Tambach
Konzert

Spider Murphy Gang in Tambach: Willkommen zum Tanz ins Glück!

Seit über 40 Jahren machen Günther Sigl und seine Mitstreiter bayerischen Rock'n'Roll: Die Spider Murphy Gang lieferte in Tambach wie gewohnt eine sensationelle Show ab. Munter hüpften sie über die Bühne - und ihre Fans über den Schlosshof.
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Günther Sigl von der Spider Murphy Gang beim HUK-Coburg-Open-Air-Sommer im Tambacher SchlosshofFoto: Marieke Fiala
Günther Sigl von der Spider Murphy Gang beim HUK-Coburg-Open-Air-Sommer im Tambacher SchlosshofFoto: Marieke Fiala
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Müsste Günther Sigl das Konzert der Spider Murphy Gang im Tambacher Schlosshof am Sonntagabend beschreiben, würde er wohl sagen: "Brutal, geil, gigantisch, formidable!" Der Frontmann bringt es auf den Punkt. Kein Wunder, dass die Band jetzt jedes Jahr wieder kommen will. Ob das klappt? Die Hoffnungen stehen gut, kündigt er doch an, dass sie noch zehn, zwanzig oder sogar dreißig Jahre auftreten wollen. Ihre "Rock'n'Roll Schuah" ziehen sie also noch lange nicht aus.

Trotz vielversprechender Zukunftsmusik blickt Günther Sigl sehnsuchtsvoll zurück. Hach ja, damals, Auftritte in großen Stadien, ausgestrahlt im Fernsehen, schwarz-weiß, versteht sich. "Schee war's". Die guten alten Zeiten seien schon lang vorbei, sagt er. Alle Melancholie kommt natürlich nicht ohne eine Prise Humor. "Mia müss'n spätestens um elfe wieder im Heim sein", witzelt er. Allgemein ist sich der Sänger für keinen Altersscherz zu schade. Doch vom Alter der Bandkollegen merkt das Publikum gar nichts.

"Let's twist again!"

Spätestens als Günther Sigl den Twist vormacht, ist klar: Diese Männer haben es immer noch drauf. Das Publikum auch? "Ich habe eine Vision", sagt er, "der ganze Schlosshof soll den Twist tanzen!" Wer, wie die Band, aber schon zum älteren Semester gehöre und sich aufgrund von Hüft- und Rückenproblemen zurückhalten müsse, dem rät der Sänger wenigstens zum "Arschiwackli". Das gehe immer. Und tatsächlich: Alle machen mit. Die Spider Murphy Gang verwandelt den Schlosshof mit ihren treibenden Rock'n'Roll-Rhythmen und Günther Sigls angenehm tiefem Gesang in eine riesige Tanzfläche. Das passt perfekt: "Herzlich Willkommen zum Tanz ins Glück" singen sie ja auch im Song "Wo bist du?".

Erstklassige Solo-Einlagen

Eine richtige Pause legt die Band übrigens nicht ein. Zumindest nicht alle gleichzeitig. Stattdessen gibt es beeindruckende Soli: Erst vom "Chuck Berry von Schwabing", Barny Murphy, Gitarrist und Gründungsmitglied, und etwas später vom Schlagzeuger Andreas Keller. Mehrere Minuten lang rocken sie ganz allein die Bühne, während die anderen Musiker still und heimlich verschwinden. Aber keine Angst: Sie kommen natürlich wieder. Und nicht etwa "Mit'm Frosch im Hois und Schwammerl in de Knia", sondern mit ganz viel Energie.

"Lasst alles raus!", ruft Günther Sigl den gut 2500 Fans zu. Sei es nun ein "Auuuuhhh", "Arrrrrr" oder ein herzhaftes "Ajajajaj". Das Publikum darf - und soll - abrocken und mit "bronchialer Gewalt" mitsingen. Beim "Skandal im Sperrbezirk" spielt der ein oder andere Zuschauer sogar auf der Luftgitarre mit. Zwischendurch wird es aber auch etwas ruhiger.

Liebeserklärung an München

Bei der Liebeserklärung an ihre Heimatstadt München wechselt Ludwig Seuß vom Keyboard zur "Quetschn" (für Nicht-Bayern: zum Akkordeon). Bei solch heimischen Klängen wird es allen ganz warm ums Herz. Gut möglich, dass der ein oder andere da sein Herz verliert. Günther Sigl weiß: "In einer lauen Sommernacht kann alles passieren".

HINTERGRUND

Gegründet wurde die Spider Murphy Gang 1977 vom gelernten Bankkaufmann Günther Sigl (Gesang, Bass) zusammen mit Barny Murphy (Gitarre), Franz Trojan und Michael Busse. Letztere verließen die Band im Laufe der Jahre. Mit dem Hit "Skandal im Sperrbezirk" gelang ihnen 1981 der Durchbruch. Ab 1990 etablierten sich Ludwig Seuß (Keyboards) und Willie Duncan (Gitarre) als feste Bandmitglieder, 1995 kommt Otto Staniloi (Blasinstrumente) hinzu. Jüngstes Mitglied ist seit 2016 Andreas Keller (Schlagzeug). Es folgten zahlreiche Alben, Konzerttouren, Filme und Jubiläen. Am 14. Oktober 2017 fand die Uraufführung des Rock'n'Roll-Musicals "A Spider Murphy Story" am Landestheater Coburg statt und wurde bis heute über 60 Mal gespielt - als Gastaufführung auch in München und Fürth.

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