Grub am Forst
Fußball

Applaus und Lob für den Rebell

Der frühere Weltklasse-Fußballer, Manager und Geschäftsmann Günter Netzer war ein Glücksgriff für den Fußball-Stammtisch von Erich Schramm und sein Team im Gasthaus Rennerwald in Grub am Forst, 15 Jahre nach der Gründung.
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Noch besser als bei den Fernsehauftritten mit Gerd Delling Stargast Günter Netzer und Ulrich Engel als der Fragensteller und Moderator in Grub beim Fußball-Stammtisch.
Noch besser als bei den Fernsehauftritten mit Gerd Delling Stargast Günter Netzer und Ulrich Engel als der Fragensteller und Moderator in Grub beim Fußball-Stammtisch.
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von unserem Redaktionsmitglied Martin Zillig

Grub am Forst — Am Fernsehschirm in seinen Gesprächen mit Gerhard Delling zur Nationalmannschaft war er schon gut, doch bei seinem Besuch am Fußball-Stammtisch in Grub am Forst brillierte er wie einst auf dem Fußballfeld als unumstrittener Mittelfeldkönig: Günter Netzer.
Das hatte mehrere Gründe. Er fühlte sich in der Atmosphäre der Fußballer ohne große Etikette im Rennerwald wohl, hatte mit Ulrich Engel einen toll vorbereiteten Interviewpartner und Netzer selbst erzählte frei von der Leber weg kleine und große Anekdoten aus seinem erfüllten Leben.
Erfüllt war es, weil er einfach genial Fußballspielen konnte, auch wenn er mehr der Vereins- als der Nationalmannschaftsspieler war, wie er selbst einräumte.
Rebell war er nicht wegen seiner langen Haare, ein Markenzeichen von ihm bis heute, zu dem ihn seine damalige
Freundin "zum Glück gezwungen hat". Nein er wollte nur nicht alles Hinnehmen, was ihm gegen den Strich ging. Da waren besonders die Diskussionen mit seinem langjährigen Trainer bei Borussia Mönchengladbach, Hennes Weisweiler. Dem bescheinigte Netzer am Beginn kein gutes Trainerzeugnis: "Er ließ uns nur rauf und runter laufen und die Mannschaft war nach 60 Minuten kaputt." Doch wie er selbst, lernte auch Weisweiler dazu, was Netzer bestätigte. Unvergessen ist auch in diesem Zusammenhang das Pokalfinale der Gladbacher gegen den 1. FC Köln in Düsseldorf Anfang der 70er Jahre, kurz bevor Netzer nach Spanien ging. Er war nicht aufgestellt und verweigerte dem Trainer Weisweiler dann den Einsatz in der Halbzeit. Erst in der Verlängerung wechselte er "sich selbst ein" und traf mit einem sensationellen Tor zum 2:1-Sieg.
Als er in seiner Fußballzeit auch noch eine Diskothek in Gladbach eröffnete und drei Tage zuvor Weisweiler zur Eröffnung einlud, soll der Trainer gesagt haben: "Das ist das Ende."
Doch es folgte die beste Zeit für den Mittelfeldstrategen, der schon immer Freund schneller Autos und Frauen war. Viele Frauen (-Geschichten), die ihm angedichtet wurden, sollen eigentlich Berti Vogts gehört haben, zitierte Ulrich Engel scherzhaft aus seinen vorbereiteten Unterlagen, was Netzer natürlich sehr gefiel.
Zurück zum Fußball. Natürlich war die Europameisterschaft in Belgien der Höhepunkt seiner Nationalmannschafts-Karriere, wie Netzer selbst bekennt. Ohne Groll sieht er heute seinen fußballerischen Werdegang und den "Kampf" mit Wolfgang Overath im deutschen Mittelfeld. Der Wechsel von Gladbach ins Ausland war ein weiterer Höhepunkt und der Traum, bei Real Madrid zu spielen, erfüllte sich. "Die Freizeiten, die ich immer gebraucht habe und was meine Trainer auch wussten, waren da zwar ziemlich begrenzter, aber weiter vorhanden", so Netzer.
Er blieb auch nach seiner aktiven Zeit dem Fußball verbunden, so als er beim Hamburger SV Manager wurde. "Ich wollte dort eigentlich nur die Stadionzeitung machen, das konnte ich schon in Gladbach, aber die ließen nicht locker und ich bekam beide Posten."
Und es war wieder eine tolle erfolgreiche Zeit mit vielen Titeln, die in seine Biografie eingeht. "Was ich in meinen jetzt 70 Jahren erlebt habe, war einfach toll, doch das Leben von Franz Beckenbauer unfassbar", schloss Netzer seine Bekenntnisse in Grub, mit einem Schuss Ironie und Witz! Die nächste Einladung für ihn nach Grub sollte dann mit Beckenbauer sein, wie er meinte.

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