Coburg
Begegnung

So tanzt der Tod in Coburg durch die Jahrhunderte

Wie die Kunstsammlungen und der Hospizverein Coburg einen ungewöhnlichen Abend auf der Veste gestalteten.
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Matthäus Merian d.Ä.: "Der Tod und der Narr" (aus "Todten-Tantz").Foto: Kunstsammlungen Coburg
Matthäus Merian d.Ä.: "Der Tod und der Narr" (aus "Todten-Tantz").Foto: Kunstsammlungen Coburg
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Wie weit ist der Weg von der mahnenden Erinnerung an die eigene Vergänglichkeit bis zum blanken Halloween-Kommerz? Wie nahe liegen Todesfurcht und Lebenslust beieinander? Gedanken, die ein ungewöhnlicher Abend in der Großen Hofstube der Veste aufwarf.

Zusammenarbeit mit dem Hospizverein

"Zum Sterben schön" - unter diesem Motto präsentierten die Kunstsammlungen erstmals in Zusammenarbeit mit dem Hospizverein Coburg einen Abend mit Kunst und Musik zum Thema Vergänglichkeit.

Vermarktung von Todessymbolen

Wieviel aber hat sich tatsächlich verändert seit dem auf eine Friedhofsmauer gemalten Basler Totentanz aus dem 15. Jahrhundert und der heutigen Vermarktung von Todessymbolen bis hin zu Plastikskeletten.

Als Leiterin des Kupferstichkabinetts beleuchtete Stefanie Knöll Todesdarstellungen in der Kunst - mit durchaus ambivalenten Erkenntnissen und manchen überraschenden Einsichten.

Baseler Totentanz

Denn schon der berühmte, 60 Meter lange, 1805 zerstörte Baseler Totentanz, sei bereits früh nicht nur eindringliche Mahnung, sondern eben auch touristische Attraktion gewesen. Und Hans Holbein d.J. bewies mit seinen Bildern des Todes schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, dass sich mit der eindringlichen Darstellung der Vergänglichkeit Geschäfte machen ließen. Sein Totentanz erlebte zahlreiche originale Auflagen und ebenso zahlreiche Auflagen von Raubkopien.

Von Holbein bis Grieshaber

Dass die Darstellung des Todes die Künstler nicht nur in früheren Jahrhunderten, sondern bis in die Gegenwart beschäftigt, inspiriert und herausgefordert hat, bewies Stefanie Knöll dann mit Beispielen von HAP Grieshaber mit seiner Version des Totentanzes von Basel sowie mit Markus Lüpertz.

Angst und Lebensgier

Und wie könnten musikalische Totentänze vergangener Zeiten geklungen haben? Dass Fröhlichkeit und Furcht, Angst und Lebensgier nahe beieinander liegen können, ließen die ausgewählten musikalischen Beispiele hörbar werden.

Dirk Mestmacher als Gast

Das in den Haßbergen heimische Ensemble Intermusicalisch interpretierte Instrumentalstücke und Lieder aus vielen Jahrhunderten auf einer Vielzahl von Instrumenten und hatte sich für diesen besonderen Abend einen in der Region bestens bekannten Künstler als Gast zur Verstärkung geholt - den Tenor Dirk Mestmacher vom Landestheater Coburg.

Ausdauernder Beifall

Er bewies seine bemerkenswerte stilistische Vielseitigkeit beispielsweise auch mit einem Stück des schwedischen Dichters Carl Michael Bellmann, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebte und mit seinen Vertonungen eigener Verse so etwas wieder der erste Liedermacher wurde.

Eindringlicher Beifall für einen nachdenklich stimmenden Abend.

Rund um den Abend "Zum Sterben schön" in den Coburger Kunstsammlungen

Musik Das Ensemble Intermusicalisch kommt aus dem Raum Haßberge und besteht seit rund drei Jahrzehnten in wechselnder Besetzung. Jedes Ensemblemitglied spielt mindestens vier Instrumente. Das Repertoire ist weit gespannt von traditioneller Musik bis zu keltischer Musik mit Ausflügen in die Renaissance und ins Mittelalter, aber auch in die Gegenwart etwa bis zum Blues. Auf der Veste gastierte das Ensemble in dieser Besetzung: Karin Meyer-Jungclaussen, Astrid Zels-Kemler, Maria Koch, Tina Betz und als Gast Dirk Mestmacher. Kupferstichkabinett Die Sammlung des Kupferstichkabinetts der Kunstsammlungen der Veste Coburg umfasst über 220000 Blatt Zeichnungen und Druckgrafik aller Länder, Schulen und grafischen Techniken vom 15. bis zum 21. Jahrhundert. Über 9000 Künstler sind hier mit ihren grafischen Werken vertreten. Die Bestände gehen auf die Sammlungstätigkeit des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha zurück, insbesondere auf das kennerschaftliche Sammeln Herzog Franz Friedrich Antons von Sachsen-Coburg-Saalfeld, der als begeisterter Grafiksammler die Grundlagen für das heutige Kupferstichkabinett legte. Dementsprechend sind die Bestände bis um 1800 besonders reich und dicht. Der Sammlung des Kupferstichkabinetts ist die von den Enkeln Herzog Franz Friedrich Antons, dem späteren Herzog Ernst II. (1818 bis 1893) und seinem jüngeren Bruder Albert (1819 bis 1861) gegründete Autographensammlung angegliedert. Als Prinzgemahl der englischen Königin Victoria (1819 bis 1901) unterstützte Albert von England aus den Aufbau der Sammlung sehr engagiert durch bedeutende Ankäufe und Schenkungen.red

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