Coburg
Auftritt

Sebastian Pufpaff im Coburger Kongresshaus: Der Mahner tarnt sich als Zyniker

Wie der Kabarettist Sebastian Pufpaff das Publikum im Coburger Kongresshaus mit gewagten Thesen verblüfft und unterhält.
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Zyniker oder Mahner? Sebastian Pufpaff gastierte erstmals im Coburger Kongresshaus.Foto: Jochen Berger
Zyniker oder Mahner? Sebastian Pufpaff gastierte erstmals im Coburger Kongresshaus.Foto: Jochen Berger
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Ganz am Anfang steht ein Bekenntnis. "Mir geht's gut", sagt der Kabarettist Sebastian Pufpaff. In Zeiten von Klimawandel und kollektiv beschworener Weltuntergangs-Stimmung ist das ein verstörendes Bekenntnis. Und Pufpaff macht bei seinem Gastspiel im gut besuchten Coburger Kongresshaus keine Anstalten, sich für sein Wohlergehen zu entschuldigen.

Grundpfeiler des Erfolgs

Pufpaff auf der Bühne - ist das ein Alleinunterhalter auf dem Egotrip der eigenen Zufriedenheit? Schließlich ist aus Pufpaffs Sicht alles wunderbar in dieser Welt des Jahres 2019. "Manchmal ertappe ich mich vor dem Spiegel und denke: Da hat einer aber Glück gehabt." Seine Checkliste ist kurz, aber unmissverständlich: "Ich bin weiß, bin Hetero, habe Abitur und bin ein Mann. Das sind die vier Grundpfeiler des Erfolgs."

Für sein neues Programm "Wir nach" hat sich Pufpaff, dunkler Anzug, dunkle Krawatte zu weißem Hemd, ein ganz einfach funktionierende Rolle ausgedacht. Er spielt den selbstzufriedenen Wohlstands-Zyniker, um dem Publikum seine Themen ohne den erhobenen moralischen Zeigefinger nahe zu bringen. "Picken Sie sich nur die Dinge heraus, die zu Ihnen und Ihrem Leben passen", rät dieser Zyniker: "Dann lebt es sich wunderbar." Das Zauberwort, das Pufpaff propagiert: selektive Wahrnehmung.

Probleme einfach ignorieren

Diesen Trick, die real existierenden Probleme der Welt einfach nicht an sich heran zu lassen, führt Pufpaff an vielen Beispielen unmissverständlich vor Augen - von der statistisch gesehen schlechten Bezahlung für Frauen bis zu psychischen Problemen, unter denen immer mehr Menschen in Deutschland leiden. In der Rolle des selbstzufrieden Zynikers aber wird Pufpaff klammheimlich zum Mahner, der schließlich auch noch diese Selbsterkenntnis parat: "So einfach ist das mit der Ungerechtigkeit - oft erfährt man sie erst, wenn sie einem selber widerfährt."

Zombie-Familie

Im zweiten Teil gibt Sebastian Pufpaff den Analytiker gesellschaftlicher Zustände: "Wir sind wieder im Mittelalter - wir stellen Leute an den Pranger. Wir suchen keine Lösungen, sondern einen Schuldigen."

Für seine Sicht auf eine Gesellschaft, die dem digitalen Wandel huldigt, hat Pufpaff ein erschreckendes Bild einer Zombie-Familie vor Augen, die in einer Feriensiedlung in Tunesien Urlaub macht: Die Kinder sind mit drahtlosen Kopfhörern gegen jedwede Einflüsse der realen Welt abgeschirmt, während sich die Eltern über ihre Smartphone-Displays beugen und per WhatsApp kommunizieren. Die Welt draußen, die reale Welt, geht schließlich niemanden etwas an. Reichlich Applaus für Pufpaffs Coburg-Debüt.

Stationen eines Kabarettisten

Sebastian Pufpaff wurde im Jahr 1976 in Troisdorf geboren, studierte zunächst Rechtswissenschaft in Frankfurt am Main und anschließend Politikwissenschaft, Soziologie und Staatsrecht in Bonn. Erste Comedy-Erfahrungen sammelte er sei 2004 mit dem Kabarett-Trio "Das Bundeskabarett". 2010 wurde er als Solokabarettist beim Prix Pantheon mit dem Publikumspreis bedacht. Mit seinem ersten Soloprogramm war er ab 2011 unterwegs. Im Fernsehen ist er mit "Pufpaffs Happy Hour" (3sat, ZDFkultur) vertreten.

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