Coburg
2. Handball-Bundesliga

Jetzt darf nichts mehr schiefgehen

Coburger müssen die Steilvorlage aus Springe nutzen. Emsdetten ist aber die torgefährlichste Mannschaft der Liga.
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Trainer Jan Gorr wird auch im letzten Heimspiel an der Seite mitfiebern, wie seine Jungs an die Aufgabe rangehen. Foto: Timo Geldner
Trainer Jan Gorr wird auch im letzten Heimspiel an der Seite mitfiebern, wie seine Jungs an die Aufgabe rangehen. Foto: Timo Geldner
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Die Rhein-Neckar Löwen, Kiel, Flensburg oder Hüttenberg, Dessau-Roßlau, Konstanz und Leutershausen. Das ist die große Frage für den HSC 2000 Coburg vor den beiden abschließenden Spieltagen in der 2. Handball-Bundesliga im Hinblick auf die nächste Saison.
Also entweder Duelle gegen die Top Drei des deutschen Handballs oder gegen die aktuellen vier Aufsteiger aus den dritten Ligen.
Die vorletzte Weichenstellung, im günstigsten Falle sogar der Zieleinlauf, erfolgt am Freitagabend für den HSC 2000 gegen den TV Emsdetten.
"Wir brauchen gegen Emsdetten ein gutes Wechselspiel aus Emotionen und Coolness. Das kann man in keinem Buch lesen, das muss man erleben.
Und da sind wir gerade dabei, das richtig zu verarbeiten." Coburgs Trainer Jan Gorr weiß, auf was es im letzten Zweitliga-Heimspiel dieser Saison ankommt.
Die Schützenhilfe der HF Springe am vergangenen Wochenende mit dem Sieg gegen Friesenheim kam überraschend und, wie er schmunzelnd hinzufügt, ungünstig: "Genau zur Siegerehrung des Business Cup, die ich selbst mit vornahm. Meine Spieler saßen auf der Tribüne und dauernd gab es Zeichen - drei vorn, noch zwei Minuten, alle haben mitgefiebert." Es ging gut aus, aber die Steilvorlage des Gegners, zu dem man nächste Woche am abschließenden Spieltag noch muss, gilt es gegen Emsdetten umzusetzen in einen eigenen Erfolg.
Aber die Emsdettener sind brandgefährlich, inzwischen besonders in der Abwehr gefestigt. "Das war in dieser Saison lange ihre Achillesferse. Aber wenn in Wilhelmshaven gewonnen wird und man Friesenheim fast ein Remis abtrotzt, spricht das für die Qualität des Gegners", warnt Gorr davor, den erneuten Vorsprung wieder hergeben zu müssen.
Denn nimmt man die Teams bis Platz zehn, dann hat seine Mannschaft in der Rückrunde nur die "Top-Zwei", Erlangen und Minden sowie Hamm-Westfalen besiegt. Mit einem Erfolg gegen den Tabellenachten aus Emsdetten wäre der HSC mit eineinhalb Beinen in Liga eins.


Harmandic ließ nach

Die schwächere Rückrunde ist neben anderen Faktoren auch mit einem Namen verbunden - Adnan Harmandic. Der Bosnier kam oft nicht ins Spiel. 86 Hinspieltoren und vielen sehenswerten Assists stehen gerade einmal 26 Treffer in der zweiten Saisonhälfte gegenüber. Im Endspurt in der Hinrunde war er bärenstark - es wäre ihm und der Mannschaft zu wünschen, wenn der Knoten noch einmal platzen würde, weil man dann noch weniger ausrechenbar wäre.
Trotz der Steigerung in den letzten Spielen ist Emsdetten nur knapp hinter Schlusslicht Henstedt-Ulzburg die "Schießbude" der Liga, allerdings sind 1103 erzielte Tore auch Ligabestwert.
"Ich glaube es hat uns gut getan, dass wir unser Tempospiel etwas reduziert haben, nicht mehr so viel pressen. Dadurch kassieren wir weniger Tore", hat Daniel Kubes, Trainer des TVE und beim THW Kiel sowie in Melsungen selbst Abwehrchef, analysiert. Also mehr 6:0-Deckung als 3:2:1, aber "beide Systeme beherrschen sie gut", wie Gorr ausgemacht hat.
Die erneut längere Pause hat er gelassen genommen: "Das war ja schon einige Male in dieser Saison so. Sich darüber den Kopf zu zerbrechen, lohnt sich nicht. Da wir mit Verletzungssorgen zu kämpfen hatten, war es auch diesmal gar nicht so schlecht, denn wir wollen mit dem vollen Kader in die letzten beiden Spiele gehen. Ich glaube, wir haben aufgrund des Spielplanes immer eine gute Balance zwischen Belastung und Regenration gefunden."
Trotzdem ist er nicht ganz sorgenfrei, denn einige seiner Spieler plagen sich mit Erkältungen herum. Aber Tomas Riha könnte vor einem Comeback stehen. Vielleicht war er es, der im Deckungszentrum zuletzt ein bisschen gefehlt hat. Und gegen Emsdetten wird man kompakt stehen müssen.
Zwar ist Mittelmann Ernir Arnarson, im Hinspiel mit acht Toren erfolgreich, aufgrund eines Oberarmbruchs nicht dabei und auch hinter dem Einsatz von Jasper Adams im linken Rückraum steht ein Fragezeichen. Aber: "Merten Krings, sehr gut im Eins gegen Eins und der Spielmachertyp Anton Runnarsson können das kompensieren", kennt Gorr die Stärken des Gegners. Hinzu kommt auf der linken Außenbahn noch Oddur Gretarsson, Dritter in der Torjägerliste.
49 986 Fans haben bislang den Weg in die HUK-Coburg-Arena gefunden. Somit wird am Freitag, auch bedingt durch ein Heimspiel mehr, erstmals die 50 000er Zuschauergrenze in einer Saison vom HSC geknackt werden. Dabei waren die Fans den ein oder anderen Punkt wert und sind jetzt ein letztes Mal voll gefordert.
Der Zuschauer-Durchschnitt liegt in dieser Spielzeit bei 2 631 Fans. Das ist hinter Erlangen Platz zwei in der 2. Liga und in Deutschland Rang 16, noch vor den Erstligisten aus Balingen-Weilstetten, Eisenach und Lübbecke.
2-2-22 - auf diesen einfachen Zahlen-Nenner lässt sich die derzeitige Situation für den HSC 2000 Coburg bringen. Noch haben die Gorr-Schützlinge zwei Spiele, zwei Punkte Vorsprung auf Friesenheimund liegen zudem mit 22 Tore in der Differenz beim Vergleich vorne. "Das ist eine Position, in der wir selbstbewusst auf unsere Stärken vertrauen können. Die haben wir gegen die HG Saarlouis wiedergefunden", blickt Jan Gorr zuversichtlich nach vorne. Es gilt auf jeden Fall eher, den Fußballern der Würzburger Kickers als dem "Club" nachzueifern. Ab dem 3. September soll eine neue Ära für den Coburger Handball anbrechen. Ein Sieg wäre goldwert.

Nur noch 300 Karten
Für das Spiel am Freitagabend sind derzeit nur noch knapp 300 Karten im freien Verkauf erhältlich,
dann ist die HUK-Coburg-Arena zum dritten Mal in der aktuellen Saison ausverkauft. Die
Verantwortlichen des HSC raten, wie schon zum Heimspiel gegen Erlangen, zur rechtzeitigen Anreise
und bitten gleichzeitig darum, nach Möglichkeit auf öffentliche Verkehrsmittel auszuweichen. Die
Stadtbusse der Linie 2 starten ab Theaterplatz via Mohrenstraße zur HUK-Arena.

Letztes Heimspiel für Vitek, Riha, Gerlich und Kirchner
Im direkten Anschluss an das Spiel werden mit Jiri Vitek, Tomas Riha, Matthias Gerlich und Sebastian Kirchner vier Spieler verabschiedet, die in den letzten Jahren zu Gesichtern des Vereins geworden sind und vorbildlichen Einsatz für den HSC gezeigt haben. Die Zuschauer werden gebeten, dazu nach Spielende auf ihren Plätzen zu bleiben. Bei einer Happy Hour (jedes Getränk nur 2 Euro), die nach den Verabschiedungen beginnt, wollen sich Mannschaft und Management für die Treue der Fans bedanken und das letzte Heimspiel gemütlich ausklingen lassen.

So sieht's der Gegner
Die Negativserie wollen wir beenden

Daniel Kubes, Trainer des TV Emsdetten, ist zufrieden: "Nimmt man die Turbulenzen während der Saison bei uns, ist der einstellige Tabellenplatz, den wir erreichen können, eine Top-Platzierung für mein Team. Die Stabilität hat uns lange gefehlt, ist erst im letzten Monat gekommen." Kubes erwartet, dass "meine Mannschaft so weitermacht wie in den letzten Spielen, einfach guten Handball spielt, wir unsere gute Phase fortsetzen. Coburg wird mit viel Energie in die Partie gehen, aber ich hoffe, dass wir uns so präsentieren, dass es ein schöner Handballabend wird." Er bedauert ein bisschen das Auf und Ab während dieser Saison, doch etwas Besonderes reizt den Trainer von Emsdetten: "Nach unserem Erstliga-Abstieg vor zwei Jahren gibt es ganz wenige Teams, die das geschafft haben, was Coburg gelungen ist - bisher alle Punkte mitzunehmen. Drei Vergleiche, null Punkte für uns. Das wollen wir ändern."
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