Coburg
Landestheater

Sommerfestspiele: Loges legt los in Coburg

Der designierte Intendant des Landestheaters, Bernhard F. Loges, stellte gestern seinen ersten Spielplan für Coburg vor.
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Bernhard F. Loges  vor seiner ersten Spielzeit in Coburg. Andrea Kremper
Bernhard F. Loges vor seiner ersten Spielzeit in Coburg. Andrea Kremper
Wagemut und Vorsicht zugleich - so lässt sich der erste Spielplan des neuen Coburger Intendanten auf den ersten Blick definieren. Mit Mozarts "Zauberflöte" als Auftaktpremiere, Bizets "Carmen" oder auch Künnekes "Der Vetter aus Dingsda" setzt Bernhard F. Loges auf Nummer sicher in der Spielzeit 2018/2019. Im Musical gibt es gleich zweimal Stephen Sondheim. Sehr wohl bietet Loges aber auch einige moderne Herausforderungen, moderate wohlbemerkt, Hindemiths Lustige Oper "Neues vom Tage" etwa.
So wie ihm überhaupt das Musiktheater des 20. Jahrhunderts am Herzen liegt. Sollte jetzt jemand sagen "Och nö, ist doch alles so schräg", wehrt Loges entschieden ab. "Das 20. Jahrhundert hat musikalisch eine sehr große Bandbreite und ist auch sehr sinnlich." Hindemith sei satirisch amüsant. Mit der italienischen Oper werde es übernächstes Jahr aber auch weitergehen.


Open Air im Hof der Ehrenburg

Und dann aber, der große Versuch: Sommerfestspiele im Innenhof der Ehrenburg, und zwar nicht als irgendein Anhängsel irgendwo, sondern noch richtig in der Spielzeit, ab Mitte Mai. Wir gehen stilvoll nach draußen, anlässlich des 200. Geburtstages von Queen Victoria und Prinz Albert, aber nicht nur deswegen, und freuen uns auf "Robin Hood", "Shakespeare in Love", einen Ballettkrimi, "Rebecca" nach Daphne du Maurier, und eine Serie von Serenadenkonzerten .
Der alte und bleibende Schauspieldirektor Matthias Straub erfüllt sich und uns mit den geplanten Sommerfestspielen einen langgehegten Wunsch: "Cyrano vor Jahren auf der Veste war schön, aber logistisch sehr schwierig. Der Innenhof der Ehrenburg ist wettergeschützt und akustisch hervorragend geeignet", freut sich Straub auf den Sommer 2019.
In dem man nun doch noch nicht umziehen muss für die geplante Generalsanierung des Großen Hauses. Nach der Entscheidung des Stadtrates für den Neubau eines sogenannten "Globes" auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes hat man jetzt am Landestheater überhaupt keine konkrete zeitliche Perspektive mehr. "Wir sagen dazu gar nichts mehr. Jetzt geht es erst Mal um die Verlängerung der Betriebsgenehmigung", fasst Verwaltungsdirektor Fritz Frömming ein bisschen unwillig zusammen."Manchmal wird vergessen, dass nach dem Wasserschaden 2013 von einem Moment auf den anderen hier Schluss sein kann, wenn etwas Elementares ausfällt. Wir fliegen das Ding hier auf Sicht."
Nützt aber nichts, solange die Planungen für einen Kultur-Rundbau als Interim nicht konkreter sind, wird das Führungsteam auch in den nächsten Jahren stets mehrere Spielplan-Varianten für alle Fälle zumindest im Kopf haben müssen.
Weshalb Bernhard F. Loges auch sehr dankbar dafür ist, dass Matthias Straub, Generalmusikdirektor Roland Kluttig und Ballettchef Mark McClain nach dem Wechsel von Bodo Busse nach Saarbrücken hier geblieben sind und weiterhin bleiben wollen.
Auch im Hinblick auf die Generalsanierung ist die Etablierung von Sommerfestspielen in der Ehrenburg gerade jetzt eine gute Idee, ein fester Block mit Präsenzgarantie in der Innenstadt, komme da, was wolle. Mit Regen rechnen, nein, das allerdings können die Theaterleute nicht auch noch. "Ach", winkt Straub ab, "die Coburger sind hartnäckig, die bleiben sitzen."


Kammermusik im Rathaus

Außerdem: Loges eröffnet mit Roland Kluttig eine fünfteilige kammermusikalische Konzertreihe im Rathaussaal, in Zusammenarbeit mit dem in den letzten zwei Jahren bereits aktiven Verein Klanggrenzen.
Geburtstag Prinz Albert - da will man wenigstens ein bisschen british werden mit Benjamin Brittens Oper "Peter Grimes". Mit einem Ballettabend sogar "Very British" in Stücken von Mark McClain und Gastchoreograf Martin Chaix zur Musik englischer Komponisten. Und nicht zuletzt mit dem verliebten Shakespeare im Ehrenburghof: "Das wird ein ganz toller Kostümschinken, kitschig ohne Ende." - Straub muss es ja wissen, er inszeniert selbst
Im Schauspiel wird das "Forum für junge Autoren" wieder aktiviert. Tschechows "Drei Schwestern" behaupten den Klassiker-Platz. Generell will Bernhard Loges zwar weiterhin die Unterhaltung nicht vernachlässigen, aber da gebe es ja auch "Stücke mit Biss". Sozial und gesellschaftlich relevanten, existenziell bewegenden Stücken sieht er sich aber grundsätzlich verpflichtet.
So wird der viel beachtete Autor Stephan Kaluza für Coburg seine beiden Theaterstücke "30 Keller" und "3D" für einen kapitalismus- und machtkritischen Abend zusammen führen und selbst inszenieren. Nach "High Society" in dieser Spielzeit soll Matthias Straub mit der Bühnenbearbeitung von Horace Mc Coys Krimi "Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss" ein Melodram der Vergessenen der Gesellschaft konzipieren, eine Tanzmarathon-Geschichte in Zusammenarbeit mit dem Chor "Unerhört".
Loges kündigte an, das Junge Theater sogar noch auszubauen. Für diese seine erste Spielzeit sei es ihm gelungen, sowohl (international) renommierte als auch vielversprechende junge Regisseure zu verpflichten. Während im Schauspielensemble der größere Wechsel bereits in dieser Spielzeit in Abstimmung mit Loges vonstatten ging und im Ballett weitgehend alles beim Bisherigen bleibt, wird das Musikensemble weitgehend erneuert. Das Tageblatt wird die Neuzugänge zum Start der Saison vorstellen.

Erweiterungen im Abo-System

Im Abonnement-System des Landestheaters wird es ab der neuen Spielzeit kleinere Erweiterungen geben. Die 50-prozentige Ermäßigung für Schüler und Studenten wird dann auch auf die Abos gewährt. Neu sind ein Tanz-Abo, das Rathaus-Abo, und vier der sieben Sinfoniekonzerte werden wiederholt, wofür es ein zusätzliches Abo gibt. Verwaltungsdirektor Fritz Frömming wies zudem darauf hin, dass es zur nächsten Spielzeit keine Preiserhöhung geben wird und dass Brose und die VR-Bank dem Theater als Hauptsponsoren treu bleiben.


Der Coburger Spielplan 2018/2019

GROSSES HAUS
- Wolfgang Amadeus Mozart:"Die Zauberflöte" (Premiere am 29. September)
- Horace McCoy: "Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss", Schauspiel mit dem Chor "Unerhört" (20. Oktober)
- Yipp, König und McClain: "Drei Farben", Ballettabend (10. Nov.)
- Uli Jäckle: "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" (24. November)
- Stephen Sondheim: Musical " Into the Woods" (8. Dezember)
-Stephan Kaluza: "Masse Mensch Macht" (2. Januar)
- Benjamin Britten: "Peter Grimes" (26. Januar)
- McClain und Chaix: Ballettabend "Very British" (9. Februar)
- Anton Tschechow: "Drei Schwestern" (2. März)
-Paul Hindemith: "Neues vom Tage", Lustige Oper (30. März)
- Eduard Künneke: "Der Vetter aus Dingsda" (5. Mai)
- Bizet: "Carmen" (2. Juni)
- Shakespeares "Macbeth" und "Spider Murphy Story" als Wiederaufnahmen

REITHALLE
- Stephen Sondheim: Musical "Marry Me a Little" (30. Sept.)
- Sarah Kane: "4.48 Psychose" (30. November)
- Ballett Coburg: First Steps (14. Dezember)
- 3. Coburger Forum für junge Autoren (18. Januar): Uraufführung
- Anno Schreier: "Wunderland". Songzyklus für drei Sänger und vier Instrumente (1. März)
- Martin Baltscheit: Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor (20. April)

KONZERTE
- Sieben Sinfoniekonzerte unter anderem zu Felix Mendelssohn, Wagner und Ralph Vaughan Williams
- Neujahrskonzert im Kongresshaus (6. Januar)
- Klassik Open Air im Rosengarten (22. Juni)
- Kammermusik im Rathaus (fünf Konzerte)

SOMMERFESTSPIELE
EHRENBURG

- "Robin Hood", Familienstück (18. Mai )
- Lee Hall: "Shakespeare in Love" ( 8. Juni )
- Daphne du Maurier/Alfred Hitchcock: "Rebecca", Ballettabend (15. Juni)
- Serenadenkonzert des Philharmonisches Orchesters (30. Juni)

Bernhard F. Loges wurde 1980 in der Nähe von Aachen geboren. Er studierte Theaterwissenschaft, Alte Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft in Bochum. Praktische Theaterarbeit von Kindheit an. Ab 2009 Musikdramaturg an der Deutschen Oper in Düsseldorf. Promotion "Heiliger Wahnsinn auf der Bühne" über die Bedeutung hysterischer Frauen auf der Opernbühne. In Düsseldorf war er mitverantwortlich für das Opernstudio und die Junge Oper am Rhein. Seit 2007 Lehraufträge an verschiedenen Universitäten. Nach dem Wechsel von Intendant Bodo Busse an das Staatstheater Saarbrücken und einer Zwischenspielzeit übernimmt Bernhard F. Loges im September die Leitung des Coburger Landestheaters.
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