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Sonnefeld
Corona-Krise

Sonnefelder Schüler haben digital einen Vorsprung

Die Grund- und Mittelschule Sonnefeld hat sich mit der Umstellung auf digitalen Unterricht leichtgetan, weil sie an einem Schulversuch teilnimmt.
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Das saßen die Schüler noch zusammen - vor dem 16. März: die "iPad-Klasse" 7M der Grund- und Mittelschule Sonnefeld mit ihrem Klassenleiter Stefan Korth.  Foto: Alexandra Kemnitzer (Archiv)
Das saßen die Schüler noch zusammen - vor dem 16. März: die "iPad-Klasse" 7M der Grund- und Mittelschule Sonnefeld mit ihrem Klassenleiter Stefan Korth. Foto: Alexandra Kemnitzer (Archiv)
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Als ab 16. März der Unterricht nur noch außerhalb der Schulen begann, standen viele Schulen vor der enormen Herausforderung, den Kinder und Jugendlichen Lehrmaterial fast über Nacht digital zur Verfügung zu stellen. Ein wenig entspannter ging es da in der Grund- und Mittelschule (GMS) Sonnefeld zu. "Ab sofort verlagern wir den Unterrichtsbetrieb so weit wie möglich auf Edupage und das Internet", informierte Schulleiter Michael Lege das Kollegium, nachdem klar war, dass aufgrund der Corona-Pandemie auch die Schulen schließen müssen.

Was die Grund- und Mittelschule Sonnefeld vielleicht anderen bayerischen Schulen voraus hat: Sie gehört zu den 20 Schulen, die für den Schulversuch "Digitale Schule 2020" ausgewählt worden waren. In den vergangenen Jahren hat es sich das Team der GMS Sonnefeld zur Aufgabe gemacht, neue digitale Konzepte in den Schulalltag einzubinden. Für die gesamte Schulfamilie bedeutete dies, sich stets von Neuem auf die technischen Fortschritte einzulassen, ohne das Ziel gleich vor Augen zu haben.

Das konnte niemand ahnen

Dass die neuen Konzepte durch die Folgeerscheinungen der Virusverbreitung in den letzten Wochen eine noch wichtigere Bedeutung erlangen würden, das konnte damals niemand erahnen. Seit Beginn der Schulschließung am 16. März war es mit Hilfe aller digitalen Konzepte möglich, den Schülern sämtliche schulische Inhalte auf digitalem Weg zukommen zu lassen. Dabei wurde insbesondere auf die Schulplattform Edupage zurückgegriffen. Die Konzepte haben sich aus dem Projekt "Digitale Schule" und schulinternen Ideen entwickelt. Für die Nutzung sind keine speziellen Endgeräte nötig, so dass der Zugang recht einfach ist.

Auch wenn es anfangs noch Probleme mit der Handhabung gab, erhöhten sich die Nutzerzahlen von Schülern und Eltern schnell auf weit mehr als 90 Prozent. Über Edupage können sie auch zeitnah und aktuell eine Vielzahl von Informationen des Kultusministeriums, der Regierung oder der Schulämter in der Corona-Zeit empfangen.

Einige E-Mail-Adressen fehlten

Für Schulleiter Lege war es eine Selbstverständlichkeit, den Kontakt im Lehrerkollegium in den ersten Tagen in Form einer digitalen Konferenz sicherzustellen. Darüber hinaus wurden auch erste Erfahrungen ausgetauscht, um weitere Maßnahmen planen zu können. Ein Problem: Nicht von allen Eltern oder Schülern waren E-Mail-Adressen hinterlegt, was zusätzlichen Aufwand bedeutete, während der Umgang mit digitalen Medien für ältere Schüler problemloser ist. Durch ständige Weiterbildungen in Form von Webinaren oder "E-Learning Plattformen" entwickelten sich stets neue Wege zur Bereitstellung neuer Arbeitsmaterialien und zur Möglichkeit direkter Rückmeldungen.

Das Vorbereiten von Präsentationen in Edupage oder das "virtuelle Klassenzimmer" sind zwischenzeitlich zur Selbstverständlichkeit geworden. Schüler und Lehrer treffen sich über die Videokonferenzsoftware zu einem festgelegten Zeitpunkt und besprechen Aufgaben oder Lerninhalte. Schon vorher wurde diese Software in Teilen der Schulfamilie erprobt. Den Schülern werden über die digitale Konferenz "meet" neue Lerninhalte für nahezu alle Fächer vermittelt, aber auch Fragen geklärt, die während der Bearbeitung daheim aufgetreten sind.

Die Vorbereitung zum Qualifizierenden Abschluss an Mittelschulen stellt Schüler wie auch Lehrer vor eine besondere Herausforderung. Deshalb treffen sich die Prüflinge täglich zwei Stunden in Video-Sitzungen, um im virtuellen Klassenzimmer prüfungsrelevante Inhalte zu erarbeiten. Anschließend erhalten sie Übungsmaterial, das am nächsten Tag besprochen wird. Prüfungsrelevante Themen können dadurch zusammen aufbereitet und vertieft werden.

Belastung für die Lehrer ist höher

Für die in diesem Schuljahr neu formierte "iPad-Klasse" bieten diese Wochen natürlich ein Umfeld, in dem die Schüler die gelernten digitalen Mechanismen jetzt in umfangreichem Maße nutzen und umsetzen können. Erfreulich ist, dass die Schüler sehr selbstständig arbeiten, Videokonferenzen äußerst pflichtbewusst wahrnehmen und sich untereinander stetig austauschen. Besonderer Vorteil der "iPad-Klasse" ist, dass alle über das gleiche Arbeitsmittel verfügen. Gerade jetzt zeige sich, wie gewinnbringend die Digitalisierung ist, wenngleich sich die Belastung der Lehrkräfte in einer solchen Ausnahmesituation deutlich erhöhe, heißt es von der Schulleitung. Obwohl der Grund für das bessere Training digitaler Kompetenzen unerfreulich sei, biete die derzeitige Situation die Möglichkeit, die erworbenen Kenntnisse künftig in neue Unterrichtskonzepte und in die Berufsausbildung einfließen zu lassen, was ein großer Mehrwert sei. Michael Lege hofft, dass die Epidemie schnell abflaut.

Er und das Kollegium planen aber schon jetzt, die positiven Erkenntnisse zu digitalen Werkzeugen auf neue Felder der Schule übertragen zu können. Sehr wichtig sei der direkte Kontakt zu den Schülern.