Coburg
Direktmandat

SPD Coburg-Kronach: Dank, Lob und Galgenhumor

Die ersten bundesweiten Hochrechnungen bieten am Sonntagabend keinen Anlass zur Freude im Coburger Willy-Brandt-Haus. Schöner sind da schon die ersten Ergebnisse, die aus den Coburger Wahllokalen gemeldet werden
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Auch SPD-Politiker beherrschen die Kanzlerinnen-Raute: Als das Ergebnis klar ist, dankt Norbert Tessmer (stehend, Mitte) seinen SPD-Genossen für die Unterstützung.
Auch SPD-Politiker beherrschen die Kanzlerinnen-Raute: Als das Ergebnis klar ist, dankt Norbert Tessmer (stehend, Mitte) seinen SPD-Genossen für die Unterstützung.
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SPD-Kandidat Norbert Tessmer liegt zunächst deutlich vorne. Doch diejenigen, die nebenbei per Handy im Internet die laufenden Zählungen in den Gemeinden im gesamten Wahlkreis Coburg-Kronach verfolgen, machen schon skeptische Gesichter: In den Landkreisen Coburg und Kronach führt Michelbach uneinholbar, obwohl Norbert Tessmer auch da respektable Ergebnisse erzielt.

Gegen 20 Uhr ist dann klar, dass das Wunder von Coburg ausbleiben würde. Zwar hat Tessmer deutlich mehr Stimmen geholt als Carl-Christian Dressel 2009 (25,3 Prozent), aber in den Bundestag wäre er nur gekommen, wenn er das Direktmandat gewonnen hätte. Tessmer hatte keinen Platz auf der SPD-Landesliste, weil er erst im Frühjahr nominiert worden war. Carl-Christian Dressel, der zunächst wieder antreten wollte, hatte die Kandidatur nach Querelen um die Finanzierung seines Wahlkampfes aufgegeben.

Mit Tessmer hatte die Partei wieder Selbstvertrauen und Schwung gefasst. Aber sie hatte auch Zeit verloren. "Wir sind nicht gerade aus der Pole-Position gestartet", sagt Tessmer, als er gegen 20 Uhr endlich im SPD-Haus am Sonntagsanger eintrifft. Dort dankt er nicht nur den Genossen für die Unterstützung im Wahlkampf, sondern bekundet auch seinen Respekt für Hans Michelbach. Man habe sich einen fairen Wahlkampf geliefert - klar, dass Tessmer später noch ins Kongresshaus gehen wird, um dem Wahlsieger zu gratulieren. Doch Tessmer denkt auch schon an die Kommunalwahl 2014: "Wir müssen nach vorne schauen!" Immerhin habe der gerade geführte Wahlkampf auch die Schwachstellen in der eigenen Organisation offenbart. "Und jetzt brauch ich was zu trinken!"


"Heinz, zieh um!"
So schnell geht es dann aber doch nicht. Stefan Leistner, der Vorsitzende des SPD-Stadtverbands, überreicht einen Blumenstrauß mit Blüten aus Tessmer-Flyern und würdigt den Einsatz des Kandidaten: "Du bist ein großes Vorbild für alle von uns!" "Der Wahlkampf hat uns noch mehr zusammengeschweißt", betont Thomas Nowak, der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion. "Es ist ein Ruck durch den gesamten Unterbezirk gegangen. Das müssen wir weiter ausbauen!" Und weil Norbert Tessmer auf die Werner-Comics steht, gibt's noch ein gerahmtes Werner-Plakat der SPD für den Kandidaten.

"Es hätte auch schlimmer kommen können", sagt Tessmer hinterher. "Zufrieden darf man sein." Nicht nur er geht davon aus, dass er die eine oder andere Stimme in Coburg nicht bekommen hat, weil die Wähler ihn als Zweiten Bürgermeister und Sozialreferent behalten wollen. Immerhin sind seine Ergebnisse besser als die auf Bayern- und Bundesebene. Zumindest im Raum Coburg. "Die Regionen sind, wie sie sind", seufzt der Kronacher Landrat Oswald Marr. Von den Kommunalwahlen abgesehen, sei Kronach "schwarz". Tessmer habe sich im Frankenwald nicht so bekannt machen können, weshalb dort sein Erst- unter dem Zweitstimmenergebnis geblieben sei.

Derweil flüchten sich die Coburger Genossen in Galgenhumor. "50 Prozent für Hans Michelbach in Mitwitz! Am besten, du ziehst um", sagt einer zu Heinz Köhler, von 1998 bis 2002 SPD-Abgeordneter im Bundestag und in Mitwitz daheim.

Alle Ergebnisse der fränkischen Stimmkreise für die Bundes- und Landtagswahlen finden Sie unter wahlen.infranken.de. Auch Detailinformationen zu den Kandidaten finden Sie auf dieser Seite.

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