LKR Coburg
Interview

So was hat es in Neustadt und Sonneberg noch nie gegeben

Die beiden Nachbarstädte Neustadt und Sonneberg sind am Sonntag, 7. Juli, gemeinsame Gastgeber beim "Tag der Franken".
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Zum Glück ist nicht alles so störrisch wie die Fahne zum Tag der Franken: Dr. Heiko Voigt (links) und Frank Rebhan blicken auf den Sonneberger Bahnhofsplatz, wo am Sonntag, 7. Juli, eine Festmeile startet. Foto: Berthold Köhler
Zum Glück ist nicht alles so störrisch wie die Fahne zum Tag der Franken: Dr. Heiko Voigt (links) und Frank Rebhan blicken auf den Sonneberger Bahnhofsplatz, wo am Sonntag, 7. Juli, eine Festmeile startet. Foto: Berthold Köhler

Beim Blick vom Sonneberger Rathausbalkon herab macht sich Erheiterung bei Frank Rebhan und Dr. Heiko Voigt breit. Diese verflixte Franken-Fahne auf dem Bahnhofsplatz will schon seit Tagen nicht richtig im Wind flattern. "Und wenn sie mal flattert, verheddert sie sich gleich wieder", erzählt Voigt, der Sonneberger Bürgermeister. Nur gut, dass das Verhältnis zwischen den beiden Stadtoberhäuptern keine so großen Probleme bereitet wie die Franken-Fahne. Schließlich steht Neustadt und Sonneberg die vielleicht größte Veranstaltung ihrer Geschichte bevor: der "Tag der Franken" am Sonntag, 7. Juli.

Rechtzeitig zum Beginn der "heißen Phase" in der Vorbereitung auf die länderübergreifende Großveranstaltung haben sich Voigt und Rebhan noch einmal Zeit genommen, um im Doppel-Interview über den "Tag der Franken" und die Partnerschaft über Ländergrenzen hinweg zu sprechen.

Wird der "Tag der Franken" die größte Veranstaltung, die die Sonneberger und Neustadter Bürger je gesehen haben?

Heiko Voigt: Wir hatten schon einmal den Thüringentag, aber von der Zahl der Veranstaltungen her ist der "Tag der Franken" das definitiv größte Fest, das wir je hatten. Alleine schon deshalb, weil wir bisher noch nie gemeinsam mit einer anderen Kommune so was Großes gefeiert haben.

Frank Rebhan: Ja! Der "Tag der Franken" ist für uns alle eine in jeder Hinsicht einmalige Angelegenheit.

Wie ist Ihre Einschätzung? Wie viele Besucher werden kommen - und wo werden diese herkommen?

Frank Rebhan: Die Zahl der Besucher hängt in erster Linie vom Wetter ab. Aber klar ist, dass wir ein großes Fest für die Menschen in der Region feiern. Aber ich gehe nicht davon aus, dass die Menschenmassen aus ganz Franken nach Neustadt und Sonneberg pilgern werden.

Heiko Voigt: Wir machen eine Veranstaltung für unsere Menschen. Deshalb haben wir auch keine Rockband eingeladen, zu der 100 000 Besucher kommen, die Stadt verwüsten und danach wieder nach Hause fahren (lacht). Neustadter und Sonneberger sollen gemeinsam feiern.

Wie hoch ist denn der Grad der Gemeinsamkeiten zwischen Sonneberg und Neustadt im täglichen Leben?

Frank Rebhan: Es ist viel mehr zusammengewachsen, als man glauben möchte. Heiko Voigt und ich haben erst vergangene Woche zu unserer eigenen Verblüffung erfahren, dass es einen gemeinsamen Bezirksverband der Fotografen in Oberfranken und Sonneberg seit 1990 gibt.

Heiko Voigt: Die täglichen Selbstverständlichkeiten werden oft gar nicht mehr registriert. Die zwei Städte und ihre Menschen sind sich im Alltag definitiv näher, als man denkt.

Frank Rebhan: Sich nahe zu sein heißt, sich persönlich zu kennen. Wir haben die Hoffnung, dass sich die Entwicklung dahin durch unser großes gemeinsames Fest fortsetzt.

Wie läuft die angestrebte engere Zusammenarbeit auf Ebene der Stadtverwaltungen?

Frank Rebhan: Wir lassen gerade ein Gutachten erstellen, das die Chancen und Möglichkeiten der Kooperation aufzeigen soll. Gerade, was gemeinsame Infrastruktureinrichtung betrifft, erwarte ich mir viel davon.

Heiko Voigt: Leider steht die unterschiedliche Landesgesetzgebung vielen Synergien im Weg. Wenn ich an den Katastrophenschutz oder die Bauhöfe denke, könnte ich mir viel vorstellen. Unser Vorteil ist: Beide Städte sind fast gleich groß und haben die gleichen Probleme. So sind wir auf Augenhöhe und können voneinander lernen.

Dann wäre doch vieles leichter, wenn die beiden Städte Neustadt und Sonneberg in einem Bundesland wären. Ist das ein wirklich realistisches Szenario?

Heiko Voigt: Gegenfrage: Was würden Nürnberg und Fürth, die ja städtebaulich längst eine Einheit bilden, sagen, wenn sie durch eine Landesgrenze getrennt würden...

Frank Rebhan: (lacht) Wenn ich an Fußball denke, würden die Nürnberger auf jeden Fall noch zusätzlich eine Mauer beantragen.

Heiko Voigt: Okay, schlechtes Beispiel (lacht). Auf alle Fälle sind wir ein Wirtschafts- und Lebensraum, aber mit zwei unterschiedlichen Systemen. Um beim Fußball zu bleiben: Wir spielen gemeinsam auf einem Platz, haben aber unterschiedliches Regelwerk. Mehr muss ich dazu nicht sagen.

Wie sieht denn die Landesregierung in Erfurt das Selbstverständnis der Sonneberger als Franken?

Heiko Voigt: Ministerpräsident Bodo Ramelow hat mir gesagt, dass er unser Bekenntnis zur fränkischen Geschichte gut findet und die Zusammenarbeit mit Neustadt unterstützt. Deshalb ist es durchaus ein realistisches Ziel, dass wir als länderübergreifender Kooperationsraum anerkannt werden. Darüber können wir uns Gedanken machen, nicht über die Strukturen der Bundesländer. Das muss der Bund regeln, nicht wir.

Wie wäre es denn mit einem eigenen Bundesland für die Franken, zumal auch die Neustadter doch nicht immer glücklich mit der Landesregierung in München sind?

Frank Rebhan: Ich war mal unglücklich, aber seit geraumer Zeit bin ich es nicht mehr. Ich sehe uns nicht in der Reihe der Separatisten. Und sind wir doch mal ehrlich: Bis in Berlin wirklich ernsthaft über die Strukturen der Bundesländer nachgedacht wird, fließt noch sehr, sehr viel Wasser die Röden runter.

Heiko Voigt: Genau! Wir stehen für pragmatische Lösungen, die sich bestmöglich für beide Städte auswirken sollen.

Wie werden Sie persönlich den "Tag der Franken" verbringen?

Frank Rebhan: Wenn wir wüssten, wann unsere Ehrengäste kommen und wie lange sie bleiben, könnte ich das sagen. Aber da sich das alles erst in der letzten Woche vor dem Fest entscheiden wird, wissen wir beide jetzt noch überhaupt nicht, wie unser individuelles Programm aussehen wird. Wobei schon klar ist: Zeit, um zwanglos zu feiern, wird uns sicher nicht viel bleiben.

Heiko Voigt: Wir müssen an diesem Tag einiges unter einen Hut bringen. Es hat sich sogar der amerikanische Generalkonsul angekündigt, was für unsere beiden Städte eine besondere Ehre ist. Vom Status her ist das wie der Besuch eines Ministerpräsidenten. Das zeigt, wie groß die Bedeutung unseres Festes ist. Da darf man sich schon darauf freuen.

Das Gespräch führte

Berthold Köhler

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