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Coburg
Stipendium

Seydanur ist ein "Talent im Land"

Die 17-jährige Schülerin vom Ernestinum wurde für ein besonderes Programm ausgewählt - auch als Ansporn für andere.
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Seydanur Cüres Lieblingsfach ist Biologie, und schon seit ihrer Kindheit weiß die Schülerin des Gymnasiums Ernestinum, dass sie Ärztin werden will. Die Aufnahme ins Programm "Talent im Land" wird ihr das erleichtern. Schon ihre beiden Schwestern waren Stipendiatinnen. Foto: Simone Bastian
Seydanur Cüres Lieblingsfach ist Biologie, und schon seit ihrer Kindheit weiß die Schülerin des Gymnasiums Ernestinum, dass sie Ärztin werden will. Die Aufnahme ins Programm "Talent im Land" wird ihr das erleichtern. Schon ihre beiden Schwestern waren Stipendiatinnen. Foto: Simone Bastian
Die, die immer lacht", lautet ihr Name auf Deutsch, und tatsächlich lächelt Seydanur Cüre im Gespräch die meiste Zeit. Doch die freundliche junge Frau mit den rehbraunen Augen weiß genau, was sie will. Ehrgeiz hat sie, Kampfgeist auch, und eine Niederlage versteht sie auch als Ansporn. Schließlich betreibt sie seit 13 Jahren Karate.


Bewerbung und ein Gutachten von der Schule


Leistungsbereit, zielbewusst, integriert - das machte sie zur Kandidatin für das Programm "Talent im Land". Die Robert-Bosch-Stiftung und der Freistaat Bayern fördern hier junge Leute mit Migrationshintergrund. 50 Schüler ab der 8. Klasse werden jedes Jahr in die "TiL-Familie" aufgenommen. Der Weg dahin ist nicht einfach: Zur handschriftlichen (!) Bewerbung wird ein Gutachten der Schule gefordert.
Von den hunderten von Bewerbern werden 80 nach München zum Vorstellungsgespräch im Kultusministerium eingeladen, sagt Harun Lehrer, der das Programm im Kultusministerium betreut.


Entscheidende Vorteile


Schon Seydanurs ältere Schwestern Edanur und Havvanur waren Mitglieder der TiL-Familie. Gerade weil sie bei ihren Schwestern sah, was ihnen das Programm ermöglichte, "wollte ich das auch", erzählt Seydanur Cüre. Seit September 2012 ist sie dabei, nach der dritten Bewerbung; am 10. April konnte sie von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) die Urkunde entgegennehmen. Da hatte die 17-Jährige schon die ersten Treffen und Seminare mit ihren TiL-Kollegen hinter sich. "Diese Angebote und der Netzwerkaufbau sind die entscheidenden Vorteile", sagt Martin Ungelenk, der stellvertretende Schulleiter des Ernestinums.

Schwestern studieren Medizin

Dort haben Edanur und Havvanur 2011 Abitur gemacht - die eine im letzten Jahrgang des neunstufigen Gymnasiums, die andere im ersten Jahrgang des G8. Beide studieren nun Medizin, Havvanur in Istanbul, Edanur in Jena. Seydanur eifert ihnen auch hier nach: "Ich habe schon von klein an gesagt, dass ich Ärztin werden will."
Bis zum Abitur erhalten die TiL-Stipendiaten einen monatlichen Zuschuss von 100 Euro.


Seminare und Workshops


Hinzu kommen die Seminare und Workshops sowie Ferienaufenthalte: In den Pfingstferien geht es für eine Woche nach Polen, in den Sommerferien wird eine Sommerakademie in Salem angeboten. "Jedes Mal lernt man neue Leute kennen", schwärmt Seydanur, die auch schon neue Freundschaften geschlossen hat. Im Winter habe ihr Stipendiums-Jahrgang sogar eigenständig ein Treffen organisiert, "weil wir uns so vermisst haben".


Ihr Großvater kam als erster aus der Türkei, ihr Vater folgte. Selbst Lehrer, entschied er sich, in Deutschland zu bleiben, der besseren Bildungschancen für seine Kinder wegen. Sein Lehramtsstudium wurde freilich in Deutschland nicht anerkannt. Beide Eltern hätten bei den drei Schwestern großen Wert auf die schulischen Leistungen gelegt, erzählt Seydanur Cüre. Sie seien auch von Anfang an zweisprachig erzogen worden.


"Ich kann in beiden Kulturen leben"


Sie selbst wird mit dem 18. Geburtstag die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. "Aber das ist nur auf dem Papier. Ich kann in beiden Kulturen leben", sagt die zierliche junge Frau, die auch in der Folkloretanzgruppe der Ditib-Gemeinde mitmacht. "Ich fühle mich in Deutschland wirklich zu Hause", versichert sie. Für den SV Hut startete sie im März bei der deutschen Meisterschaft im Kumite-Karate. "Aber ich gehe auch gern in die Türkei."

Jährlich werden 50 Stipendiaten ins Programm aufgenommen. Allerdings ist im Gespräch, dass heuer pausiert wird, berichtet Harun Lehrer. Es gehe um die Aufnahmekriterien. Bislang ist der Migrationshintergrund entscheidend, neben dem Ziel, das (Fach-)Abitur zu machen. Aber es gebe auch genug bedürftige deutsche Kinder, deren Talente gefördert werden müssten.

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