Neustadt bei Coburg
Ehrenamt

Sicherheit ja, aber keine Sheriffs in Neustadt

Drei Neustadter machen sich auf einen langen Weg. Sie wollen bei der Sicherheitswacht mitmachen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Teilnehmer des neues Ausbildungslehrgangs der Sicherheitswacht, darunter drei Neustadter, hören Uwe Herrmann von der Polizei Kronach genau zu. Fotos: Thomas Heuchling
Die Teilnehmer des neues Ausbildungslehrgangs der Sicherheitswacht, darunter drei Neustadter, hören Uwe Herrmann von der Polizei Kronach genau zu. Fotos: Thomas Heuchling
+3 Bilder
Eines stellt Günther Eppler, von der Polizei Neustadt, gleich zu Beginn klar: "Die Leute von der Sicherheitswacht sind keine Hilfssheriffs." Was die Frauen und Männer, die mit Funkgerät, dunklen Jacken oder Polo-Shirts, auf denen der Schriftzug Sicherheitswacht steht, dürfen, dass ist genau geregelt und zwar im Sicherheitswachtgesetz.

Befragung, Identitätsfeststellung und einen Platzverweis aussprechen - mehr nicht. "Eine Störung oder Ordnungswidrigkeit muss aber vorhanden sein, damit sie eingreifen können. Das gesprochene Wort ist ihre wichtigste Waffe und nach einer Weile kennt man seine Pappenheimer und weiß, wer wie reagiert", sagt Eppler.

Damit meint er in erster Linie Vergehen von Jugendlichen in der Öffentlichkeit, vor allem in den frühen Abendstunden, denn laut Dienstplan gehen immer zwei Leute von der Sicherheitswacht zwischen 19 und 22 Uhr auf Streife.
Um die Begriffswelt der Polizeisprache für den Laien anschaulicher zu machen, bringt Eppler ein Beispiel: "Wenn Jugendliche sich mit Alkohol auf einem Spielplatz treffen und einige von ihnen noch nicht Volljährig sind, randalieren oder laut sind, dann kann die Sicherheitswacht eingreifen."

Damit sie richtig handeln können, werden die drei neuen aus Neustadt gemeinsam mit drei Kronachern geschult. 40 Unterrichtsstunden mit Strafrecht, Befugnissen, Eigensicherung und dem Umgang mit der Ausrüstung gibt es. Zu der, neben Funkgeräten und der Kleidung mit dem Logo, auch ein Reizstoffsprühgerät gehört. "Aber das kam bei uns noch nie zum Einsatz und ist auch nur für den Notfall und zum Selbstschutz gedacht", betont Eppler.

Er ist vom Konzept überzeugt und gibt ehrlich zu, dass der normale Streifendienst der Polizei in den Gemeinden aus personellen Gründen nicht mehr möglich ist: "Wir fahren von Einsatz zu Einsatz und können kaum noch Fußstreifen machen, da ist die Sicherheitswacht eine sehr gute Ergänzung."

Bei den Bewerbungen der Anwärter hat er genau hingeschaut. "Die Bewerber werden überprüft, schließlich repräsentieren sie ja den Staat", erklärt Eppler, "aber wer mal zu schnell gefahren ist, der kann sich trotzdem bewerben." Über die letzten Jahre haben einige der Sicherheitswächter aus persönlichen Gründen aufgehört, so Eppler. "Wir wollen wieder auf den Stand von 2008, mit neun Leuten kommen." In der Zwischenzeit haben neben Epplers Büro, im Schulungszimmer, sechs Bewerber Platz genommen. Eppler begrüßt sie und und übergibt an seinen Kollegen Uwe Herrmann aus Kronach, der an diesem Tag die Ausbildungseinheit leitet.

"Was ist eine Straftat", fragt Herrmann. Eine Weile blickt er in leere Gesichter, dann antwortet die Neustadterin Sabine Eppler: "Wenn jemand etwas mit Vorsatz tut." Weitere Antworten aus dem Plenum folgen. Herrmann erklärt die feinen Unterschiede der juristischen Fachbegriffe. Bis zur ersten Streife gibt es noch viel zu tun.


Die Sicherheitswacht in Kürze

Chronologie 2007 stellten Neustadt und Rödental gemeinsam einen Antrag an Innenministerium. Im August des nächsten Jahres starteten zwei Frauen und sieben Männer ihre Streifentätigkeit.

Projekt Die Sicherheitswacht gibt es seit 1994 in Bayern. In Oberfranken gibt es neun Einrichtungen dieser Art. Es ist eine ehrenamtliche Tätigkeit.

Mitmachen Interessierte müssen zwischen 18 und 60 Jahren alt. Genauere Informationen gibt es im Internet unter www.polizei.bayern.de/wir/sicherheitswacht/
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren