Coburg
1. Handball-Bundesliga

"Coburg hat uns alles abverlangt"

Nicht nur der Geschäftsführer des THW Kiel, Thorsten Storm, hatte warme Worte für den tapferen Auftritt des HSC 2000 Coburg beim Rekordmeister übrig.
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Steffen Coßbau und seine Teamkollegen haben einen Punktgewinn in Kiel denkbar knapp verpasst.  Foto: Iris Bilek
Steffen Coßbau und seine Teamkollegen haben einen Punktgewinn in Kiel denkbar knapp verpasst. Foto: Iris Bilek
Die fast schon tropischen Temperaturen forderten am Sonntagnachmittag in der Kieler Sparkassen-Arena ihren Tribut: Nicht nur bei den Spielern und den 10 285 Zuschauern, sondern auch beim Hallenboden. Mitte des ersten Durchgangs lösten sich wärmebedingt die Sponsoring-Aufkleber und wurden kurzerhand komplett entfernt.

Eine kuriose Randnotiz, die die Truppe von Trainer Jan Gorr ebenso wenig beeindruckte, wie der Blitzstart des deutschen Rekordmeisters in den ersten sieben Minuten (5:1). Angetrieben von einem glänzend aufgelegten Oliver Krechel im Tor (18 Paraden, 39 Prozent gehaltene Bälle) blieb der HSC das ganze Spiel auf Tuchfühlung und ging nach 49 Minuten durch ein Tor von Steffen Coßbau erstmals in Front (23:22). Bis zum abermaligen Führungstreffer von Tom Wetzel (26:25) 110 Sekunden vor Spielende behielten die Coburger kühlen Kopf.

Dann drehte eine Zwei-Minuten-Zeitstrafe für Philipp Barsties das Momentum. "Das war eine unglückliche Situation. Philipp trifft einen Kieler im Gesicht, aber nicht absichtlich. Kann man so entscheiden", kommentiert Gorr die spielentscheidende Situation. Der erfahrene Marko Vujin verwandelte den Siebenmeter, anschließend spielten die Kieler geduldig Rune Dahmke frei, der wieder die Führung für die Hausherren besorgte. 45 Sekunden hatte der HSC noch Zeit, mit einem zusätzlichen Feldspieler zumindest noch einen Punkt zu sichern. Doch leichtfertig verloren die Coburger in diesem so wichtigen Angriff das Spielgerät - Veteran Christian Zeitz war Nutznießer, traf von der Mittellinie ins verwaiste HSC-Tor und sorgte so für den umkämpften und glücklichen Erfolg des THW. Oder wie die Kieler Lokalpresse den Auftritt der Zebras formulierte: "Ballkrampf für die Seele". Gorr: "Wir waren in der Situation zu überhastet, hätten etwas ruhiger die Abschlusssituation suchen müssen."

Mit dem Schlusspfiff um kurz vor 19 Uhr am Sonntagabend stand dann auch rechnerisch fest, dass das HSC-Kapitel in der 1. Liga vorerst nur noch drei Partien umfassen wird. "Auch wenn die Wahrscheinlichkeit sehr groß war, macht es einen schon traurig, den Abstieg schwarz auf weiß zu sehen, weil das jetzt eine gewisse Endgültigkeit mit sich bringt", erklärt Gorr, der die geknickten HSC-Akteure im Mannschaftsbus mit "sehr offenen" Feedbackgesprächen wieder etwas aufbaute.


Tom Wetzel überzeugt abermals

Für den Trainer und seine Truppe blieben in der Halle am Ende wie so oft in dieser Saison nur die Anerkennung der eigenen 100 Fans, die die 600 Kilometer lange Reise auf sich nahmen, und der Respekt des Gegners. "Die Kieler Zuschauer sind sehr fachkundig, viele haben mir nach dem Spiel zu einer tollen Leistung gratuliert", so Gorr. Auch die THW-Verantwortlichen sahen das ähnlich. "Dass die Coburger heute so aufgetreten sind, hat uns nicht überrascht. Sie haben in den letzten Wochen schon klasse gespielt", sagte Kiels Trainer Alfred Gislason auf der Pressekonferenz. THW-Geschäftsführer Thorsten Storm ergänzte: "Heute haben wir nicht nur wegen der Temperaturen geschwitzt, sondern auch, weil Coburg einen klasse Auftritt hingelegt und uns alles abverlangt hat." Sein Coburger Pendant, Steffen Ramer, sah eine Wahnsinns-Energieleistung der Mannschaft, die an diesem Tag gezeigt habe, zu was sie im Kollektiv imstande ist, wenn sie einmal annähernd vollzählig agieren könne.

Dabei verleiht Tom Wetzel, der den größten Teil der Saison aufgrund einer Fußverletzung pausieren musste, der Mannschaft in den letzten Wochen besonders viel Stabilität. Dem ehemalige Altenholzer (in der Nähe von Kiel) gelangen in seiner Wahlheimat fünf Tore und drei Assists. Daneben überzeugten auch Nico Büdel mit sieben Treffern und die zuletzt stets zuverlässigen Außen Florian Billek (fünf Tore) und Steffen Coßbau (vier).

Über Eventualitäten, wie die Saison möglicherweise ohne größere Ausfälle verlaufen wäre, macht sich Gorr aber keine Gedanken mehr. "Es ist ja kein Wunschkonzert. Es gibt immer solche Einflüsse während einer Saison, es ist nicht sicher, ob es wirklich anders gelaufen wäre. Man muss das so akzeptieren." Gorr freut sich vielmehr über die Art und Weise, wie sich sein Team in den letzten Wochen präsentiert hat, und hebt vor allem die Charakterstärke seiner Mannschaft hervor, die sich nach einem Tag Regeneration ab heute voll und ganz auf den TSV Hannover-Burgdorf, Gegner am Mittwoch um 20.15 Uhr in der HUK-Arena, fokussieren wird.

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