Coburg
Besuch

So digital ist das Klinikum Coburg

Staatsministerin Dorothee Bär informierte sich bei ihrem Besuch in Coburg auch über den angedachten Gesundheitscampus auf dem früheren BGS-Gelände.
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Auf der Station 72 des Klinikums Coburg werden die Patientenakten digital im Tabletcomputer geführt. Wichtig ist dabei die Datensicherheit, weiß die Staatsministerin im Bundeskanzleramt und Beauftragte der Bundesregierung für die Digitalisierung, Dorothee Bär (Zweite von links). Foto: Regiomed/Birgit Schwabe
Auf der Station 72 des Klinikums Coburg werden die Patientenakten digital im Tabletcomputer geführt. Wichtig ist dabei die Datensicherheit, weiß die Staatsministerin im Bundeskanzleramt und Beauftragte der Bundesregierung für die Digitalisierung, Dorothee Bär (Zweite von links). Foto: Regiomed/Birgit Schwabe

Die Fantasie kann der Wirklichkeit nur schwer folgen und wähnt sich in einem Science Fiction-Film: In etwa 15 Jahren könnten die Narben und Entstellungen von Menschen nach einer Verbrennung repariert oder Teile von Organen implantiert werden. Die regenerative Medizin wird mit Bio-Printing neue Möglichkeiten eröffnen. Passgenau Knorpel und Knochen aus Kunststoffen werden schon mit Hilfe dreidimensionaler Drucker geformt und implantiert. Beim Bio-Printing passiert das auch, jedoch mit organischen Substanzen. Stammzellen sollen künftig den Druck funktionstüchtiger Organ ermöglichen. Weiter kann sich Bio-Printing als Ergänzung der Organspende erweisen.

Über die Digitalisierung in der Medizin und in Kliniken informierte sich jetzt bei einem Besuch Dorothee Bär (CSU). Die Staatsministerin aus dem Bundeskanzleramt und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung sieht in der Vernetzung und Digitalisierung die Chance schlechthin, "dass auch abseits der Ballungszentren Spitzenforschung und -medizin möglich ist".

Professor Johannes Brachmann, medizinischer Geschäftsführer des Regiomed-Klinikverbundes, stellte der Ministerin den beabsichtigten Neubau des Klinikums Coburg als sogenanntes "Blue Hospital" auf dem Gelände der früheren Bundesgrenzschutz-Kaserne vor, er informierte über die Ärzteausbildung an der konzerneigenen Medical School in Zusammenarbeit mit der Universität in Split, und er gab eben Auskunft zu den internationalen Forschungen auf dem Gebiet des Bio-Printing.

Seit zehn Jahren gibt es den Regiomed-Klinikerverbund in Bayern und Thüringen, "und jedes Jahr schreiben wir schwarze Zahlen", so Brachmann. Die Entscheidung, ein neues, volldigitalisiertes Blue Hospital zu errichten, anstatt das vorhandene und in die Jahre gekommene Klinikum zu sanieren, sei wichtig für die Zukunft. In einem Blue Hospital seien alle Patientendaten in Echtzeit vorhanden und würden auf mobilen Endgeräte der Therapeuten übertragen. Telemedizin, künstliche Intelligenz, Gesichts-und Spracherkennung sowie Computer-Armbänder (Wearables), sind einige Stichworte. Mit diesen Wearables lassen sich die Werte von Blutdruck oder Herzfrequenz immer und überall messen, durch die Echtzeitübertragung an die Ärzte steigt die Patientensicherheit. Blue Hospital und Gesundheitscampus wecken bei den Regiomed-Verantwortlichen die Vision eines Modellklinikums für die gesamte Republik.

Dem gravierenden Ärztemangel will der Regiomed-Verbund mit der eigenen medizinischen Fakultät begegnen. "Die ersten drei Jahre erfolgt das Studium in Split, anschließend kommt die Ausbildung in den Regiomed-Häusern", skizzierte Johannes Brachmann das Vorgehen. Neben dem Prestigegewinn hofft man, so junge Mediziner zu gewinnen. Im September nächsten Jahres beginnt der erste Jahrgang seinen klinischen Ausbildungsteil bei Regiomed.

Dorothee Bär zeigte sich angetan davon, wie Regiomed die Digitalisierung vorantreibt. Damit sei der ländliche Raum kein Standortnachteil mehr. "Die Medizin ist das Paradebeispiel dafür, wie Menschen die Angst vor der Digitalisierung genommen werden kann."

Nach den Worten von MdB Hans Michelbach (CSU) könnte ein Angebot für das einstige Bundesgrenzschutz-Gelände noch in diesem Jahr möglich sein. Die Sanierung des Klinikums an der Ketschendorfer Straße während des laufenden Betriebs ist nach den Worten von Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) schlicht unmöglich.

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