Das ist eins der Ergebnisse aus dem Comenius-Projekt, an dem 40 Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums Casimirianum fast zwei Jahre lang gearbeitet haben. "Gender Roles Through Time And Place" lautet das Thema, was mit "Geschlechterrolle im Wandel der Zeiten und Orte" nur unvollkommen übersetzt wäre. Natürlich ging es auch darum, zu sehen, wer welche Geschlechterklischees und Rollenmodelle im Kopf hat. Das Casi arbeitete in dieser Frage mit Schulen in Schweden, Luxemburg, Belgien und Spanien zusammen.
Ja, natürlich seien Geschlechterrollen noch ein Thema, sagt Jessica Hentschel. Frauen seien ja immer noch schlechter bezahlt, wirft Anna-Maria Engel ein. Aber andererseits wollen sie sich von den Klischees und Rollenbildern so wenig wie möglich beeinflussen lassen. Doch es gelingt nicht immer: Die Schüler haben sich selbst zum Studienobjekt gemacht. Jede Schule bearbeitete einen Schwerpunkt, alle Beteiligten mussten die Fragebögen ausfüllen. Da ging es um soziales Verhalten, Wissenschaft, Gesundheit, ... "Das waren teilweise sehr persönliche Fragen!", erzählt Jessica Hentschel. Die Ergebnisse wurden in Tabellen zusammengetragen und auf Postern festgehalten. Die Mädchen wünschen sich mehrheitlich einen Beruf, der mit Menschen zu tun hat, die Jungs achten vor allem auf gute Bezahlung. Sehr ähnlich sind ihre Vorstellungen, wenn es um das Familienleben geht: Beide Eltern sollten sich um die Kinder kümmern, sagen sie. Allerdings: Mehr Jungs als Mädchen finden, dass die Mütter zu Hause bei den Kindern bleiben sollten.
Doch so interessant die Projektarbeit auch war - noch wichtiger waren die direkten Kontakte zu den Schülern im Ausland. Die gemeinsame Arbeitssprache war Englisch - ein Riesenvorteil, sagen die Casi-Schüler übereinstimmend: Für alle Beteiligten war es eine Fremdsprache, die keiner perfekt beherrscht. Also war die Hemmschwelle fürs Reden viel niedriger. "Und es dauert keinen Tag, dann sind alle über Facebook vernetzt", sagt Studiendirektorin Ursula Kick-Bernklau, die Projektbetreuerin und stellvertretende Schulleiterin.
Sie hatte auch die Idee für das Thema. Sie wollte eines, das sich mit der Coburger Geschichte und den europäischen Verbindungen des vormaligen Herzogshauses verbinden ließ. Beziehungen bestehen nach Schweden, Belgien, Spanien, Luxemburg, just den Ländern, aus denen nun die Partnerschulen kommen. Prinz Andreas von Sachsen-Coburg und Gotha hat auch die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen.

Die Arbeitsergebnisse der fünf internationalen Workshops an den verschiedenen Schulen werden auf 30 Postern präsentiert. Sie sind ab 4. Mai im Andromedasaal der Ehrenburg (Landesbibliothek) zu sehen. Zur Eröffnung der Ausstellung werden auch Delegationen aus den Partnerschulen Blankenberge (Belgien), Esch-sur-Alzette (Luxemburg), Ödeshög (Schweden) und Aranjuez (Spanien) in Coburg erwartet.

Das Comenius-Programm ist eingebunden in das EU-Programm für lebenslanges Lernen. Teilnehmen können alle Bildungsinstitutionen, von der Vorschule bis zur Universität. Ziel ist es, bei jungen Menschen und Lehrkräften das Wissen und das Verständnis für die Vielfalt der europäischen Kulturen, Sprachen und Werte zu fördern.