Coburg
Tennis

Alen Mujakic will Tennisprofi werden

Der 15-jährige Draufgänger von der Coburger Turnerschaft besucht seit einem halben Jahr ein Internat in München und trainiert täglich im BTV in Oberhaching
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Alen Mujakic bei einem Rückhand-Slice; unten mit seinem Schulrucksack vor der Tennisbase in Oberhaching. Der 15-jährige Coburger will's wissen... Foto: privat
Alen Mujakic bei einem Rückhand-Slice; unten mit seinem Schulrucksack vor der Tennisbase in Oberhaching. Der 15-jährige Coburger will's wissen... Foto: privat
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Regelmäßigen Besuchern des Tenniscenters Niederfüllbach fiel es zuletzt schon auf: das 15-jährige Tennistalent Alen Mujakic von der Coburger Turnerschaft ist wie von der Bildfläche verschwunden. Keine Stützpunkt-trainingseinheiten, keine Mannschaftsmatches, keine Turnierteilnahmen. Was ist los?

Des Rätsels Lösung: Mujakic ist an das Landesleistungszentrum in München-Oberhaching ("BTV-Tennisbase") gewechselt und besucht seit Schuljahresbeginn das dortige Internat. Ein mutiger Schritt des jungen Mannes und seiner Eltern. Sie haben sich für das Förderkonzept des BTV entschieden.

Das Internat steht ausgewählten BTV-Kaderspielerinnen und -spielern ab der 7. Klasse offen. Sie werden sowohl sportlich als auch pädagogisch nach modernsten Methoden und Erkenntnissen ausgebildet.

Ziel: erfolgreicher Kaderspieler

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Die sportlichen Ziele sind eindeutig definiert: Die Kaderspieler sollen auf nationaler und internationaler Ebene zu den besten ihres Jahrgangs zählen. Die Voraussetzung für die Förderstufe 3 ist die Zugehörigkeit zum BTV-Kader. Und der BTV wählt aus dieser Gruppe die infrage kommenden Spieler für das Internatsprojekt aus.

Da die Förderstufe 3 als Vorbereitung für die Karriere im Profisport angesehen wird, ist die Ausrichtung der Ziele vor allem international. Entsprechend sieht die Turnierplanung internationale Turniere und die Etablierung in den internationalen Ranglisten vor.

Training auch in den Freistunden

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Der Internatsbetrieb erfolgt in Kooperation mit verschiedenen Schulen in unmittelbarer Nähe zur Tennis-Base Oberhaching. Dies ermöglicht kurze Wege und ein Training auch in Freistunden oder Unterrichtspausen. Die gute Zusammenarbeit mit den Schulen ermöglicht den Spielern auch die Abwesenheit vom Schulbetrieb während wichtiger Turnierwochen (TE- und ITF-Turniere) und Verbandsmaßnahmen. Es besteht eine enge Kommunikation zwischen dem Leiter des Tennis-Internats und den jeweiligen Ansprechpartnern der Schulen.

Das Training findet in der Tennis-Base Oberhaching statt. Die Internatsschüler haben jeden Tag während der Woche Tennis- und Konditionstraining, falls möglich mehrere Einheiten pro Tag. Zusätzlich wird am Wochenende trainiert, sofern die Kinder keine Turniere spielen oder zu den Eltern nach Hause fahren.

Für Alen Mujakic sieht das konkret so aus: Montags bis freitags Unterricht von 8 bis 13 Uhr; ab 14 Uhr zwei Stunden Tennis-Training und eine Stunde Konditions-Training, danach Vorbereitung für die Schule. Am Wochenende entweder Turniere oder Samstag/Sonntag zu Hause - mit zusätzlich zwei Stunden Mannschaftstraining; Sonntag-15 Uhr zurück nach München.

Ein erfahrener Trainer als Vater

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Nach Auskunft von Vater Amir, selbst Trainer bei der Coburger Turnerschaft, läuft es sowohl schulisch als auch sportlich derzeit recht vielversprechend für seinen Sohn: "Alen nimmt fast jede Woche an Turnieren teil. Bisher waren es sechs internationale Turniere, vorwiegend im Ausland." Seit den Sommerferien erspielte sich der junge Coburger sogar schon die ersten ITF-Weltranglistenpunkte bei den ITF-U18-Turnieren in Aschheim und Maribor, weitere im Oktober im österreichischen Dornbirn.

Je zwei Siege landete Mujakic bei zwei "ITF-Juniors" in Belgien unter DTB-Trainer Peter Pfannkoch. Außerdem schnupperte er erstmals bei einem Herren-ATP-Turnier in Oberhaching schnuppern Profiluft. Er siegte in der Qualifikationsrunde 1 und verlor dann in Runde 2.

Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Essen (H16) traf er in der ersten Runde schon auf den um etwa 150 Plätze in der deutschen Herrenrangliste besser platzierten Andre Steinbach und schied aus. Anfang Januar musste er sich in Viertelfinale des Herren-Turniers von Reutlingen wegen einer Außenbandverletzung knapp geschlagen geben und danach zehn Tage pausieren.

Mathe-Schulaufgabe ist wichtiger

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Die Regeln im Internat sind streng: die Teilnahme am quasi vor der heimischen Haustür liegendem Turnier Cadolzburg wurde ihm nicht erlaubt, weil die montags drauf angesetzte Mathematik-Schulaufgabe als wichtiger erachtet wurde.

In seiner sportlichen Entwicklung ist Alen Mujakic im Jahr 2018 ein Stück vorangekommen und in 2019 schon wieder auf gutem Weg: In der Deutschen Jugendrangliste des Jahrgangs 2003 ist er die Nummer 9. Seit dem Stichtag, 30. September, wird er auch in der Deutschen Herren-Rangliste (31. Dezember 2018) an Position 435 von 700 geführt. Er ist damit als jüngster Akteur die Nummer 4 der derzeit nur insgesamt fünf oberfränkischen DRL-Spieler.

Dass er als bester oberfränkischer Jugendlicher im November das U16-Turnier der Kategorie "J2" in Bamberg und just am zurückliegenden Wochenende das ebenfalls als J2 eingestufte U18-Turnier in Taufkirchen (Raschke-Cup) gewann, als er sich jeweils gegen LK1-Finalisten durchsetzte, ist keineswegs selbstverständlich.

Nur mit Sponsoren finanzierbar

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Der ehrgeizige Coburger ist zweifellos auf gutem Weg, auch aufgrund der den Eltern keineswegs leicht gefallenen Entscheidung, die letztlich finanzielle Opfer verlangt. Ohne die heimischen Sponsoren - ein Coburger Unternehmen und zwei Privatpersonen - wäre das ambitionierte Unterfangen nämlich nicht zu schultern.



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