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Fasching

So liefen die Rathausstürme im Coburger Land

In Untersiemau , Bad Rodach und Seßlach sind die amtierenden Bürgermeister von Narren symbolisch ihrer Ämter enthoben worden.
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Beim Rathaussturm in Bad Rodach. - Foto: Martin Rebhan
Beim Rathaussturm in Bad Rodach. - Foto: Martin Rebhan
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Im Coburger Land haben - wenn auch ein bisschen später als zum traditionellen 11. 11. - die Naren das Kommando übernommen. In den Faschingshochburgen Untersiemau und Bad Rodach haben die Rathausstürme jeweils erst am Samstag stattgefunden.

In Untersiemau haben als Prinzenpaar der Feuerwehr ihre Lieblichkeit Prinzessin Luisa I. vom "Einen Berg" (sie stammt aus Einberg) und ihr Prinzgemahl Prinz Kilian I. vom "Annern Berg" (aus Untersiemau) die närrische Regentschaft übernommen hat. Das Prinzenpaar kündigte an, es so halten, wie in der echten Politik: "Es wird viel versprochen, doch nichts wird umgesetzt."

Bürgermeister Rolf Rosenbauer (CSU) hatte das Prinzenpaar und dessen närrischen Elferrat schon fünf Tage früher erwartet. Am Samstag wartete aber der Bürgermeister mit offenen Rathaustüren auf das närrische Volk. "Da hätten wir eigentlich gar keinen Schlüssel für das Rathaus gebraucht, auch bei uns gibt nur noch offene Türen im Rathaus", sagte ein Elferrat.

Bei der nächsten Kommunalwahl wird es in Untersiemau eine neue Gruppierung geben, denn der Elferrat wird antreten, wie der Prinz in seiner Erklärung auf dem Rathausvorplatz betonte. Das Prinzenpaar hatte für den Bürgermeister in dessen Ruhestand auf Zeit auch einige Aufgaben: Er solle als Wanderführer auf dem neuen Sagenweg und dem Planetenweg, wo man sich wegen fehlender Schilder verlaufen könnte, tätig werden. Deshalb überreichte die Narren dem Bürgermeister eine gelbe Warnweste.

Das Prinzenpaar regte eine Bienenblühwiese auf dem neuen Kreisel an. Wenn dieser nachts hell beleuchtet sei, komme er einem vor wie ein Grenzübergang zum früheren Osten. Immerhin könnte der Bürgermeister da als Einweiser für die Bienen dienten und dort auch die Passkontrolle zum "Tor der Welt" vornehmen. Deshalb bekam der Bürgermeister zusätzlich noch eine Fliegenklatsche, die für ihn als Kelle dienen soll, überreicht. Um diese umfangreichen Tätigkeiten mit voller Kraft ausüben zu können, wurde Rolf Rosenbauer nach alter Tradition eine Wurstkette umgehängt.

Der Bürgermeister überreichte dem Prinzenpaar ohne Widerstand den Rathausschlüssel. Sichtlich freute er sich auf die vielen neuen wichtigen Aufgaben, die ihm das Prinzenpaar zugewiesen hatte. "Mit Sagen kenne ich mich gut aus", versicherte Rosenbauer.

Das Untersiemauer Prinzenpaar wird am Rosenmontag, 24. Februar, seinen großen Auftritt beim Rosenmontagsball der Feuerwehr in Schulturnhalle haben und am Aschermittwoch den Schlüssel zum Rathaus wieder an den Bürgermeister zurückgeben.

So lief es in Bad Rodach

Die Amtszeit von Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) fand am Samstag um 11.11 Uhr ein Ende, als die Mitglieder der Faschingsgesellschaft Bad Rodach mit dem Prinzenpaar Adrian I. und Larissa I. an der Spitze das Rathaus stürmten und mit "Bommel, Bommel, Helau" die Herausgabe des Rathausschlüssel forderten. Ehrlicher zeigte sich sichtlich erleichtert, die Last des Amtes bis Aschermittwoch von den Schultern genommen zu bekommens.

Sitzungspräsident Herbert Müller unterrichtete die Zaungäste der Machtübernahme unverzüglich über das närrische Regierungsprogramm. So steht auf der Agenda ein digitales Rathaus zu schaffen, um an Stadtratssitzungen von zu Hause aus teilnehmen zu können. "Man bräuchte nicht mehr ins Rathaus kommen, was die Umwelt entlasten würde, gleichzeitig könnten Kosten für Heizung und Getränke eingespart werden", erklärte Müller das Vorhaben. Angesichts dessen, dass es in der Kurstadt für fast alle Belange einen Beauftragten gibt, sprachen sich die neuen Machthaber dafür aus, einen "Spaßbeauftragten" zu installieren. Der abgesetzte Bürgermeister meinte, dass die geplante Arbeit der neuen Rathausherren "wenig ambitioniert" sei. Bevor sich die politische Führung in den Zwangsurlaub verabschiedete, galt es für Tobias Ehrlicher, dritte Bürgermeisterin Nina Klett (CSU) und Bürgermeisterkandidat Christoph Herold (CSU), sich im sportlichen Wettstreit zu messen. Erst galt es, sich mittels zweier Bierkästen fortzubewegen, dann beim Angeln im Marktbrunnen Geschicklichkeit unter Beweis zu stellen.

Das hat es beim Rathaussturm in Seßlach noch nie gegeben: Das neue Prinzenpaar ist aus Pappe! Bei der Vorstellung auf der Rathaustreppe glänzten die neuen Tollitäten Alexander I. (Leffer) und Laura I. (Pflüger) am Samstag durch Abwesenheit. "Bevor sie zum neuen Prinzenpaar gekürt wurden, hatten die beiden schon eine Reise gebucht", erläuterte Präsident Jens-Peter Scholz.

Umso mehr stand das neue Kinderprinzenpaar Jonas II. (Vogt) und Pauline I. (Beetz) im Mittelpunkt. Kess präsentierten sich die beiden Seßlacher Youngster. "Das große Prinzenpaar ist gestern in den Urlaub gefahren, deshalb müssen wir jetzt den Schlüssel verwahren", verkündeten das Jungpaar selbstbewusst.

Bürgermeister Maximilian Neeb (FW) händigte den Türöffner bereitwillig aus. Er werde jetzt bis Aschermittwoch Pause machen und die Chance nutzen mitzufeiern, äußerte der Faschingsfan Neeb. Seine Bitte: Die neuen Hausherren sollten sparsam mit dem Geld umgehen. Eine Anspielung auf die Rathausfassade? Nach einer Kostenschätzung würde ein neuer Anstrich 66000 Euro kosten. Auch Jens-Peter Scholz hatte eingangs betont, dass "andere Dinge wichtiger" als die Fassade seien und das Rathaus so oder so seine Funktion erfülle.