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Spielwarenmesse: Wovon kleine und große Spielkinder träumen - Coburger berichten

Welche Trends gibt es in der Spielwarenbranche? Das wissen der Coburger Ernst Schleier und seine Mitarbeiterin Stefanie Stanzel bereits aus Erfahrung.
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Inhaber Ernst Schleier und seine Mitarbeiterin Stefanie Stanzel können im Spielwarenladen ihr inneres Kind freilassen.  Foto: Jutta Rudel
Inhaber Ernst Schleier und seine Mitarbeiterin Stefanie Stanzel können im Spielwarenladen ihr inneres Kind freilassen. Foto: Jutta Rudel

Eine Runde "Mensch-Ärgere-Dich-Nicht" spielen oder mal eben "das Leiterspiel" auspacken - die Regeln müssen wohl kaum erklärt werden. Doch sind die klassischen Brettspiele Kindern in Zeiten von Digitalisierung und überfüllten Spielzeugregalen noch geläufig? Ernst Schleier, Inhaber des gleichnamigen Spielzeugwarenladens in Coburg, weiß aus Erfahrung: "Das sind nach wie vor die klassischen Einstiegsspiele für Kinder." Für erfahrenere Spieler gibt es ab heute allerhand Neuheiten auf der Nürnberger Spielwarenmesse zu bestaunen. Die neueste Technik, Soundeffekte, Lichter: "Das ist völlig überbewertet", meint Schleier.

Denn klassische Spieleabende, bei denen alle am Tisch sitzen, seien immer beliebter. So erzählt Mitarbeiterin Stefanie Stanzel, dass sich die Leute nicht mehr für eine viertel Stunde Mau-Mau zusammensetzen, sondern "abendfüllende Spiele" bevorzugen. Strategie-, Rätsel- und Rollenspiele sind hoch im Kurs. Das Strategiespiel "Die Siedler von Catan" sei der Anfang dieser Entwicklung gewesen. Mittlerweile sind die Ausmaße enorm: So besuchen zum Beispiel immer mehr Menschen sogenannte Exit-Rooms. Das bedeutet, sie werden in einen Raum voller Rätsel und Hinweise eingeschlossen und haben eine Stunde lang Zeit, um sich zu befreien. Nun sollen auch solche Exit-Spiele für den Spieleabend zu Hause angeboten werden, die man nur einmal durchspielen kann. "Ich bin schon gespannt, was da auf uns zukommen wird", sagt Stefanie Stanzel.

Tierische Spielzeuge

Einen richtigen Ansturm auf einen bestimmten Kinderspielartikel, so der Inhaber, gebe es viel seltener als früher. Vielmehr zeichnen sich zwei Linien ab: Zum einen werden Spiele, die sich auf Fernsehsendungen beziehen, gut nachgefragt. "Sogenannte Lizenzthemen", fügt Schleier hinzu. "Im Trend liegen gerade alle möglichen Produkte von Paw-Patrol", erzählt Stanzel. Das ist eine Kinderserie, in der Hunde in die heldenhafte Rollen von Feuerwehrmann, Polizist und Co. schlüpfen.

"Zum anderen geht allgemein alles gut, was mit Tieren zu tun hat", sagt sie. Die Tierfiguren der Firma Schleich seien quasi ein Selbstläufer. Auch die klassische Teddybärenfirma Steiff produziert längst auch andere Tiere. "Einfach alles, was in der Natur so umherrennt", sagt Ernst Schleier. Kinder sehnen sich also gar nicht häufig nach elektronischen Neuheiten, sondern lieber nach einem tierischen Begleiter.

"Einen wirklich Ansturm auf technische Spielgeräte gibt es, wenn dann, nur im Modellbau", sagt der Inhaber. Dabei sind es aber weniger die Kinder, die mit den Eisenbahnen spielen, als die Erwachsenen selbst, die sich ihre Kindheitsträume verwirklichen: "Der Modellbau ist mittlerweile ein klassisches Erwachsenenhobby."

Konkurrenz mit Online-Handel

"Das Geschäft läuft, aber man hat schon zu kämpfen gegen den Online-Handel", räumt Schleier ein. Er vertraut auf das Weihnachtsgeschäft sowie auf einen festen Kundenstamm. "Die, die als Kind schon hier waren, kommen noch immer als Erwachsene", so Stanzel. Im Vergleich zu anderen Kaufhäusern macht sich Schleier weniger Sorgen: "Unsere Stärken sind die Breite und Tiefe". Denn das Sortiment umfasst etwa 30000 bis 40000 Artikel.

Bedeutung der Spielwarenmesse

Wie wichtig ist ihm da überhaupt die Spielwarenmesse? "Die Messe ist nach wie vor das Highlight im Jahr, aber sie ist nicht mehr so wichtig wie vor zehn Jahren", erzählt der Inhaber. Denn früher, fährt er fort, haben sich die Firmen einzig auf die Messe fokussiert, Verträge geschlossen und Trends gesetzt. Mittlerweile werden die neuen Artikel mehrmals im Jahr vorgestellt. Dass die Messetage gekürzt wurden, bestätige die schwindende Relevanz.

Für Martin Schmitz, Landkreis-Wirtschaftsförderer, hat die Spielwarenbranche jedoch trotz des leichten Rückgangs bei der Ausstellerzahl einen hohen Stellenwert: "Die traditionsreichen Spielwarenunternehmen aus dem Coburger Land bleiben ein Aushängeschild unserer starken Industrieregion." Die Unternehmer seien immer wieder aufs Neue in der Lage, Kunden aus aller Welt mit Innovationen und Qualitätsprodukten zu gewinnen. Was es von den heimischen Unternehmen auf der Spielwarenmesse zu sehen gebe, begeistert Schmitz "jedes Jahr aufs Neue".

Stefanie Stanzel hingegen macht sich nicht so viel aus den Neuheiten, ihr Lieblingsspiele sind die altbewährten Brettspiele. Auch Ernst Schleier hat einen klaren Favoriten: "Ganz früher waren es die Eisenbahnen, dann der Modellbau." Zu seinem Hobby kommt er zwar nur selten, jedoch hat er es im Laden ja immer vor sich. Auch die anderen Mitarbeiter können ab und an nicht widerstehen und lassen ihr inneres Kind raus: "Der Vorteil, wenn man hier arbeitet, ist, dass man ein Spiel dem Kunden besser erklären kann, wenn man es selbst ausprobiert hat", sagt Stanzel und l acht. Wer im Spielwarenladen nicht selbst etwas mit Spielen anfangen kann, so Schleier, der sei hier eben falsch.

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