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Coburg
Sturmtief

So war in Coburg die Nacht mit Sabine

Toilette umgestürzt, Trampolin davon geflogen, Prüfungen abgesagt: Die Stadt und der Landkreis Coburg kamen trotz der dramatisch klingenden Unwetterwarnungen insgesamt recht glimpflich davon.
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Zerfetzt: eine Plakatwand in der Hindenburgstraße in Coburg.Foto: Oliver Schmidt
Zerfetzt: eine Plakatwand in der Hindenburgstraße in Coburg.Foto: Oliver Schmidt
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Wenn es ein umgekipptes Dixi-Klo in den Polizeibericht schafft, bedeutet das vor allem eines: Das Coburger Land ist rund um das Sturmtief "Sabine" von größeren Katastrophen verschont geblieben. In der Nacht zum Montag hatten Polizei und Feuerwehr zwar einiges zu tun, von einem Dauereinsatz kann aber nicht die Rede sein. Entsprechend glimpflich fiel die vorläufige Bilanz aus, die am Montagmittag gezogen wurde: "Die Sachschäden hielten sich in Grenzen und verletzt wurde glücklicherweise niemand."

In der Stadt und im Landkreis kam es nach Polizeiangaben lediglich zu kleineren Verkehrsbehinderungen. Im Vorderen Floßanger in Coburg kippte beispielsweise eine mobile Toilette um und blockierte die Straße. Im Bereich der Angerturnhalle (Bamberger Straße) fiel ein Bauzaun um. Im Landkreis wurden an drei Stellen jeweils Straßen durch umgestürzte Bäume blockiert: in der Wildbahn bei Weidach, bei Rossach sowie zwischen Haarth und Meschenbach. Durch den kräftigen Wind wurde zudem in Untersiemau ein Trampolin auf die Straße geweht. In Coburg sorgte das Unwetter außerdem für die Auslösung von zwei Einbruchalarmen, die sich schnell als Fehlalarme herausstellten. Abschließend spricht die Polizei den Behörden und auch der Bevölkerung ein Lob aus: "Aufgrund der guten Vorabinformationen der Behörden und des Wetterdienstes konnten sich die Bürger auf die Wettersituation einstellen. Es kam nur vereinzelt zu Beeinträchtigungen."

Auch ohne große Katastrophenszenarien hatte das Team der Integrierten Leitstelle in Ebersdorf (ILS) - dort laufen alle nichtpolizeilichen Notrufe aus den Landkreisen Coburg, Kronach und Lichtenfels ein - eine stressige Nacht. Michael Jeschor, stellvertretender Leiter der ILS hat fürs Tageblatt extra in der Statistik nachgeschaut und kommt auf 103 Notrufe in der Nacht auf Montag - 68 Unwettereinsätze und vier Feuerwehreinsätze waren die Folge.

Der Einsatzschwerpunkt konzentrierte sich auf Bäume über Verkehrswegen. "Hinzu kamen vereinzelt beschädigte Häuser durch Bäume, größere Äste sowie teilweise abgedeckte Häuser", berichtet Jeschor. In einigen Regionen gab es auch beschädigte Telefonleitungen und umgestürzte Baugerüste oder Absperrungen gemeldet. Den erfreulichsten Satz des stellvertretenden ILS-Leiters gibt es zum Schluss: "Verletzte Personen durch das Unwetter sind nicht zu verzeichnen."

"Fällt heute aus" hieß es am Montagmorgen auf der Anzeigetafel im Coburger Bahnhof, nachdem am Vorabend der Zugverkehr auf den Fernstrecken bis 10 Uhr generell abgesagt worden war. "Bitte rechnen Sie aber weiterhin mit Verspätungen und kurzfristigen Teilausfällen" hieß es noch am Nachmittag bei der Reiseauskunft der Bahn.

Es war Sonntag gegen 17 Uhr, als Schulamtsdirektor Uwe Dörr informiert wurde, dass alle staatlichen Schulen in Oberfranken am Montag geschlossen bleiben. "Etwa eineinhalb Stunden später informierte das Ministerium dann, dass es für ganz Bayern gilt", bestätigte Uwe Dörr am Montag auf Anfrage. "Die Lehrer hatten zum Dienst zu erscheinen, so weit das zumutbar war", fügt er hinzu. Wer allerdings eine weite Anfahrt hatte, durfte auch als Lehrer zu Hause bleiben.

An den Schulen blieb der Personalbedarf sehr begrenzt. Wo einzelne Schüler trotz der Absage kamen, wurden sie über die Dauer der Unterrichtszeit betreut. Doch der Informationsfluss war gründlich, so weit es Uwe Dörr erfahren hatte: "Das ging natürlich sehr schnell herum, dass der Unterricht ausfällt", sagt er.

Bei den größeren Coburger Arbeitgebern wie der HUK oder der Stadtverwaltung scheint der Sturm am Tag danach keine dramatischen Auswirkungen zu haben. Es gebe mit Sicherheit Kollegen, die wegen der geschlossenen Schulen einen Gleittag eingelegt haben, sagt zum Beispiel Karin Benning von der HUK-Pressestelle. Mehr könne sie dazu nicht sagen, weil die Arbeitszeiten individuell erfasst werden und kein Mitarbeiter einen Grund nennen muss, warum er zuhause bleibt. Ähnlich ist das bei der Stadt. "Wer bei uns einen Tag zuhause bleibt, muss nicht angeben, warum", sagt Pressesprecher David Schmitt. Die Lage in den städtischen Ämtern sei diesen Montag wie immer.

Unmittelbare Auswirkungen hatte der angekündigte Orkan an der Hochschule Coburg. Wegen der Unwetterwarnungen beschloss die Hochschulleitung, die für Montag geplanten Prüfungen ausfallen zu lassen. Die kurzfristige Absage verbreitete die Hochschule auch über die sozialen Netzwerke.

Das Grünflächenamt gibt Entwarnung nach den Orkan-Böen in der Nacht zum Montag. In Coburg waren auf öffentlichem Grund keine geknickten Bäume zu beseitigen.

Erst Schmierereien, dann das Unwetter: Die erst seit wenigen Tagen an zahllosen Laternenmasten angebrachten Wahlplakate wurden in kurzer Zeit arg traktiert. Während viele FDP-Plakate in Coburg nach den turbulenten Ereignissen im Nachbarland Thüringen mit Schmierereien verunziert worden waren (Tageblatt vom 10. Februar), wurden in der Nacht zum Montag viele weitere Plakate von den orkanartigen Böen arg gebeutelt oder gar ramponiert.

Wenig Rückgrat zeigten vor allem die Plakate von CSB-Oberbürgermeisterkandidat Christian Müller, die gleich reihenweise arg in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Und dann wollen wir an dieser Stelle gerne noch von einer Leserzuschrift berichten. Denn ein Tageblatt-Leser staunte am Montagmorgen nicht schlecht, als er - dem Unwetter zum Trotz - seine Zeitung trotzdem pünktlich im Briefkasten fand. Das erfreute ihn so sehr, dass er uns anschließend folgende Zeilen schrieb: "Welch eine Überraschung: Wir hatten heute das Coburger Tageblatt im Briefkasten, trotz dieser extremen Wetterlage! Vielen Dank an die Austräger, überhaupt an die vielen Helfer, seien es Polizei, Feuerwehr, ehrenamtlich Tätige und andere, die bei diesem Sturmwetter ihren Dienst getan haben und noch tun müssen. Wir nehmen immer alles so selbstverständlich hin. Nochmal ein großes Dankeschön!" Dem ist nichts hinzuzufügen.

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