Coburg
Interview

HSC-Profi Florian Billek: Feierbiest, Torjäger und Hobbykoch

Florian Billek verrät im Tageblatt-Gespräch, warum er sich in Coburg so wohl fühlt und wie er mit seinen Kollegen vom HSC den Klassenerhalt packen will.
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Florian Billek hat nach Überzeugung seiner Freundin neben seinem harten, eher unnahbaren Charakter auf dem Spielfeld eine ganz herzliche und liebevolle Seite.  Fotos: Hochstädter, Geldner, Rosenbusch/Archiv
Florian Billek hat nach Überzeugung seiner Freundin neben seinem harten, eher unnahbaren Charakter auf dem Spielfeld eine ganz herzliche und liebevolle Seite. Fotos: Hochstädter, Geldner, Rosenbusch/Archiv
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Florian Billek wurden früher schon einmal lange Partynächte nachgesagt, doch in Coburg hat sich aus dem Filou von einst längst ein gestandener Handballprofi mit einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein entwickelt. Natürlich feiert er nach wie vor gerne und wenn es sein muss auch lang, trinkt mit seinen Kumpels Kelm und Mai mal im Coburger Wohnzimmer ein Hefe, doch wenn es darauf ankommt, dann kann sich der HSC 2000 Coburg und Handball-Coburg voll auf ihn verlassen.

Und schon bald wird es wieder öfters darauf ankommen, denn ab nächsten Samstag beginnt der große Abstiegskampf für die "Gelb-Schwarzen" in der 1. Liga. Wenn es in der HUK-Arena wieder rund geht, ist der am rechten Arm schick tätowierte Rechtsaußen wieder mittendrin, statt nur dabei. Dann will der schnelle Torjäger natürlich auch wieder Grund zum Feiern haben, am besten nach Triumphen seines HSC. "Ansonsten gehe ich gerne mit Freunden auch mal zum Frühstücken ins Cafe Feiler", sagt Billek, der sich während der Vorrunde als dynamischer Flügelflitzer präsentierte und großen Anteil daran hat, dass das Neulingsteam in seiner Premierensaison in der stärkste Liga der Welt noch auf den Klassenerhalt hoffen darf.

Nächsten Samstag soll die erste große Sause 2017 steigen. Und zwar in der HUK-Arena. Der Draufgänger gibt sich im großen Interview bis in die kurzen Haarspitzen hochmotiviert vor dem wichtigen Spiel gegen den TBV Lemgo und hofft natürlich auf eine volle Hütte. Denn die Stimmung in der HUK-Arena findet er ohnehin immer "geil" und treibt ihn zu Höchstleistungen an.

Billek spricht im Gespräch mit dem Tageblatt aber auch Klartext und gibt Einblicke in seine Familienplanungen. Wenn es am Saisonende mit dem Klassenerhalt klappt, dann ist klar, dass es Flo Billek wieder einmal so richtig krachen lassen wird. Aber lesen Sie selbst:

Hallo Flo, bist Du 100-prozentig fit und brennst Du bereits auf den Re-Start nächste Woche gegen Lemgo?
Florian Billek: Ja, ich bin komplett fit und ohne Verletzung oder Krankheit durch die Vorbereitung gekommen. Nach einer so langen Pause ist es natürlich klar, dass ich mich auf das erste Pflichtspiel freue.

Wie wichtig ist dieses direkte Duell gegen einen Mitkonkurrenten?
Der Blick auf die Tabelle sieht natürlich nicht ganz so gut aus. Uns fehlen aktuell vier Punkte zum rettenden Ufer, was im Handball aber aufzuholen ist. Ich denke, dass uns der Spielplan in der Rückrunde entgegen kommt. Wir starten direkt gegen zwei Konkurrenten und müssen da versuchen, gleich zu punkten. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir bis zum Ende um den Klassenerhalt mitspielen.

Du bist zweifelsohne der Publikumsliebling in der HUK-Arena, hast statistisch mit die besten Werte aller HSC-Spieler. Doch Hand aufs Herz: Bist Du mit Deinen Leistungen in der Vorrunde zufrieden oder war sogar mehr möglich?
Persönlich zufrieden war ich in der Hinrunde genau dreimal - und zwar in den Spielen, die wir gewinnen konnten. Da spielt es keine Rolle, wie meine persönliche Leistung in den besagten Spielen war, zudem ich ja in Melsungen aufgrund der Sperre gefehlt habe. Ich bin selbst mein größter Kritiker und zu 90 Prozent nie ganz zufrieden mit meiner Leistung, weil ich immer Fehler finde, die mir im Spiel unterlaufen sind. Es ist aber mein Anspruch, Leistungsträger zu sein und Verantwortung zu übernehmen - gerade wenn es mal nicht so läuft. Ich denke, dass mir das auch im Großen und Ganzen gut gelingt. Trotz allem möchte ich in der Rückrunde noch konstanter werden, gerade was die freien Bälle von Außen und die Gegenstöße betrifft.

Du hast letztes Jahr einen sehr langen Vertrag unterschrieben und Dich bis 2021 an Coburg gebunden. Hast Du diese Zusage schon einmal bereut, denn im Falle des Abstieges müsstest Du zurück in die 2. Liga?
Ich habe diese Entscheidung unabhängig von der Ligazugehörigkeit des Vereins getroffen, da ich mich mit dem Projekt HSC und dem eingeschlagenen Weg absolut identifiziere. Sollte es am Ende der Saison nicht für den Klassenerhalt reichen, werden wir den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. Meine Entscheidung, in Coburg zu bleiben, bereue ich auch in Liga 2 keine Sekunde.

Kannst Du Dir vorstellen, eines Tages für einen ambitionierten Spitzenklub auf Torejagd zu gehen oder träumst Du sogar manchmal von der Nationalmannschaft?
Ich habe bisher noch nie in irgendeiner Auswahl oder Nationalmannschaft gespielt und ich bin mir auch relativ sicher, dass das auch nicht mehr der Fall sein wird. Außerdem sind wir in der Nationalmannschaft mit Sellin, Groetzki und Reichmann überragend besetzt.
Natürlich träumt jeder Handballer davon, bei einem Spitzenverein unter Vertrag zu stehen. In meinem Fall hat sich das nicht ergeben - das habe ich akzeptiert und komme auch gut damit klar. Man sollte in unserem Sport niemals "Nie" sagen, aber ich konzentriere mich nur auf die nächsten viereinhalb Jahre beim HSC.

Zurück zum HSC. Unabhängig von der Klasse, in der ihr nächstes Jahr spielt, wo siehst Du die größten Defizite im Team?
Ich glaube, dass wir uns während der Saison bereits deutlich gesteigert haben, gerade was die Abwehrarbeit angeht. In meinen Augen können und müssen wir teilweise noch einen Tick aggressiver sein und unser Zusammenspiel und die Absprachen in den Kleingruppen verbessern. Im stehenden Angriff hat uns teilweise etwas die Durchschlagskraft gefehlt und wir haben nicht immer spielerische Lösungen gefunden.
Zu guter Letzt müssen wir im Tempospiel noch eine Schippe drauflegen. Sowohl im Gegenstoß als auch in der zweiten und dritten Welle müssen wir schneller, besser und torgefährlicher werden. Ich kann aber versprechen, dass wir auf einem guten Weg sind.

Du bist dafür bekannt, dass Du intern auch gerne mal den Finger in die Wunde legst und Tacheles redest. Stimmt das?
Gewisse Dinge sollte man ansprechen, wenn der Zeitpunkt dafür gekommen ist. Wir sind alle erwachsene Männer, und ab und zu knallt es dann eben mal, aber das gehört dazu und ist in meine Augen auch wichtig. Man kann nicht immer nur auf Kuschelkurs sein.

Dein Pendant auf der linken Seite hat seinen Vertrag nicht verlängert. Wie schwer wiegt der Weggang von Steffen Coßbau für den HSC?
Das ist leider der Lauf der Dinge und gehört im Sport dazu. Ich hätte mir gewünscht, dass Steffen auch über die Saison hinaus bei uns bleibt, und finde es schade, dass keine Einigung erzielt werden konnte. Mir persönlich tut es wirklich weh, dass Cossi uns nach der Saison verlässt. Wir haben uns persönlich gut verstanden, und er war und ist einer der Eckpfeiler des Teams. Sowohl sportlich als auch menschlich wird er eine Lücke hinterlassen, die wir erst kompensieren und schließen müssen.

Was macht Florian Billek, wenn er nicht Handball spielt? Was sind Deine Lieblingshobbys?
Meine freie Zeit genieße ich am liebsten mit meiner Freundin und mit meinen Freunden. Außerdem interessiere ich mich grundsätzlich für viele Sportarten und bin eingefleischter Fan von Eintracht Frankfurt. Daher verfolge ich natürlich die Fußball-Bundesliga recht intensiv. Wann immer ich die Möglichkeit habe, versuche ich auch live im Stadion dabei zu sein.

Und was macht die Familienplanung? Kannst Du Dir vorstellen, länger in der Vestestadt zu bleiben?
Mit der Familienplanung werden wir noch etwas warten. Meine Freundin schreibt ab Februar ihre Bachelorarbeit und wird dann spätestens im Sommer ganz nach Coburg ziehen. Wir fühlen uns beide richtig wohl in Coburg und freuen uns sehr auf die Jahre, die wir noch hier sind. Es fühlt sich so an, als hätte man ein neues Zuhause gefunden. Wir können uns beide sehr gut vorstellen, auch nach meiner Karriere in Coburg zu bleiben.



Das sagen seine besten Freunde:


Dominik Kelm (Mitspieler beim HSC Coburg): "Nach zwei anstrengenden und turbulenten Jahren ist Flo inzwischen abseits des Spielfeldes viel ruhiger und erwachsener geworden. Langsam wird er halt doch alt und steht unter den Fittichen seiner Freundin. Nur vom Fußball und Football hat er leider immer noch keine Ahnung ..."

Sophia Brenner (Freundin): "Flo hat neben seinem harten, eher unnahbaren Charakter auf dem Spielfeld eine ganz herzliche und liebevolle Seite. Mit seiner humorvollen und charmanten Art schafft er es immer wieder, Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Und nicht zu vergessen: Er ist ein hervorragender Koch!"

Dietrich Mai (Kumpel): "Er ist ein Gewinnertyp. Er fasst jede Niederlage als persönliche Beleidigung auf. Ansonsten ein Kerl mit Ecken und Kanten, der öfter mal auf Wolke 7 schwebt - da holen wir ihn aber meistens schnell wieder runter. Sein Musikgeschmack, der gerne mal in Richtung Balkan-Pop geht, ist gewöhnungsbedürftig."

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