Coburg
Statistik

Sexualdelikte: Coburgs Straßen sind sicher

Laut dem Magazin "Focus" zählt Coburg bei den Sexualdelikten zu den zehn unsichersten Städten in Deutschland. Was aber sagt das Ranking wirklich aus?
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Auch wenn die kürzlich veröffentlichte Statistik eines Nachrichtenmagazins ein anderes Bild von Coburg zeichnen mag, man müsse hier keine Angst haben, auf die Straße zu gehen, versichert Polizeipressesprecher Thomas Neumert.Jochen Berger
Auch wenn die kürzlich veröffentlichte Statistik eines Nachrichtenmagazins ein anderes Bild von Coburg zeichnen mag, man müsse hier keine Angst haben, auf die Straße zu gehen, versichert Polizeipressesprecher Thomas Neumert.Jochen Berger

Der Sozialwissenschaftler Wolfgang Steinle hat für das Magazin "Focus" die Sicherheit in deutschen Städten und Landkreisen untersucht. Die Ergebnisse sind auch für fränkische Städte teilweise erschreckend. Nach diesem Ranking zählt Coburg bei den Sexualdelikten zu den zehn unsichersten Städten in Deutschland. Gemeinsam mit Bamberg liegt Coburg auf Platz sechs.

Das Polizeipräsidium Oberfranken kritisiert diese Darstellung jedoch in einer Pressemitteilung: "Diese Zahlen vermitteln ein falsches Bild über die tatsächliche Sicherheitslage", heißt es darin.

Laut dem Nachrichtenmagazin weist Coburg 37 Fälle von Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen pro 100 000 Einwohner im Jahr 2017 auf. "Diese rein statistischen Zahlen finden sich zwar in der oberfränkischen Kriminalstatistik 2017 wieder, sollten jedoch ergänzend betrachtet werden", heißt es vom Polizeipräsidium.

Tatsächlich "nur" 15 Fälle

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37 Sexualdelikte hat es in Coburg im vergangenen Jahr nicht gegeben, wie der Sprecher des Präsidiums, Thomas Neumert, dem Tageblatt auf Anfrage versichert hat. Die Zahl 37 sei ein rein statistischer Wert, der sich bei der Hochrechnung auf 100000 Einwohner ergebe. Tatsächlich wurden laut Neumert im Vorjahr in Coburg 15 Fälle von Vergewaltigung oder sexueller Nötigung angezeigt.

Unseriös sei das Ranking trotz der großen Diskrepanz zwischen statistischem Wert und Wirklichkeit aber nicht, betont Neumert. "Das ist eben das Problem bei einer statistischen Auswertung." Irgendwie müsse man die Zahlen der unterschiedlich großen Städte miteinander vergleichen können, deshalb die Hochrechnung auf 100000 Einwohner. Das heiße aber nicht, dass das Risiko in Coburg besonders hoch sei, Opfer einer Sexualstraftat zu werden, sagt Neumert. "Man muss keine Angst haben, in Coburg auf die Straße zu gehen."

Was bei der Betrachtung auch wichtig ist: "Dreiviertel der Taten ereigneten sich im sozialen Nahbereich, das heißt, dass Opfer und Täter zusammenleben oder sich bekannt sind", heißt es in der Mitteilung des Präsidiums. Zudem sei die Aufklärungsquote sehr hoch.

Allerdings sei die Zahl der Sexualdelikte in Oberfranken im Vergleich zu 2016 durchaus gestiegen. Das liege einerseits an der Verschärfung des Sexualstrafrechts ab Ende 2016, wie Neumert erklärt. "Was früher noch als Beleidigung galt, kann heute vom Gesetz als sexuelle Nötigung erfasst werden." Außerdem hätten sowohl die öffentliche Diskussion nach den Übergriffen der Silvesternacht 2015/16 als auch die "Me-too"-Debatte zu einer höheren Sensibilisierung für das Thema geführt. In der Folge seien mehr Taten von den Opfern angezeigt worden.

Insgesamt gesehen liegt die Stadt Coburg in der Rangliste von 401 deutschen Städten auf Platz 357. Untersucht wurden die vier Bereiche Sicherheit im Straßenverkehr, wirtschaftliche Sicherheit, psychische und physische Gewalt sowie der gesellschaftliche Dissens. Der Landkreis Coburg schneidet in diesem Vergleich deutlich besser ab, er liegt auf Platz 19.

Auch was die Wohnungseinbrüche angeht, lebte es sich im Landkreis Coburg laut Statistik 2017 sehr sicher. Hier rangiert Coburg unter den zehn sichersten Städten/Kreisen mit (hochgerechnet) 21 Fällen auf dem 8. Platz.



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