Coburg
Hochschule

Spitzenwerte für die Coburger Hochschule

Studierende bewerten die Coburger Hochschule besonders gut. Warum das wohl so ist, verraten die Professoren Wolfram Haupt und Stefan Gast.
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Die Studierenden aus den Bereichen Maschinenbau und Technische Physik, sowie Maschinenbau und Automobiltechnik fühlen sich in Coburg sehr wohl. Foto: Madelaine Ruska
Die Studierenden aus den Bereichen Maschinenbau und Technische Physik, sowie Maschinenbau und Automobiltechnik fühlen sich in Coburg sehr wohl. Foto: Madelaine Ruska
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Beim CHE-Ranking haben die Studiengänge Maschinenbau und Technische Physik Spitzenwerte erzielt. Warum die Studierenden Coburg so gut bewerten, verraten die beiden Dekane Prof. Dr. Stefan Gast (Fakultät Maschinenbau und Automobiltechnik) und Prof. Dr. Wolfram Haupt (Fakultät Angewandte Naturwissenschaften) im Interview.

Glückwunsch zu diesem Ergebnis. Über welche Wertung haben Sie sich besonders gefreut?

Stefan Gast: Über die Dinge, die wir selber in der Hand haben. Zum Beispiel die Studienorganisation. Wir verwenden viel Zeit und Mühe, sodass nicht zu viele Studierende in einer Veranstaltung sitzen und Vorlesungen und Übungen aufeinander abgestimmt sind. Da sind wir - laut Ranking - im Maschinenbau deutschlandweit spitze. Wenn die Studierenden das erkennen und wertschätzen, ist das ein Lohn für unsere Arbeit in der Studienorganisation. Wolfram Haupt: Die Studierenden haben das gute Klima zwischen ihnen und den Lehrenden mit einer glatten 1,0 bewertet. Das zeigt, dass wir unsere Studierenden ernst nehmen und sie das auch wertschätzen.

Beide Studiengänge haben bei der Studienorganisation das beste Ergebnis erreicht - was ist ihr Geheimnis?

Stefan Gast: Wir spielen die Vorteile einer kleinen Hochschule aus. Das zeigt sich auch bei der Rückmeldung zur Betreuung im Studium. Wir können ein Betreuungsverhältnis realisieren, das es an anderen Hochschulen in dieser Form nicht gibt. Wir geben uns sehr viel Mühe, was die Stundenplanung angeht. Die Studierenden sollen alle Vorlesungen besuchen können, für die sie sich interessieren. Das heißt für uns, einen Stundenplan anzubieten, in dem sich die Termine insbesondere der Wahlfächer nicht überschneiden dürfen. Wolfram Haupt: Das ist an großen Unis anders: Da liegen schon mal mehrere Veranstaltungen parallel. Es heißt aber auch, dass unsere Lehrenden bereit sind, eine Vorlesung auch mal am Abend zu halten, damit die Planung klappt.

Wie erreichen Sie so eine Kultur in Ihren Fakultäten?

Stefan Gast: Wir haben in der Fakultät Leitsätze definiert, an denen wir uns in unserer täglichen Arbeit orientieren. Sie bilden das Grundgerüst eines gemeinsamen Miteinanders. Uns kommt aber auch ein Generationswandel zu Gute. Wir haben viele neue, junge Kollegen, die moderne didaktische Konzepte in die Lehre einbringen und auch zu mutigeren Experimenten in der Didaktik bereit sind. Wolfram Haupt: Die ganze Hochschule hat in den letzten Jahren einen Wandel vollzogen. Durch den Coburger Weg, der ja sehr auf interdisziplinäre Lehre und die individuelle Förderung der Studierenden ausgerichtet ist. Das wirkt sich auf die Lehrenden aus, die schon hier sind und es zieht die Bewerber an, die diese Ausrichtung auf die Studierenden bewusst wahrnehmen wollen. Ich habe beispielsweise kaum Schwierigkeiten, Lehrende für didaktische Weiterbildungsangebote zu begeistern. Das war früher durchaus anders.

Die internationale Ausrichtung wird in der Technischen Physik besser bewertet als in anderen Studiengängen. Was machen Sie anders?

Wolfram Haupt: Wir haben in der Technischen Physik einen Studienzweig, bei dem ein Auslandsjahr fest zum Studium gehört - Engineering Physics. Da verbringen die Studierenden einen Teil ihres Studiums an sehr renommierten Hochschulen in Shanghai (China), Twente (Niederlande) oder Winnipeg (Kanada). Normalerweise sind dort hohe Studiengebühren fällig. Diese entfallen für unsere Studierenden und sie haben die Sicherheit, dass die Kurse, die sie im Ausland belegen auch in Coburg angerechnet werden. Ein Drittel unserer Erstsemester wählt diesen Zweig.

Was nehmen Sie als Feedback aus dem Ranking mit - gibt es auch Verbesserungsvorschläge?

Stefan Gast: Beim Praxisbezug wünschen sich die Studierenden noch mehr Möglichkeiten, die ihnen auch angerechnet werden. Freiwillige Angebote gibt es ja viele, zum Beispiel unser erfolgreiches Formula Student Team CAT-Racing. In der Lehre würde ich gerne mehr anwendungsorientierte Laborübungen und -praktika einbauen. Das hat aber leider irgendwann Grenzen, weil man dafür kleine Gruppen braucht. Und dafür braucht's entsprechend viel Personal. Und bei allem Verständnis für den Wunsch nach mehr Praxisbezug: Wir bewegen uns immer noch im Rahmen eines Ingenieurstudiums, das heißt auch die Vermittlung von theoretischen Grundkenntnissen gehört zu unseren Aufgaben. Die mathematischen Kenntnisse eines Ingenieurs müssen über die Auflösung eines Doppelbruchs hinausgehen. Wir entwickeln aber gerade Konzepte, wie wir Theorie und Praxis stärker miteinander verknüpfen können.

Wenn beide Ingenieurstudiengänge spitze sind, für welchen soll man sich dann entscheiden?

Wolfram Haupt: Beide Studiengänge setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Mit dem Maschinenbau bietet unsere Hochschule ein klassisches Ingenieurstudium mit hohem Praxisbezug und Projektanteilen.

Die Technische Physik ist ein Ingenieurstudiengang, der im Vergleich thematisch breiter aufgestellt und stärker forschungsorientiert ist. Im Institut für Sensor- und Aktortechnik zum Beispiel können unsere Studierenden während des Studiums an Forschungsprojekten mitarbeiten, was durchaus bis zur Promotion führen kann.

Hochschulrankings sind umstritten. Manche Hochschulen nehmen gar nicht mehr teil. Wie wichtig finden Sie solche Rankings für die Wahl der richtigen Hochschule?

Wolfram Haupt: Ein Ranking ist natürlich die einzige Möglichkeit, Hochschulen miteinander zu vergleichen, wenn man nicht alle einzeln besuchen will. Aber, ich kann jedem Studieninteressierten nur raten, sich nicht nur auf Rankings zu verlassen. Viele Hochschulen bieten Veranstaltungen, wie die Schnuppertage an, bei denen man sich ein Bild von den Inhalten, der Organisation und den Leuten machen kann. Und man kann natürlich jederzeit mit Studierenden sprechen oder sich einfach mal in eine Vorlesung setzen. Die Fragen stellte Madelaine Ruska.

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