LKR Coburg

Senkt oder befeuert die Landwirtschaft den Ausstoß von Treibhausgasen?

Beim "Agrarpolitischen Diskussionsabend" in Coburg befasste man sich mit dem Thema Klimawandel. Eine Erkenntnis: Weniger Fleisch zu essen, wäre gut.
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Schon vor dem Impulsreferat kommt man mit Mathias Effenberger (Dritter von links) ins Gespräch. Foto: Gabi Bertram
Schon vor dem Impulsreferat kommt man mit Mathias Effenberger (Dritter von links) ins Gespräch. Foto: Gabi Bertram

Mit dem Thema "Klimawandel - Landwirtschaft als Quelle und Senke von Treibhausgasen" starteten die Coburger landwirtschaftlichen Verbände in das Winterprogramm. Zahlreiche Vorträge und Diskussionsrunden sind geplant.

Zum "Agrarpolitischen Diskussionsabend" unter dem Motto "Klimawandel" hatte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg Dr. Mathias Effenberger von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft eingeladen. In seinem Vortrag beleuchtete er die Landwirtschaft einerseits als Quelle von Treibhausgasen, mit der Erzeugung von Kulturpflanzen aber auch als wirksame Senke von Kohlendioxid. Der Diskussion um Klimaschutz und Klimawandel, betonte eingangs Kreisobmann Martin Flohrschütz, könne und wolle sich die Landwirtschaft nicht verschließen, müsse vielmehr Antworten finden. Nur als Buhmann werde man sich nicht hinstellen, dazu sei das Thema zu komplex und zukunftsrelevant. Ja, meinte auch Effenberger, in den Diskussionen um den Klimawandel werde der Schwarze Peter hin- und hergeschoben. Es gehe aber nicht um Schuldfragen, sondern um Ursachenforschung und Lösungsfindungen.

Nicht zu leugnen sei, dass die Landwirtschaft durch Methan, Lachgas und den Einsatz von Wirtschaftsdünger nicht unerheblich zur -Konzentration und damit zum Treibhauseffekt beitrage. Im Treibhausinventar Deutschland stehe die Landwirtschaft mit acht Prozent allerdings weit hinter Energiewirtschaft, Industrie oder Verkehr. Und: Die Methanemissionen sänken bei der Energiewirtschaft und im Bereich Abfall/Abwasser, während die Werte in der Landwirtschaft nahezu gleich blieben. Ein Drittel der -Lachgasemissionen stammten beispielsweise aus Landwirtschaft und Landnutzung. Dagegen fungiere die Forstwirtschaft als "Senke", weil sie allein in Bayern 58 Prozent der -Emissionen kompensiere. Auch der Humusaufbau auf landwirtschaftlich genutzten Böden trage zum Senken der Emission bei, sei also eine Emissionssenke.

Weniger Fleisch

Wichtig sei, dass alles, was die -Emissionen vermindern könne, auszubauen. Was das ist, sei in der Bayerischen Klimaschutzoffensive in einem 10-Punkte-Programm benannt. Effenberger nannte den Erhalt des Waldes als Kohlenstoffspeicher und Rohstoffquelle, die Renaturierung von Mooren, eine klimaschonende Landwirtschaft mit Ökolandbau, den Stopp der Humusverluste, eine zehnprozentige Minderung der Treibhausgasemissionen aus Rinder haltenden Betrieben, aber auch die Forschung zur Klimaresilienz. Und, so der Referent, es gehe auch um nachhaltige Ernährungsweisen, was schlichtweg heiße: weniger Fleisch. "Wie bringt man das den Leuten bei?", fragten die Bauern. Wenn Fleisch teurer würde, würde schließlich der globale Markt einspringen. Ja, Klimaschutz, meint Effenberger, sei auch eine globale Aufgabe, die zu lösen globale Standards erfordere.

Die Handlungsoptionen sind dementsprechend begrenzt. Methanemissionen aus der Tierhaltung zu senken, sei schwierig, weil die Verdauungsprozesse so laufen, wie sie laufen. Emissionen könnten durch das Wirtschaftsdüngermanagement beispielsweise über die Ausbringtechnik reduziert oder vermieden werden. Auch bei der Milcherzeugung gebe es Optimierungspotenzial.

Nicht das vordringliche Problem

Auf die Landwirtschaft, so Effenberger, werde zunehmend Druck ausgeübt. Seines Erachtens geht es künftig vielmehr um Resilienz als um Effizienz. Zur Erklärung: Resilienz ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und diese auf der Basis sozial vermittelter Ressourcen für Entwicklungen zu nutzen. Für Effenberger steht auch fest: "Klimaschutz ist nicht das vordringliche Problem der Landwirtschaft, denn letztlich gehe es darum, die Ernährung zu sichern." Nachhaltige Ernährungsstile seien eine Lösung, nur "die Gesellschaft ist eben nicht modellierbar".

Mitten in die fachlich kompetente Diskussion um Zahlen und Fakten um Methan, Lachgas oder Düngung fiel die Frage von Harald Reblitz: "Ist unsere Welt überhaupt noch zu retten?" Und Mathias Effenberger antwortete: "Ich bin nicht der geborene Optimist, sondern eher Realist" - und ließ alles offen.

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