Glend
Landwirtschaft

Sie kommen, fressen und koten: Gänse-Ärger im Coburger Land

In anderen Gegenden Bayerns sorgen sie schon länger für Ärger. Jetzt erregen sie auch im Coburger Land den Zorn eines betroffenen Bauern: Gänse.
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Es herrscht reges Kommen und Gehen von Gänsen auf der Wiese von Günther Heß bei Glend. Zwischen Kommen und Gehen wird aber gefressen, verdaut und einiges hinterlassen, was das Gras als Futter für die Kühe unbrauchbar macht. Fotos: Rainer Lutz
Es herrscht reges Kommen und Gehen von Gänsen auf der Wiese von Günther Heß bei Glend. Zwischen Kommen und Gehen wird aber gefressen, verdaut und einiges hinterlassen, was das Gras als Futter für die Kühe unbrauchbar macht. Fotos: Rainer Lutz
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Günther Heß steht am Rand seiner Wiese nahe am Schilfgürtel hinter dem Goldbergsee. Aus dem Gras ragen die Hälse von mehr als 80 Vögeln. Es sind Grau- und Kanadagänse. "Heute Vormittag waren es mindestens doppelt so viele", sagt der Landwirt und: "Die fressen mir die ganze Wiese zamm." Das Gras war für seine Milchkühe gedacht. Es sollte jetzt gemäht und siliert werden. Weil es aber mit Gänsekot verunreinigt ist, geht das nicht. Ein Schaden, der den Bauern ärgert. Noch mehr aber wurmt Günther Heß, dass er auf dem Schaden sitzen bleiben wird.

Gänse im Coburger Land: Seit zwei drei Jahren ist es richtig schlimm

Seit zwei drei Jahren ist es erst so schlimm geworden mit den Gänsen, sagt er. Davor gab es schon ein paar Jahre Schäden durch Schwäne. Aber das mit den Gänsen sei schon erheblich schlimmer. Im vergangenen Jahr hatte er einen Gutachter geholt. "Da haben sie mir einen Gerstenacker direkt am Dorf praktisch komplett abgefressen", sagt er. Rund 1,3 Hektar waren es. Dazu kam ein erheblicher Schaden auf der Wiese, die jetzt auch betroffen ist. Auf über 5000 Euro habe der Gutachter damals den Schaden beziffert. Ein Verlust auf dem er ebenso sitzen bleibt wie auf den Kosten für den Gutachter.

Ein Tausch könnte helfen

Nicht weit entfernt liegt noch eine Wiese. Die ist bisher verschont geblieben. Aber sie wurde in ein Vertragsnaturschutzprogramm aufgenommen und darf erst am 20. Juni gemäht werden. "Wir wollen versuchen, sie da raus zu bekommen, damit wir dort für Silo mähen können", sagt Günther Heß. Dafür wird er die Wiese, auf der jetzt die Gänse so gern Station machen, nicht mähen. "Da wollen wir versuchen, Heu zu machen, wenn das Gras groß ist", erklärt er. Bis dahin, hofft er, hat sich der Kot zersetzt, so dass das Heu zu verwenden ist.

Flächen getauscht

Der Tausch der beiden Flächen ist eine Regelung, für die sich Frank Reißenweber, am Landratsamt Coburg für den Naturschutz zuständig, bei der Regierung von Oberfranken auch ausgesprochen hat. Er hofft, dass Günther Heß damit zumindest heuer geholfen werden kann. "Mit dem Bau des Goldbergsees als Hochwasserrückhalt wurde ein Biotop geschaffen, das jetzt von den Tieren angenommen wird", sagt er. Zu den heimischen Graugänsen kommen dann noch Neozoen wie die Kanada- und Nilgänse, die das Problem nicht kleiner machen. Ein Problem, das im Coburger Land recht neu ist, aber auch nicht mehr verschwinden wird.

Das Problem ist bekannt

Gänse, die durch Fraß und Kot Schaden verursachen, sind bayernweit kein neues Ärgernis. "Am Main kämpfen wir schon seit Jahren mit Gänseproblemen", bestätigt Hans Rebelein, Geschäftsführer beim Bayerischen Bauernverband in Coburg. Auch im Umfeld vieler Baggerseen sorgen die Tiere für Schäden. Rund um den Wöhrder See in Nürnberg war es so schlimm, dass einige Gänze abgeschossen wurden. Die zunehmende Verschmutzung durch den Kot von Wildgänsen in Nürnberg sollen jetzt Kotsauger lösen. In der Landwirtschaft geht das nicht.

Hans Rebelein kann Günther Heß keine Hoffnung machen. "Schadenersatz ist derzeit nicht zu bekommen", sagt er. Es gab ein Modell, das am Main versucht wurde. Es war aber zu bürokratisch, als dass die Landwirte damit einen Erfolg hätten erzielen können.

Schon seit Jahren fordert der BBV, die Jagdzeiten auf Gänse deutlich auszuweiten. Sie sollen auch in Rückzugsgebieten wie Naturschutzflächen bejagt werden dürfen. Durch Manipulation der Gelege, soll der Bestand reduziert werden. Dabei werden Eier durch Einspritzen von Schadbakterien unfruchtbar gemacht, aber im Nest gelassen, damit die Tiere nicht neue Eier legen.

Ruf nach Schadenersatz

Vor allem aber fordert der Verband eine praxisnahe Entschädigung der betroffenen Bauern. Eine Forderung, die Frank Reißenweber unterstützt, denn mit einem Rückgang der Zahl der Gänse rechnet auch er nicht.

Von Schäden wie im Bereich des Altmühlsees, wo schon 2011 von mehr als 50.000 Euro die Rede war, ist Coburg noch weit entfernt. Doch Günther Heß ist überzeugt, die Gänse werden von Jahr zu Jahr mehr - und mit ihnen der Schaden.

Verglichen mit anderen Regionen, sieht Alexander Ulmer, Geschäftsführer beim Landesbund für Vogelschutz das Problem bei Glend noch als überschaubar an. "Es gibt große Probleme im Landkreis Lichtenfels und auch im Bamberger Raum, das ist bekannt", sagt er. "Hier bei uns sind die Schäden aber noch nicht ganz so gravierend", ist er überzeugt. Der Gebietsbetreuer des LBV, Christian Fischer, sei bereits mit dem Problem befasst und behalte die zahlenmäßige Entwicklung der Gänsepopulation im Auge.

Das tut Günther Heß auch und hofft weiter, dass eine ordentliche Regelung gefunden wird, die für alle Betroffenen in Bayern anwendbar ist und einen Schadenersatz vorsieht.

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