

Viele renommierte Trainer wie Chris Fleming in Bamberg oder Svetislav Pesic und Sascha Djordjevic in München durfte Gavel als Spieler erleben. "Ich habe von jedem etwas mitgenommen, aber möchte auf keinen Fall jemanden kopieren."

Regelmäßige Besuche in Franken

Die Entwicklung seiner ehemaligen Mannschaften verfolgt der durch und durch basketballverrückte Gavel nach wie vor mit großem Interesse. Über Weihnachten war er mit seiner Lebensgefährtin, die aus Bamberg stammt, und seinen drei Kindern (ein, acht und 13 Jahre) in seiner ehemaligen fränkischen Wahlheimat und besuchte das Heimspiel des aktuell kriselnden Brose-Teams gegen Ludwigsburg (75:68). "Man darf nicht alles schwarzsehen und muss etwas Geduld aufbringen. Bei den Erfolgen in der Vergangenheit ist das natürlich nicht leicht", so Gavel. "Aber Bamberg ist und bleibt eine Basketballstadt und kann langfristig meiner Meinung nach auch wieder dahinkommen, wo es einmal war."

Mit Platz 7 steht Bamberg aktuell noch in den Play-off-Rängen, Ratiopharm Ulm folgt knapp dahinter auf Position 9. "Die Play-offs schaffen sowohl Bamberg als auch Ulm. Meister wird vermutlich keiner von beiden, aber das hat auch keiner erwartet."

Freier Eintritt

Der BBC Coburg hat sich für die Rückkehr von Anton Gavel in seine alte oberfränkische Wahlheimat etwas Besonderes ausgedacht: Wer am Sonntag mit einem Gavel-Trikot das Heimspiel gegen besucht, erhält freien Eintritt. Das gilt auch für Fans, die in einem Trikot des Ex-Bamberger Centers Chris Ensminger (Sohn Zach steht im Ulmer Kader) erscheinen.

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