Coburg
2. Handball-Bundesliga

Das Dutzend ist schon voll

Der HSC 2000 Coburg machte gegen Hagen schon vor der Pause alles klar. Aber auch nach dem Wechsel war die Mannschaft sehr unkonzentriert.
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Hochsteigen und erfolgreich abziehen. Der HSC 2000 Coburg praktizierte dies von Beginn an beim ungefährdeten Heimsieg gegen Hagen. Fotos: Albert Höchstädter
Hochsteigen und erfolgreich abziehen. Der HSC 2000 Coburg praktizierte dies von Beginn an beim ungefährdeten Heimsieg gegen Hagen. Fotos: Albert Höchstädter
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Das hat beim Trainer des VfL Eintracht Hagen, Lars Hepp, wohl nicht zur Genesung beigetragen. Er musste auf Grund eines grippalen Infekts, der ihn seit letztem Wochenende plagt, die Reise nach Coburg absagen. Bereits zur Pause lag sein Team aussichtslos mit 9:19 in Rückstand. Doch die Courage, die Hagen nach der Pause zeigte, verdiente dann doch Anerkennung. Zu einer Wende aus Sicht der Gäste reichte es freilich nicht.


Alle HSC-Feldspieleer trafen

Trotz der Aussichtlosigkeit des Unterfangens stemmte sich die Eintracht mit Erfolg gegen ein ähnliches Debakel wie im Hinspiel. Coburg versäumte es wieder einmal, die Überlegenheit in einen deutlicheren als den 33:26-Erfolg umzumünzen.
Allerdings schonte Jan Gorr seine Stammkräfte und immerhin trafen alle Feldspieler des HSC ins gegnerische Tor.
Fünf Minuten und einen Strafwurf, bei dem Jan Kulhanek die Finger sogar noch am Ball hatte, brauchte es, bis Hagen zu seinem ersten Treffer kam. Ansonsten bissen sich die Gäste an der gut arbeitenden Deckung der Coburger die Zähne aus, die auch bestens auf die Kreisanspiele auf Renninger von Aschenbroich im rechten Hagener Rückraum eingestellt waren.
Den ersten Höhepunkt zum 5:2 (9.) setzte aus HSC-Sicht dann Girts Lilienfelds mit einem Traumpass auf den durchgestarteten Florian Billek. Coburg konnte sich aber nicht so recht absetzen (7:6, 13.), weil Hagen es nun häufiger mit Erfolg aus dem Rückraum probierte.


Kulhanek parierte

Gerade als sich Jan Gorr noch tierisch über ein angebliches Stürmerfoul von Dominic Kelm aufregte, dessen Abwehrspieler dabei einen gefühlten Meter im Kreis stand, parierte Kulhanek den daraus resultierenden Konter gegen den freien Dragan Tubic und das Schimpfen wurde zum wohlwollenden Applaus.
Auffällig war im Angriffsspiel des HSC, dass viel über den Rückraum und den Kreis lief, die Außenpositionen selten ins Spiel eingebunden wurden. Da musste ein Abpraller zum 11:6 herhalten, den Billek versenkte und dann traf er in Unterzahl in seiner unnachahmlichen Weise zum 12:6. Dass Hagen zunächst wieder herankam (12:8) lag an zwei sehr fragwürdigen Zeitstrafen gegen den HSC, obwohl Jan Kulhanek sogar einen Strafwurf parierte. Nach Ablauf der Strafen schien dies die Coburger so richtig anzustacheln, es folgten drei Treffer in Folge. 20 Sekunden vor dem Pausenpfiff war die Differenz zweistellig angewachsen.


Hagens Neustart mit drei Toren

Den besseren Start hatten dann die Gäste mit drei Treffern in Folge, die Coburger schienen mit ihren Gedanken noch in der Kabine, waren unkonzentriert. Zwei Mal wurde in Überzahlspielen der Ball verloren, die Würfe fanden nicht den Weg aufs Tor. Es dauerte fast sechs Minuten, bis ihnen der erste Treffer nach der Pause gelang.
Zur Ladehemmung vorne kam eine HSC-Abwehr hinzu, die urplötzlich nicht mehr so recht im Bilde war. Als Simon Ciupinski ein herrlicher Rückhandtreffer zum 24:18 nach nicht einmal 44 Minuten gelang, hatte der HSC genauso viele Treffer kassiert hatte wie im gesamten ersten Durchgang.
Nach 49. Minuten war der Pausenrückstand halbiert und die Auszeit von Jan Gorr war bitter nötig, denn sein Team war überhaupt nicht mehr auf Ballhöhe, erinnerte an den Auftritt in Henstedt in der Vorwoche, die Abwehr war nun viel zu oft nicht im Bilde. In Gefahr geriet der Erfolg aufgrund der sehr guten ersten Halbzeit aber nicht mehr. Mit dem Sieg hat Coburg nun bereits zwölf Mal in Folge nicht verloren und erstmals in dieser Saison hatte Jan Gorr die Qual der Wahl, konnte 16 Spieler nominieren von denen am Ende Micke Brasseleur und Lukas Wucherpfennig nicht zum Einsatz kamen.


Stimmen zum Spiel

HSC-Rückraumspieler Matthias Gerlich: "Eigentlich wollten wir noch einmal so eine Halbzeit folgen lassen, das haben wir in der Kabine angesprochen. Das haben wir nicht geschafft, wir haben die Spannung nicht halten können und uns schwer getan Die letzten Prozente in der Abwehr haben einfach gefehlt."
HSC-Manager Wolfgang Heyder: "In der ersten Halbzeit haben wir gut verteidigt, viel Druck gemacht Richtung gegnerischem Tor. Zehn Tore Vorsprung in einer Halbzeit muss man erst einmal schaffen. Nach der Pause haben wir dann einen Gang zurückgeschaltet, das passiert automatisch. Zudem hat Jan noch durchgewechselt, was bei dem Spielstand mit dem Kader auch nötig ist. Die Verletzten brauchen Spielpraxis und wenn nicht in dieser Situation, wann dann? Aber der Rhythmus war weg."
HSC-Trainer Jan Gorr: "Zu Beginn waren beide auf gleichem Niveau, dann haben wir fast wie aus einem Guss gespielt. Das war fantastsicher Handball meines Teams, angefangen von der Deckungsarbeit mit Torwart und gutes Konterspiel. Nach der Pause war es so wie in den letzten beiden Wochen bei uns. Da hat man gesehen, dass nicht alles passt. Trotzdem können wir das aber besser lösen. Wir haben in der Deckung zu sehr nachgelassen und plötzlich war es ein anderes Spiel. Kompliment an Hagen, dass sie sich nicht einfach ergeben haben."
VfL-Sportdirektor Michael Stock: "Der Lauf des HSC Coburg vom 12:6 auf 19:9 hat uns das Genick gebrochen. Denn in der ersten Phase haben wir die Partie offen gestaltet, zur Pause war das Ding gelaufen. Aber das Team hat sich mit einer ordentlichen Portion Moral gegen ein Debakel aufgebäumt, nach der Pause ein viel besseres Rückzugsverhalten gezeigt. Trotzdem haben wir auch in der Höhe verdient verloren."
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