Coburg

Andreas Schröder: Kopf und Körper auf dem Prüfstand

Zwischen Uni-Stress und Handball-Betrieb: Andreas Schröder vom Zweitligisten HSC Coburg steht vor mehreren Herausforderungen.
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Andreas Schröder steht nicht nur sportlich vor Prüfungen. Archiv/Uwe Gick
Andreas Schröder steht nicht nur sportlich vor Prüfungen. Archiv/Uwe Gick

Andreas Schröder hat viel zu tun. Der 28-Jährige steckt in der Prüfungsphase seines BWL-Studiums. Und Jan Gorr, sein Trainer beim Handball-Zweitligisten HSC Coburg, bittet mehrmals täglich in die Halle. Der HSC ist mitten in der Vorbereitung auf die am heutigen Samstag (19:30 Uhr) beginnende Restrunde. Zu Gast in der HUK-Arena ist der EHV Aue.

Schröders Tagesprogramm in diesen Tagen ist straff: Nach den Trainingseinheiten in Coburg steht schon einmal eine Klausur in seinem Studienort Nürnberg an. Gestresst wirkt Schröder aber nicht, trotz Prüfungen macht er beim Redaktionsbesuch einen entspannten Eindruck. Die Klausur, die er kurz zuvor geschrieben hatte, sei gut gewesen.

Noch 16 Prüfungen für den HSC

Schröder ist Profi durch und durch. Von 2012 bis 2019 spielte er mit dem TV Neuhausen, dem VfL Gummersbach und dem HC Erlangen in der Bundesliga. Mit dem HSC Coburg, für den er seit vergangenen Sommer spielt, will er zurück in die stärkste Liga der Welt. Ob das gelingt, entscheiden die 16 ausstehenden Prüfungen der Coburger in der zweiten Saisonhälfte.

Als notenbeste Mannschaft der Liga ist Coburgs Versetzung in Liga 1 realistisch. Das weiß auch Schröder, der die Hinrunde des HSC mit einer "1,5" bewertet: "Es sind sicherlich zwei Spiele dabei, die man nicht hätte verlieren sollen. Aber die Liga ist sehr ausgeglichen und nur acht Minuspunkte nach der Hinrunde zu haben, ist ein gutes Resultat."

Schröder zeigt sich selbstkritisch

Seiner ersten Hinrunde im Coburger Trikot gibt Schröder eine "2,5" und zeigt sich selbstkritisch: "Es ist viel Verbesserungspotenzial da. Ich hatte ein paar Spiele, in denen ich offensiv ganz gut gespielt habe. Aber es fehlt die Kontinuität. Das ist der größte Punkt, an dem ich mich auch selbst messen muss." Sieben Saisons hat der aus Rothenburg ob der Tauber stammende Schröder in der Bundesliga bereits auf dem Buckel. Kein aktueller HSC-Profi hat im Oberhaus mehr Spiele bestritten.

Aus Erlangen, wo er keinen neuen Vertrag bekommen hatte, wechselte Schröder 2019 in die Vestestadt. "Nach den Gesprächen mit Trainer Jan Gorr hatte ich ein gutes Gefühl, auch wieder mehr im Angriff zu spielen." Auf vorherigen Stationen, etwa beim HCE, war Schröder oft nur Zuschauer, wenn es in den Angriff ging. Beim HSC soll Schröder nicht nur hinten den Laden zusammenhalten, sondern auch vorne Akzente setzen.

Endspurt im Studium

Dass er das kann, davon ist Schröder überzeugt: "Ich bin selbstbewusst genug, um zu sagen, dass ich auch im Angriff spielen kann." Heimatnah bei einem ambitionierten Verein zu spielen, sei ein weiterer Grund für Coburg gewesen. Und: Andreas Schröder hatte keine Lust, noch einmal den Studienort zu wechseln. Das musste er bei seinen Weggängen aus Neuhausen und Gummersbach - und bekam nicht alle Uni-Leistungen angerechnet.

"Das Studium ist im Schlussspurt, und neben dem Handball muss man etwas vorweisen können." Schröder weiß, dass die meisten Handballer nach der sportlichen Karriere nicht ausgesorgt haben. Und das Studium helfe, den Sport auch einmal zu verdrängen. "In sportlich schlechteren Phasen hast du einfach etwas, um den Kopf freizubekommen."

Mit Aufstiegen vertraut

Einen freien Kopf brauchen auch die Coburger, wenn am Ende der Saison der zweite Bundesliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte stehen soll. "Es wird ganz wichtig sein, wie wir aus der Pause herauskommen", sagt Schröder. Das Aufstiegsrennen, glaubt er, wird auswärts entschieden. Der HSC muss im Februar zum TuS N-Lübbecke (7.), zum VfL Gummersbach (4.), beide hat Schröder noch nicht abgeschrieben, und zum Tabellenzweiten Hamm.

Andreas Schröder weiß, wie sich ein Aufstieg in die erste Liga anfühlt. Mit Neuhausen schaffte er 2012 den Sprung in die Bundesliga. "Das war die Erfahrung, die mich am meisten bewegt hat." Beim VfL Gummersbach, dem mittlerweile abgestürzten Traditionsverein, ist Schröder auf einen Mitspieler getroffen, der ihn am meisten beeindruckt hat: Simon Ernst. Der 25-Jährige spielt bei den Füchsen Berlin und gilt als großes Talent auf der Spielmacherposition. 2016 wurde Ernst mit der Nationalmannschaft Europameister.

"Er war für sein Alter unglaublich reif und hat sich früh Gedanken gemacht, was passiert, wenn er sich verletzt, und sein Studium forciert. Die Kombination aus allem hat mir sehr imponiert." Ernst hat sich im vergangenen Oktober zum dritten Mal einen Kreuzbandriss zugezogen. Ob er weiter Handball spielen kann, ist fraglich. Auf seiner dritten Bundesliga-Station in Erlangen war auch Schröder von Verletzungen geplagt, brach sich dreifach das Nasenbein und zog sich einen Anriss des Kreuzbandes zu. Aktuell plagen ihn Waden-Probleme, er hofft aber, gegen Aue zu spielen. In zwei Jahren in Erlangen verpasste Schröder 15 Spiele.

Dass sein Vertrag beim HCE nicht verlängert wird, teilte der Verein damals der Öffentlichkeit in einem Nebensatz mit. Groll hegt Schröder nicht: "Die zwei Jahre in Erlangen waren schön, weil es sich in der Stadt aushalten lässt und die Heimat wieder sehr nah war." In Rothenburg ist Schröder regelmäßig, verfolgt seinen Heimatverein nach wie vor und trifft sich im Sommer mit seinen Kumpels zum Tennis. Den Sport mit der kleinen gelben Filzkugel machte Schröder bis zu seinem 18. Lebensjahr parallel zum Handball. Tennis ist immer noch Ausgleich zum Profi-Dasein. Um abzuschalten, schnappt sich Schröder aber auch einmal ein Buch.

Der Krimi-Fan Schröder

Zuletzt hat er Sebastian Fitzeks "Das Geschenk" gelesen. "Ich bin krimi- und thriller-affin, aber ich lese auch gerne Biografien." Auf einen Krimi im Aufstiegsrennen wird Andreas Schröder aber vermutlich verzichten können.

Zur Person Andreas Schröder

Die Anfänge Andreas Schröder stammt aus Rothenburg ob der Tauber und begann mit fünf Jahren beim TSV Rothenburg mit dem Handball. Sein Talent fiel früh auf. Noch als 16-Jähriger wechselte Schröder zum HSC Bad Neustadt und gab 2008 mit 17 Jahren sein Debüt in der damals drittklassigen Regionalliga.

Der Karrieresprung Zwei Jahre später wechselte Schröder zur HSG Frankfurt in die 2. Bundesliga. 2011 verpflichtete Zweitligist TV Neuhausen den 1,95 Meter großen Blondschopf. Mit dem TVN stieg Schröder 2012 in die Bundesliga auf und ein Jahr später wieder ab. Schröder blieb der ersten Liga aber erhalten und wechselte 2013 zum Traditionsverein VfL Gummersbach. Vier Jahre lang blieb der heute 28-Jährige bei den Oberbergischen. 2017 kehrte Schröder in fränkische Gefilde zurück und ging zum HC Erlangen. Nach zwei Jahren, in denen Schröder auch mit Verletzungen zu kämpfen hatte, wurde sein Vertrag nicht verlängert und Schröder ging zum HSC Coburg in die zweite Liga.

Die Zahlen In der Bundesliga kommt Schröder bislang auf 222 Spiele, in denen ihm 603 Tore gelangen.

Quelle: Wikipedia/Handball-Bundesliga

Das sagen Weggefährten über Andreas Schröder

Jürgen Brehm, Schröders Jugendtrainer beim TSV Rothenburg: "Ich habe Andi in seinen letzten drei Jahren in Rothenburg trainiert. Er war damals der Unterschiedsspieler und dass er irgendwann höher spielt, war klar. Dass es aber die 1. und 2. Bundesliga wird, war nicht zu erahnen. Andi hatte aber nie Starallüren und war total bodenständig. Er ist einfach ein super Typ und schaut regelmäßig bei seinem Heimatverein vorbei."

Nico Büdel, ehemaliger Mitspieler in Neuhausen und Erlangen und Ex-HSC-Spieler: "Ich habe vier Jahre mit Andi zusammengespielt und bei Auswärtsfahrten das Zimmer mit ihm geteilt. Er ist eher ein ruhiger Typ, immer nett und für einen Spaß zu haben. Andi ist sehr umgänglich, wir hatten in Neuhausen und Erlangen super Zeiten."

Jan Gorr, Trainer beim HSC Coburg: "Er ist kein Lautsprecher, aber ein Spieler, der seine Meinung sagt und ein angenehmer Typ ist. Aus sportlicher Sicht sehe ich ihn als kompletten Spieler. Andi kann im Angriff aus der zweiten Reihe für Gefahr sorgen und ist in der Abwehr im Mittelblock mit seiner Erfahrung und Körperlichkeit ein sehr wichtiger Spieler."

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