Seßlach
Begegnung

Seßlacher Bildhauer ist fasziniert vom Kontrabass

Wie der in Seßlach lebende Bildhauer den Kontrabassisten Johannes Matthias Sperger mit einem Denkmal würdigt.
Artikel drucken Artikel einbetten
In seinem Atelier in Seßlach arbeitet der Bildhauer Andreas Krämmer an einem Gripsmodell seines Denkmals für den Komponisten und Kontrabassisten Johann Mattias Sperger. Die Skulptur soll Ende Juli gegenüber dem Barockschloss in Ludwigslust eingeweiht werden.Foto: Fee Girod
In seinem Atelier in Seßlach arbeitet der Bildhauer Andreas Krämmer an einem Gripsmodell seines Denkmals für den Komponisten und Kontrabassisten Johann Mattias Sperger. Die Skulptur soll Ende Juli gegenüber dem Barockschloss in Ludwigslust eingeweiht werden.Foto: Fee Girod
+4 Bilder
Andreas Krämmer ist fasziniert vom Kontrabass. Und er ist fasziniert von den Musikern, die dem gerne als klobig verunglimpften Instrument unvermutet ausdrucksvolle Töne entlocken können. Andreas Krämmers Kontrabass-Begeisterung ist in der Seßlacher Altstadt kaum zu übersehen.

Denn in seinem Atelier in unmittelbarer Nähe zum Markt arbeitet der Bildhauer an einem Kontrabass-Denkmal. Genauer: an einem Denkmal, das den Kontrabassisten und Komponisten Johannes Matthias Sperger und sein Lieblingsinstrument zeigt.


Nur Musikfans mit einem Faible für Kontrabass kennen heute noch den Namen Johannes Matthias Sperger. Oder Fans von Patrick Süskind, der dem Kontrabass mit seinem gleichnamigen Einakter aus dem Jahr 1981 ein Denkmal auf der Schauspielbühne gesetzt hat. Denn in Süskinds "Kontrabass" taucht jener Sperger mit seinen insgesamt 18 Kontrabasskonzerten auf als Vorbild für alle Kontrabassisten.


Ende Juli soll das in Bronze gegossene Sperger-Denkmal in Ludwigslust feierlich eingeweiht werden. Noch freilich feilt und hämmert Krämmer an einem Gips-Modell: "Die Millimeter brauchen die meiste Zeit."


Skizze in Wachs

Lang ist der Weg von ersten Überlegungen bis zur fertigen Skulptur. Vor vier Jahren beschäftigte sich Krämmer erstmals mit der Idee zu seiner Sperger-Plastik. "Zunächst fertigte ich eine kleine Skizze in Wachs" erinnert sich der Bildhauer: "Vor zwei Jahren 2016 hatte ich dann ein 1:3-Modell angefertigt in Gips, um es der Stadt und der Sperger-Gesellschaft vorzustellen."


Wertvolle Unterstützung bei seiner Arbeit erhielt Krämmer von Dietmar Engels, dem Solo-Kontrabassisten des Landestheaters, der ihm nicht nur Anregungen und Hinweise gab, sondern den Bildhauer auch in dessen Atelier in Seßlach besuchte. "Beim Probestehen mit Gipskontrabass konnte ich weitere Beobachtungen anstellen", erinnert sich Krämmer.


Im August letzten Jahres begann Krämmer dann in Seßlach mit den Arbeiten im eigentlichen Gipsmodell in Originalgröße. Es zeigt Sperger beim Musizieren auf dem Kontrabass und ist das Resultat eines langwierigen Annäherungsprozesses. Für Krämmer war klar, dass sein Sperger-Denkmal den Komponisten und Musiker zusammen mit seinem Kontrabass zeigen sollte - auch deshalb, weil es von Sperger kaum originale Bildvorlagen gibt. Außerdem ist "der Kontrabass selbst ist ja schon eine Figur". Die Beziehung des Musikers zu seinem Instrumenten stand für Krämmer im Mittelpunkt seiner gestalterischen Überlegungen und Recherchen.


"In Mittenwald konnte ich das höchstwahrscheinlich orginale Instrument das Sperger spielte, in Augenschein nehmen", sagt Krämmer: einen Kontrabaß, den sich Sperger in Wien 1799 bei Dallinger anfertigen ließ. In Mittenwald konnte Krämmer Maße abnehmen und Konturen zeichnen.


Prozess der Verwandlung

Der Kontrabass und die Musiker, die dieses sperrige Instrument spielen, sind in der bildenden Kunst ein rares Sujet. "Ich selbst bin übrigens überhaupt kein Musiker", sagt Krämmer, "spiele auch kein Instrument, im Gymnasium scheiterten die Bemühungen der Geigenlehrer bereits in den Anfangsgründen." Geblieben aber sei "die Liebe, Musik zu hören".


Noch steht dem Sperger-Denkmal eine spannende Metamorphose bevor - die Verwandlung des knapp zwei Meter hohen Gips-Modells in einen Bronzeguss, der in der Kunstgießerei München entstehen wird. Der Prozess dieser Verwandlung ist aufwändig. Zunächst "werden die Gipsteile mit Silkonformen abgeformt und mithilfe der Negative ein Modell aus Wachs erstellt , das wiederum in Schamott eingeformt, ausgeschmolzen wird", erläutert Krämmer: "In die gebrannte Negativform mit Kern wird dann als eine etwa fünf Millimeter starke Wandung die etwa 1100 Grad heiße Bronze eingegossen, später die Einzelteile dann zusammengeschweißt."


Rund zwei Monate dauert es, bis aus dem Gipsmodell eine Bronzeskulptur wird - vom Abformen über das Brennen der Schamottformen bis zum Gießen und abschließenden Ziselieren.



Einen weiteren Artikel über Andereas Krämmer finden Se hier:



Stationen eines Künstlerlebens


Andreas Krämmer wurde 1959 in Coburg geboren. Nach
dem Abitur am Gymnasium Casimirianum absolvierte er zunächst eine Lehre als Steinmetz- und Steinbildhauer, bevor er an der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste studierte (1982 bis 1988). Am "Institut für Elementares Formen" der Technischen Universität Braunschweig führte er Architekturstudenten in die Geheimnisse des plastischen Gestaltens ein. 2012 übersiedelte er nach Seßlach, wo er ein Atelier bezog.

Auszeichnungen 1987- Förderpreis der Stadt Coburg
1996 - "Gerhard Marcks Stipendium" des Kultusministeriums
2017 "Wolfgang-Klähn-Preis" in Hamburg

Arbeiten im öffentlichen Raum
"Dianabrunnen", Bad Rodach
"Figurenpaar", Braunschweig, Weststadt
"Große Hockende", vor der Eingangsrotunde der Öffentlichen Versicherung, Braunschweig
Denkmal für den Dichter Friedrich von Bodenstedt - Marktplatz Peine
Große Pferdeplastik "Lancelot" (privates Gestüt Mieste/Sachsen-Anhalt)
"Reitende Alexandrine" - Alexandrinenplatz Ludwigslust, 2003
Denkmal für den Computerpionier Konrad Zuse in Bad Hersfeld
Denkmal für Konrad Duden, Bad Hersfeld an der Stiftskirche
Büste der Chemikerin Ida-Noddack in Wesel
Denkmal "Adam Riese", Bad Staffelstein,
"Herz über Kopf", Bronze, Iphofen

Arbeiten von Andreas Krämmer befinden sich in privaten Sammlungen beispielsweise in München, Iphofen, Rheinland-Pfalz, Mallorca, Athen

Literatur über Andreas Krämmer: Heinz Spielmann "Der Bildhauer Andreas Krämmer, Figur und Raum", 2007

Themen Im Zentrum der künstlerischen Arbeit von Andreas Krämmer steht die menschliche Figur. Akt, Porträt und Tierplastik. Großen Raum nehmen Bewegungsmotive sowohl in der Skulptur als auch in der Zeichnung ein, vor allem die Beschäftigung mit dem zeitgenössischen Tanztheater von Pina Bausch.

Johannes Matthias Sperger
Der Kontrabassist und Komponist Johannes Matthias Sperger wurde 1750 in Feldsberg im damaligen Niederösterreich geboren. Ab 1767 in Wien als Komponist und Kontrabassist ausgebildet, wirkte er zunächst in der Hofkapelle des Erzbischofs von Pressburg und später in der Hofkaplle des Grafen Ludwig von Erdödy. Von 1789 wirkte er als erster Kontrabassist der Mecklenburgisch-Schweriner Hofkapelle in Ludwigslust. Sperger starb im Mai 1812 in Ludwigslust. Sperger schrieb zahlreiche Sinfonien sowie Instrumentalkonzerte, darunter 18 Konzerte für Kontrabass. Die Internationale Johann-Matthias-Sperger-Gesellschaft richtet alle zwei Jahre den "Internationalen Johann-Matthias-Sperger-Wettbewerb für Kontrabass" aus, der in diesem Jahr seine zehnte Auflage in Ludwigslust erlebt.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren