Coburg
Premiere

Shakespeare , aber bitte mit Hund

Liebe, Lästereien, heftige Fechtereien: Bei den Sommerfestspielen im Hofgarten gibt es auch mit dem zweiten Stück richtig viel Theaterspaß.
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Shakespeare (Frederik Leberle) in Love und heftigen Kämpfen im Coburger Hofgarten. Henning Rosenbusch
Shakespeare (Frederik Leberle) in Love und heftigen Kämpfen im Coburger Hofgarten. Henning Rosenbusch
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Julia war eigentlich Vi ola. Und sterben muss sie auch nicht. Aber heiraten. Heraus kommt dann doch "Romeo und Julia"; aus Leiden entsteht große Kunst, und der auf seiner Leitung sitzende Shakespeare kann wieder dichten. Wir haben in diesem Fall zwei Stunden heftig was zum Lachen.

Wir sind nicht im falschen Film. Wir sind in "Shakespeare in Love", der siebenfach oscarprämierten Kinokomödie von John Madden aus dem Jahr 1998, jetzt aber weitergedreht auf die Theaterbühne, und was für eine: Das Landestheater Coburg hat sich für seine ersten Sommerfestspiele im Hofgarten eingerichtet, in einer zauberhaften, neu entdeckten Naturkulisse. Schauspielchef Matthias Straub hat hier mit lockerleichter Hand einen Theaterspaß über das Theater und die Liebe und einen historischen Mythos inszeniert. Wer dieser Shakespeare tatsächlich war, wissen wir bis heute nicht wirklich.

Es war ja schon fies von diesem am Sonntag theatralisch veranlagten Wettergott, dass er es eine halbe Stunde vor Premierenbeginn, als die Leute schon vom Ost- zum Westpavillon flanierten und ein bisschen Sekt und Wein schlürften, begann regnen zu lassen, dann sogar recht intensiv. Da stand die Premiere wirklich auf der Kippe.

Das ist Freilufttheater

Matthias Straub und jeder, der einen Besen halten konnte, schob Wasser von der vor den Herzog Alfred-Brunnen gelegten Bühne. Die müsste nämlich trocken sein für die durchaus heftigen Fecht- und Kampfszenen, die Jean-Loup Fourure mit den sonst doch sehr gefährdeten Schauspielern einfallsreich und witzig einstudiert hat. Ein paar entnervte Zuschauer gingen, nachdem Intendant Bernhard Loges dem Himmel und uns noch eine Frist von einer Viertelstunde gesetzt hatte, bevor er die Premiere auf nächste Woche hätte verschieben müssen. - Ha! Das ist halt Freilufttheater, open air. Da kann es schon mal ein bisschen herausfordernd werden für alle Beteiligten. Die Gebliebenen - die meisten - wurden wunderbar belohnt an diesem Abend, nämlich zusätzlich mit köstlichen Spontaneinlagen dieses offensichtlich unverwüstlichen Ensembles. Da schlitterten der in Hektik befindliche, weil einfallslose Shakespeare - Frederik Leberle, die ganze Zeit ganz herzig - und der viel berühmtere Christopher Marlowe extra theatralisch über die nasse Bühne.

Rechts aus den Büschen

Und das aufmüpfige adelige Fräulein Viola (Eva Marianne Berger voller Leidenschaft) will "Abenteuer und Poesie und eine trockene Bühne". Nils Liebscher liefert in diesem Stück übrigens eine herrliche Johnny Depp-Piratenkapitäns-Nummer als ewig poesie- und alkoholtrunkener Marlow.

So, und dann toben die alle elisabethanisch verwitzt kostümiert (Carola Volles) von rechts aus den Büschen und hohen Bäumen über die Brunnenstege nach links ins vielfach einsetzbare Kulissenhäuschen und dann dort in die Büsche und Bäume (Bühne Robert Schrag), kleine Stopps in der Kneipe "Old Thello" inbegriffen. Allesamt bieten die Darsteller mitreißende kleine Kabinettsstückchen und komische, aber nicht in den Klamauk abstürzende Karikaturen: Niklaus Scheibli und Stephan Mertl als die verfeindete Theaterbesitzer, Thomas Straus in mehreren schrägen Rollen, Alexandra Weis als links und rechts orangerot aufgezwirbelte Königin Elisabeth, Solvejg Schomers als Amme, Alexander Tröger, Thomas Kaschel und Valentin Kleinschmidt und all die anderen. Man möchte sie knuddeln.

Matthias Straub kann als Regisseur, das hat er uns über die Jahre in Coburg bewiesen, sehr viel. Als Komödieninszenator aber rettet er das Landestheater über alles hinweg. Und weil die Leute im Theater nun mal schon seit Königin Elisabeths Zeiten vor allem "Liebe und irgendwas mit einem Hund" wollen, gönnt uns Straub einen Hund, einen mit gerüschter Halskrause.

Coburger Sommerfestspiele

Shakespeare in Love. Schauspiel nach dem Drehbuch von Marc Norman und Tom Stoppard, Bühnenfassung von Lee Hall, deutsch von Corinna Brocher.

Inszenierung Matthias Straub, Bühne Robert Schrag, Kostüme Carola Volles, Fecht- und Kampfchoreografie Jean-Loup Fourure, Dramaturgie Carola von Gradulewski.

Darsteller Frederik Leberle,

Eva Marianne Berger, Solvejg Schomers, Thomas Straus, Ralph Alexander Tröger, Alexandra Weis, Nils Liebscher, Niklaus Scheibli, Stephan Mertl, Thomas Kaschel, Valentin Kleinschmidt, Boris Stark, Albert Gassmann/Luca Schenk, Carl Baetjer/Oliver Priesner, Wolfram Haupt/Stefan Kosicki, Viktor Meixner, Tom Schwerdt, Manfred Völk sowie alternierend Belicia, Diva, Lotte und Ricky als Spot, ein Hund. Weitere Termine 16, 22., 23, 26., 27., 30. Juni , 19.30 Uhr, Bühne im Hofgarten. Dauer 2 Stunden 30 Minuten mit Pause.

Weiteres Programm Bei den 1. Coburger Sommerfestspielen läuft bereits das Familienstück "Robin Hood". Am Samstag, 15. Juni, folgt die Premiere von "Ein Sommernachtstraum", Mark McClains neues Ballett nach Shakespeare mit Mendelssohn Bartholdys Musik.

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