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Gesellschaft

Schulung im Kreis Coburg: Umgang mit Demenzkranken

Das Netzwerk "Demenz" bietet ein neues Schulungsangebot für Berufsgruppen an, die viel mit Menschen zu tun haben. Das soll die Unsicherheit im Umgang mit den Erkrankten wegnehmen und deren Teilhabe erleichtern.
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Eine alte Frau bekommt Hilfestellung beim Trinken. Wie man mit Demenzkranken umgehen sollte, vermittelt eine neuartige Schulung. Foto: alephnull /fotolia.com
Eine alte Frau bekommt Hilfestellung beim Trinken. Wie man mit Demenzkranken umgehen sollte, vermittelt eine neuartige Schulung. Foto: alephnull /fotolia.com
Wie soll die Verkäuferin reagieren, wenn ein verwirrter älterer Mensch an die Kasse im Supermarkt kommt? Fragen wie dieser widmet sich das Netzwerk "Demenz" von Coburg Stadt und Land. Die Akteure kommen aus dem gerontopsychiatrischen Arbeitskreis und bieten nun ein neues Schulungsangebot explizit für Berufsgruppen an, die nicht im Bereich Demenz arbeiten, aber im Berufsalltag mit dem Thema konfrontiert werden.
Die Netzwerkpartner stellten am Dienstag im Landratsamt Coburg ihre Arbeit und das neue Angebot vor. Der Anteil an hochbetagten Menschen in der Bevölkerung steigt stetig an, damit erhöht sich auch die Zahl an demenzkranken Menschen. "Und zwar deutlich schneller", so Professor Dr.
Johannes Kraft, Chefarzt Geriatrie Klinikum Coburg, "als noch vor zehn Jahren prognostiziert." Vor allem die Diagnose "Alzheimer" werde demnach weiter zunehmen.

Da in der Stadt und im Landkreis Coburg der Altersdurchschnitt höher ist als im übrigen Bayern, liegt auch die Zahl der demenzkranken Menschen deutlich über dem Schnitt. Laut Kraft leben in Stadt und Landkreis Coburg aktuell etwa 2600 erkrankte Menschen und jeder Dritte, das sind knapp 900 ältere Bürger, wohnt allein zu Hause. Betroffen sind vornehmlich ältere Frauen, meist Witwen. "Darauf müssen wir unser besonderes Augenmerk richten", sagte der Mediziner.


Kraft: Wohnraum anpassen

Kraft weiß, dass 90 Prozent dieser Gruppe bis zum Lebensende in ihrem gewohnten Umfeld bleiben wollen. "Die Realität sieht anders aus", sagte Kraft, "70 Prozent sterben in Pflegeheimen und Krankenhäusern." Deswegen sei die Anpassung des Wohnraums eine Herausforderung.

Auf dem Gebiet Demenz nehmen Coburg Stadt und Land laut Kraft beispielsweise mit dem Pflegestützpunkt oder den häuslichen Hilfen eine Vorreiterrolle ein, die bis nach München und Berlin strahle. In dem neuen Angebot sehen die Partner einen weiteren Puzzlestein der erfolgreichen Arbeit. Das Schulungsangebot gibt es bereits seit dem vergangen Jahr: Mit dem Einzelhandel und der Verwaltung der Stadt Bad Rodach habe man begonnen, erläuterte Liane Blietzsch vom Awo-Mehrgenerationenhaus. "Wir haben festgestellt, dass in der Verwaltung jeder Angestellte schon mal mit dem Thema zu tun hatte." Norbert Hartz vom Caritasverband Coburg wies darauf hin, dass Demenzkranke nun mal in der Bevölkerung lebten und dies auch könnten. "Mit der Schulung soll man den Umgang lernen und er soll vor allem selbstverständlich werden", betonte Hartz.

Für Thomas Nowak, Dritter Bürgermeister der Stadt Coburg (SPD), gehört auch der Umgang mit den Hochbetagten zur Familienfreundlichkeit. "Familienfreundlichkeit hat nicht nur etwas mit Kindergärten zu tun." Ein breites Angebot sei ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen und Fachkräfte. Dies bestätigte Professor Kraft. "Unternehmen denken in die Zukunft, Fachkräfte denken auch an ihre Eltern."


Alltags- und berufsnah

Fachleute des Demenz-Netzwerkes Coburg Stadt und Land führen die Schulungen, die viele alltags- und berufsnahe Beispiele bieten, durch. Es gibt auch allgemeine Informationen zu den Begriffen Demenz oder Alzheimer, Zielgruppen sind Mitarbeiter aus dem Einzelhandel, der Verwaltung, der Industrie und dem Handwerk, dem Bankwesen, der Polizei oder der Feuerwehr. Die Fäden laufen bei der Koordinatorin Martina Roos am Landratsamt Coburg zusammen (Telefonnummer: 09561/514-163, Fax: 09561/514-89161, E-Mail: martina.roos@landkreis-coburg.de).

Die Gruppengröße umfasst fünf bis 25 Teilnehmer, der Zeitumfang beträgt drei Stunden, die aufgeteilt werden können. Die Schulungen erfolgen in den Firmen oder in den Räumen der Partner des Demenz-Netzwerkes in den Monaten Februar, März, April, Juni, September und Oktober. Die Kosten betragen für firmeninterne Schulungen 200 Euro, für firmenübergreifende Schulungen 15 Euro pro Teilnehmer (berufsspezifische Schulungen für Teilnehmer aus mehreren Betrieben).


Informationen

Auskunft in allen Fragen rund die Pflege bietet die Fachstelle für pflegende Angehörige "Mehr Generationen Haus", Oberer Bürglaß 3, 09561 / 5126333, awo.treff.coburg@awo-ofr-mfr.de und der Pflegestützpunkt im Bürglaßschlösschen, Oberer Bürglaß 1, Terminvereinbarung: 09561/ 891555

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