Coburg

Handball-Wahnsinn - Coburger sind überzeugt: Jetzt ist alles drin

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft sorgt in Polen für Furore und erntet auch in der Region viele Lobeshymnen. Das Tageblatt hat sich bei Sportlern, Fans und Funktionären umgehört. Zum Halbfinale gegen Norwegen steigt ein Public Viewing im Coburger Steinweg.
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In diesem Monet war der Einzug ins Halbfinale perfekt: Das deutsche Team jubelt nach dem 25:23-Sieg im letzten und entscheidenden EM-Gruppenspiel gegen Dänemark. Foto: dpa
In diesem Monet war der Einzug ins Halbfinale perfekt: Das deutsche Team jubelt nach dem 25:23-Sieg im letzten und entscheidenden EM-Gruppenspiel gegen Dänemark. Foto: dpa
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Obwohl unserer hoffnungsvoller Volontär unverrichteter Dinge mit leerem Block und dem Fotoapparat im Gebäck sichtlich enttäuscht das Pinaz wieder verließ, weil sich am Mittwochabend lediglich eine handvoll handball-begeisterte Fans vor der großen Leinwand in der Coburger Spielothek verloren, ist auch in der Vestestadt die herrschende Euphorie regelrecht greifbar.

In unserer handballverrückten Region hat die deutsche Nationalmannschaft mit ihren Siegen bei der EM in Polen viel Spaß und eine hohe Erwartungshaltung ausgelöst. Das hat eine Tageblatt-Umfrage unter Sportlern und Funktionären ergeben:

Wolfgang Heyder (Manager des Handball-Zweitligisten HSC 2000 Coburg): "Was mich imponiert, ist das hervorragende kämpferische Auftreten der Mannschaft und wie man sich als Team präsentiert. Das hat auf jeden Fall Selbstvertrauen geschaffen. Wenn man sieht, dass gegen Dänemark fünf bis sechs Leistungsträger gefehlt haben, zeigt das auch welch große Breite in diesem Bereich vorhanden ist und wie sich junge Spieler innerhalb weniger Wochen zu Top-Leistungsträgern entwickeln können. Es war ohne Frage eine unglaubliche Werbung für Handball, umso mehr, weil die TV-Reichweiten und Quoten zwischen vier und sechseinhalb Millionen einfach gigantisch sind. Was ja schon fast Fußball-Größenordnungen sind."

Bastian Geuß (treuer Fan des HSC 2000 Coburg aus Eicha): "Überragend, wie die Jungs als Team agieren. Man merkt einfach, dass jeder für den anderen einspringt, wenn Fehler passieren. Die Mannschaft glaubt an sich. Für mich ist es ein super Beispiel, was man als junger, hungriger Spieler auch ohne das ganz große Geld im Sport erreichen kann - genau das wollen wir als Fans doch sehen."


Tobias Rohr (Handballer beim TV Ebersdorf): "Die Entwicklung der Handball-Nationalmannschaft ist einfach grandios. Es ist beeindruckend, mit welcher Willensstärke die DHB-Auswahl ihre verletzungsbedingten Ausfälle kompensiert und als Team in Drucksituationen agiert.

Mit diesem Elan ist bei der Europameisterschaft für die "Wundertüte" Nationalmannschaft alles möglich. Ich freue mich auf das Halbfinale und drücke die Daumen für den Finaleinzug."


Wolfgang Gremmelmaier (Sportbegeisterter Vorstand der VR-Bank Coburg):
"Es ist schön zu sehen, was herauskommt, wenn ein Trainer den Mut hat, junge hungrige Spieler zu holen. Und man sieht, wie wichtig es ist, dass Spieler das Vertrauen ihres Trainers spüren. Und man merkt die nordische Mentalität von Dagur Sigurdsson on.

Und er nimmt auch seine Co-Trainer ernst und setzt von deren Tipps auch etwas um, wie man beim Sieg gegen die Schweden gesehen hat. Für mich das Idealbild eines Trainers.


Jan Pilz (Torhüter beim TSV Weitramsdorf):
"Der Erfolg kommt natürlich ein wenig überraschend - aber endlich haben wir wieder eine Mannschaft, die begeistert und mit der man sich identifizieren kann. Sigurdsson ist der offensichtlich wirklich der richtige Mann! Man darf auf die Zukunft gespannt sein, noch dazu wenn man bedenkt, dass bei diesem großen Turnier einige Stammspieler jetzt noch fehlen."


Dennis Stomberg (HSC-Fan aus Ostfriesland, der in Coburg studierte): "Einfach ein überragendes Spiel der Deutschen, vor der EM hätte ich niemals damit gerechnet, dass wir so weit kommen. Aber man sieht wieder, was eine Mannschaft über ihren Teamgeist erreichen kann. Jetzt traue ich ihr auch den Einzug ins Finale zu. Ob der Titel drin ist, ist schwer zu sagen - da entscheidet die Tagesform."


Ralph Bilek (die Handball-Stimme Coburgs und HSC-Experte): "Die deutsche Nationalmannschaft braucht keine Stars, sie ist es selbst. Viele noch vor der EM unbekannte Handballer haben sich ins Rampenlicht gespielt ohne abzuheben. Der unbedingte Wille ins Halbfinale einziehen zu wollen, hat das Team Berge versetzen lassen. Hinzu kommt eine taktisch variable Ausrichtung, die von der Bank vorgegeben wird und die das Team sehr gut umgesetzt hat. Und niemand hat schon im Vorfeld nach Entschuldigungen gesucht, trotz der auch noch während der EM angestiegenen Verletztenliste. Fast trotzig hat die Mannschaft die Reaktion auf dem Spielfeld gezeigt. Das was bislang geleistet wurde, verdient allerhöchsten Respekt, völlig unabhängig davon wie die Geschichte nun weitergeht.

Natürlich hatte man - endlich wieder einmal - auch das nötige Quentchen Glück, aber das gehört dazu. Der Titel ist greifbar, wenn man den Weg des Turnieres einfach weitergeht. Und falls nicht - die Basis für Erfolg ist auf jeden Fall gelegt. Es macht Spaß, dieses Team spielen zu sehen."

Bastian Bieberbach (Vorsitzender des TBVfL Neustadt/Wildenheid): "Als Sportfan wird man in diesen Tagen von unseren deutschen Athleten emotional gepackt. Neben der überragenden Leistung unserer Handballer, sollte man auch den Erfolg von Angelique Kerber mit ihrem Finaleinzug würdigen. Aber auch der Nachtslalom in Schladming hat mich fasziniert und geärgert, als Felix, in Führung liegend einfädelte. Deutsche Erfolge bringen den meisten Menschen gute Laune und interessante Gespräche. "

Mandy Cyranek (Handballerin TSV Weitramsdorf): "Wir haben während des Trainings das Spiel zwischendurch auf dem Laptop geschaut. Die Mannschaft ist sehr jung und ich glaube, dass sie es in das Finale schaffen können, wenn sie die Leistung der letzten Spiele erneut abrufen."



Kommentar: Trotz Wettbewerbsverzerrung im Delirium

Endlich wieder Halbfinale! Eine Überraschung? Nein, eine Sensation. Deutschland spielt am Freitagabend um 18.30 Uhr gegen Norwegen. Es geht um eine Medaille. Wer hätte das für möglich gehalten?

Jetzt lebt sogar der Titeltraum und der Wahnsinn geht in die nächste, hoffentlich erst vorletzte Runde. Showdown ist am Sonntag um 17.30 Uhr.

Der 25:23-Sieg im entscheidenden Hauptrundenspiel gegen Dänemark schickte Handball-Deutschland am Mittwochabend endgültig ins Delirium. Da stört es kaum jemanden, dass bei diesem wichtigen Spiel eine klare Wettbewerbsverzerrung vorlag! Die tapferen Dänen mussten nur 20 Stunden nach ihrem Unentschieden im Prestigeduell gegen Schweden schon wieder auf die Platte. Ihre Kräfte schwanden in der entscheidenden Phase gegen Deutschland, das drei Tage Pause hatte, um die Wunden zu lecken.

Doch wen juckt das schon? Die Emotionen hierzulande explodieren. Der unerwartete Siegeszug der DHB-Rumpftruppe macht uns alle stolz. Ohne vier Stammspieler wegen hartnäckiger Blessuren (Paul Drux, Patrick Wiencek, Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki), ohne Kapitän Weinhold und "Scharfschütze" Christian Dissinger nach dem Russland-Krimi (30:29) und mit den beiden Grippe geschwächten Gladiatoren Finn Lemke und Jannik Kohlbacher ballerte die Rasselbande Dänemark weg.

Das zweite Wintermärchen nach 2007 ist geschrieben. Und jetzt geht es nicht nur um diesen potthässlichen Teller. Nein, jetzt wollen alle die Krönung dieser tollen Erfolgsstory.



Public-Viewing im Coburger Steinweg

Am Freitag um 18.30 Uhr bestreitet die deutsche Handball-Nationalmannschaft ihr EM-Halbfinale gegen Norwegen. Zweitligist HSC Coburg lädt alle Fans zum Public Viewing in die Coburger Innenstadt ein.

Warmup ab 17.30 Uhr
In der Wohnzimmer Bar geht es im Steinweg mit dem Warmup um 17.30 Uhr los. Ab 18.15 Uhr wird das Halbfinale dann auf der Großbildleinwand übertragen. Auch die HSC-Profis fiebern vor Ort mit.

Jan Gorr verlegt Training
Aufgrund des Halbfinals hat Cheftrainer Jan Gorr die für Freitagabend geplante Trainingseinheit vorverlegt, so dass das Team zusammen mit den Fans aus der Region die Daumen drücken kann.

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