Coburg
Wettbewerb

FC Haarbrücken siegt mit Herzblut

Der Neustadter Traditionsverein hat die vierte Auflage des SÜC-Jugend-Cups für sich entschieden. Die Spvg Ahorn und die Effect's Coburg teilten sich Platz 2
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Die Freude bei den jungen Aktiven und den Betreuern des FC Haarbrücken kannte nach dem Gewinn des Cups keine Grenzen.  Fotos: Timo Geldner
Die Freude bei den jungen Aktiven und den Betreuern des FC Haarbrücken kannte nach dem Gewinn des Cups keine Grenzen. Fotos: Timo Geldner
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Die Entscheidung um den "echten" Henkelpott steht heute Abend im Finale der Königsklasse zwischen Real Madrid und Juventus Turin in Cardiff an. In Coburg wurde sich am Donnerstagabend schon mal eingestimmt. "Es fühlt sich wie der Gewinn der Champions League an", sagte Jochen Langbein, Vorsitzender des FC Haarbrücken, nach der Siegerehrung des SÜC-Jugend-Cups 2017.

Zugegeben, die Bühne in der Alten Pakethalle ist etwas kleiner als die Schauplätze der Königsklasse und der Henkelpokal um ein Vielfaches leichter, aber einen größeren Jubel und Freude über den Titel wird es auch heute in Cardiff nicht geben. "Ich bin völlig überwältigt, wir haben überhaupt nicht mit dem Sieg gerechnet. Wir haben es schon als Ehre empfunden, überhaupt im Finale dabei zu sein", erklärte Langbein, während er fast schon anmutig den Pokal festhält. Als die Entscheidung verkündet worden war, musste er sich sogar ein paar Freudentränen aus dem Gesicht wischen.

Ein Sinnbild für den Auftritt des FCH an diesem Abend, der die Jury, die sich aus Vertretern des Namensgebers SÜC Energie, des Sportverbandes Coburg, des Bayerischen Landessportverbands und Pressevertretern zusammensetzte, emotional gepackt hat. "Vielleicht hat unser Herzblut den Ausschlag gegeben. Ich denke, es haben nur Nuancen entschieden, wir hatten einfach das glücklichere Ende", so Langbein.

In der Tat haben alle drei Finalisten auf ihre ganz besondere Art an diesem Abend überzeugt und den rund 200 Anwesenden, unter denen auch Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) und einige Stadträte weilten, einen kurzweiligen Abend beschert. Aus Respekt vor den gelungenen Darbietungen der Vereine verzichtete die Jury auf einen dritten Platz. Die Spvg Ahorn und die Effect's Coburg teilten sich somit den zweiten Platz und bekommen jeweils 500 Euro für ihre Jugendarbeit.


Publikumspreis geht nach Ahorn

Die Ahorner hatten sogar noch einen weiteren Grund zum Jubeln. Vereinsvorsitzender Klaus Leonhardt durfte den mit 700 Euro dotierten Publikumspreis, bei dem die Öffentlichkeit für drei Wochen im Netz für ihren Favoriten stimmen durfte, entgegennehmen. Die Spvg-Jugendlichen zeigten am Finalabend in sechs kleinen sportlichen Einlagen die komplette Bandbreite des Vereins. Turnen, Fußball, Handball, Leichtathletik, Tanzen und Hockey. Letztere Abteilung gibt es erst seit letztem Jahr, hat sich aber mit drei bestehenden Jugendmannschaften, die Freundschaftsspiele austragen, bereits etabliert.

Etabliert in der nationalen Spitze (unter anderem einmal Deutscher Vizemeister) hat sich der Tanzsportverein Effect's, der seit fünf Jahren eigenständig agiert. Drei Viertel der insgesamt 168 Vereinsmitglieder sind Jugendliche. Die älteste Gruppe der Ü15, die zuletzt sogar in China unterwegs war, präsentierte einen modernen Auftrittstanz. Kleiner Wermutstropfen: Die jüngeren Tänzer konnten keinen Live-Auftritt aufs Parkett legen, da sie die Tänze für die neue Saison erst seit wenigen Wochen einstudieren.


Gelebte Integration beim FCH

Für die Haarbrückener als Sieger des SÜC-Jugend-Cups 2017 gibt es einen Geldpreis von 2000 Euro. "Wir werden damit das Jugendzimmer in unserem Sportheim renovieren, damit unsere Kinder eine schöne Möglichkeit haben, sich aufzuhalten", so Langbein. Ein Teil der rund 220 aktiven Kinder und Jugendlichen des FCH hat auch in der Pakethalle sein fußballerisches Können präsentiert. Die G- und F-Junioren dribbelten durch Hütchen, die Cheerleader-Gruppe "Hairbridges" verzückte das Publikum mit ihren Tanzeinlagen. Dazu stellte Gerhard Heublein das Haarbrückener Integrationsprojekt vor, bei dem seit Sommer 2015 minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge trainiert werden. "Ich habe damals mit 16 Jungs angefangen, vier davon hatten keine Sportschuhe. Ich wollte sie nicht barfuß spielen lassen, aber sie sagten, kein Problem", erzählte Heublein auf der Bühne.

Nicht nur das passende Schuhwerk wurde in Windeseile gesammelt, auch die Integration von mehreren Asylbewerbern in die unterschiedlichen Jugendmannschaften erfolgte recht schnell und reibungslos. "Wir haben auch ein Hörbuch geschrieben, bei dem die wichtigsten deutschen Fußball-Begriffe erklärt wurden. Nach einer gewissen Zeit wurde nur noch Deutsch geredet", so Heublein. Ein Flüchtling, der mittlerweile für die B-Jugend des FCH aktiv ist, demonstrierte seine Deutschkenntnisse unter großem Applaus des Publikums.
Applaus verdient hat die komplette Entwicklung des Traditionsvereins, der in den 90er Jahren zwischenzeitlich ohne Jugend- und Seniorenmannschaften dastand, verdient. Nach dem Titelgewinn der 1. Mannschaft in der A-Klasse 2 ließ der Klub mit dem Gewinn des SÜC-Jugend-Cups nun bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr ordentlich aufhorchen.
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