Coburg
Tennis

Sensation perfekt: Oberfranken Kevin Krawietz ist Grand-Slam-Sieger

Der 27-jährige Witzmannsberger (Kreis Coburg) hat es geschafft: 6:2 und 7:6 triumphierte er bei den French Open im Herren-Doppel mit Andreas Mies.
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Kevin Krawietz (l) und Andreas Mies jubeln mit dem Pokal nach ihrem Turniersieg. Foto: Pavel Golovkin/AP/dpa
Kevin Krawietz (l) und Andreas Mies jubeln mit dem Pokal nach ihrem Turniersieg. Foto: Pavel Golovkin/AP/dpa
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Die Sensation ist perfekt. Kevin Krawietz aus dem Ahorner Gemeindeteil Witzmannsberg ist Grand-Slam-Sieger. Gemeinsam mit dem Stuttgarter Andreas Mies gewann der 27-Jährige das Doppelfinale bei den French Open. Beim souveränen 6:2 und 7:6 (7:3) gegen die beiden Franzosen Franzosen J. Chardy und F. Martin präsentierte sich Krawietz in überragender Form auf dem Center-Court Philippe-Chatrier.

"Dann reißen wir die Hütte hier ab und machen einen große Party" - so beantwortete Krawietz vor dem Spiel die Frage, was er denn bei einem Turniersieg machen würde. Und sie ließen ihren Worten eindrucksvolle Taten folgen, denn die beiden spielten das Doppel ihres Leben.

Der 1. Satz

Toller Auftakt: Hochmotiviert und auf jeden Ball fokussiert starteten die beiden Deutschen in ihr "Spiel des Jahres". Ein Zu-Null-Break mit tollen Returns. Wahnsinn! Anschließend ein starkes Aufschlagspiel von Krawietz: 2:0 nach nur fünf Minuten. Besser hätte die Anfangsphase nicht laufen können. Die Franzosen wirkten nervös, produzierten doch den einen oder anderen leichten Fehler.

Und auch im dritten Spiel gab es nach einem tollen Überkopfball von Krawietz sofort einen Breakball, der allerdings nicht genutzt wurde, weil der Return von Krawietz an der Netzkante hängenblieb. Der Ball "guckte" schon rüber - schade!

Doch es war Krawietz, der dem ersten Satz seinen Stempel aufdrückte. Er wirkte locker, spielfreudig und nutze den zweiten Breakball mit einem Rückhand-Slice. Diagonal landete sein Return kurz vor der Linie. Das zweite Break, 3:0-Führung - mehr als die halbe Miete im ersten Satz.

Es ging ganz nach dem Geschmack des kleinen deutschen Anhangs weiter. Zum Entsetzen der französischen Zuschauer kam ihr Doppel nämlich nicht in Schwung und blieb weiter unter ihren Möglichkeiten. Vor allem der erfahrene Chardy produzierte unter dem anhaltenden Druck der Deutschen Fehler wie am Fließband. Über 4:0 und 5:1 nutze Mies mit seinem ersten Ass nach exakt 30 Minuten den zweiten Satzball zum 6:2. Zu diesem Zeitpunkt waren genau 46 Ballwechsel gespielt - 32 davon holten sich KK und AM!

Der 2. Satz

Jetzt lief Mies zur Höchstform auf. Wie eine Wand stand er am Netz und war dort kaum zu überwinden. Mit vier sehenswerten Volleys bei Aufschlag Krawietz glich er zum 1:1 aus. Und sein ebenfalls in Grün-Grau gekleidete Partner stand ihm in nichts nach. Krawietz sprühte förmlich vor Spielfreude, hatte eine perfekte Platzaufteilung und ein tolles Auge. Bereits im dritten Spiel des zweiten Satzes ergab sich wieder eine Breakchance, die jedoch nicht genutzt wurde.

Da sich nun aber auch die beiden Lokalmatadoren deutlich steigerten, wurde die Partie nicht nur enger, sondern auch qualitativ besser. Auf dem über die Hälfte der Plätze besetzten Court kam aber auch deshalb keine Heimstimmung auf, weil sich die Deutschen einfach keine Blöße gaben. Immer wieder kamen nach spektakulär gewonnen Ballwechseln die Fäuste - das Duo funktionierte perfekt.

Und sie hatten immer wieder eine Idee. Egal ob sie den Return als Lob spielten oder der Netzspieler entschlossen in die Mitte rückte. Alles klappte, dazu eine geniale Raumaufteilung.

Trotzdem blieb es eng. 3:3 nach dem kein Spieler sein Aufschlagspiel verlor. Die Franzosen legten vor, die Deutschen zogen nach. Im siebten Spiel riss beim Schläger von Krawietz eine Seite, nicht aber sein Rhythmus. Mental ganz stark schlug er bei 4:5-Rückstand auf und glich erneut aus. Die Franzosen hatten auch nach über einer Stunde Spielzeit keinen einzigen Breakball, steigerten sich dafür aber bei eigenem Aufschlag.

Dann kam es zum ultimativen Ballwechsel des Spiels: Acht Mal haute sich das Quartett den Ball volley am Netz auf engstem Raum um die Ohren. Rechts, Links, Tief und Hoch - unglaublich. Keiner gab nach, ehe schließlich doch Andreas Mies dem Rennen ein deutsches Happy End bereitete. Er riss die Arme in den Himmel, der Jubel kannte bei ihren Fans keine Grenzen und die vielen Franzosen klatschen anerkennend Beifall. Der Lohn war der erste Breakball. Doch den wehrten die Franzosen noch ab und retteten ihr enorm wichtiges Aufschlagspiel nach knapp sieben Minuten doch noch: 6:5-Führung für die "Gastgeber"!

Jetzt war Mies gefordert, doch auch er hielt dem Druck stand und servierte sich und seinen Partner nervenstark nach 46 Minuten im zweiten Satz in den Tiebreak: Dem 1:0 für die Franzosen folgten zwei gute Aufschläge des Witzmansberger zum 2:1. Auch Martin hielt sein Service: 3:2. Mies dann perfekt: Zwei Asse zum richtigen Zeitpunkt 4:3. Dann das Mini-Break! 5:3 - jetzt fehlten noch zwei Ballwechsel zum Grand-Slam-Sieg. Krawietz holte mit einem überragenden Volley-Stopp drei Matchbälle heraus. Und gleich den ersten haute Mies den Franzosen erbarmungslos um die Ohren. Grand-Slam-Sieger! Die Schläger flogen weg, die beiden deutschen Tennis-Helden lagen für ein paar Sekunden im Sand, konnten ihr Glück kaum fassen. Kurz darauf bedankten sie sich bei ihren Fans, die gemeinsam "Oh wie ist das schön anstimmten." Die Voraussetzungen, um in Paris "die Hütte abzureißen" waren jedenfalls in diesem Moment geschaffen.

Beeindruckend wie sein Spiel war schließlich auch die Siegesrede von Kevin Krawietz auf Englisch: "Er bedankte sich nicht nur bei seiner Freundin Judith und seinen Eltern, sondern auch bei seinem zu Hause gebliebenen Trainer Klaus Langenbach. Er entschuldigte sich auch bei Publikum, dass sie die Lokalmatadoren bezwungen haben. Er lobte die beiden Gegenspieler. Und er hatte die Lacher auf seiner Seite, als er meinte, dass er sich bereits am Freitag eine Siegesrede überlegte, ihm jetzt jedoch die Worte fehlen würden"

Mit dem Gewinn des Finales sind die beiden übrigens auch um stolze 580.000 Euro und 2000 Weltranglisten-Punkte für das Doppel reicher.

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