Coburg

Schläge und Bisse ausgeteilt

Einem Asylbewerber werden versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Ein schon länger schwellender Streit war im Sommer eskaliert.
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Der Angeklagte (links) auf dem Weg zu seinem Platz im Gerichtssaal Foto: Christoph Winter
Der Angeklagte (links) auf dem Weg zu seinem Platz im Gerichtssaal Foto: Christoph Winter

In einer Asylunterkunft in Coburg eskalierte im Sommer dieses Jahres ein Streit zwischen zwei Männern aus Eritrea. Dabei soll es zu Schlägen mit einer etwa 30 Zentimeter langen Latte gekommen sein. Die Staatsanwaltschaft Coburg wirft dem 40-jährigen Angeklagten versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor.

Erinnerungslücken

Bei der Verhandlung am Dienstag vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Coburg wurden unterschiedliche Darstellungen des Tathergangs offenbar. Darüber hinaus hatte der Beschuldigte Erinnerungslücken, die eventuell durch erhebliche Kopfverletzungen bedingt sind, die der Mann als Soldat im Krieg zwischen Eritrea und Äthiopien erlitten hat.

Die beiden Männer bewohnten seit Mai 2018 eine Wohnung in der Asylbewerberunterkunft in einem Coburger Stadtteil. Im Lauf der Zeit bauten sich mehr und mehr Spannungen auf. So soll der Jüngere, das 19 Jahre alte Opfer und Nebenkläger, schlecht über den Angeklagten geredet und das Zusammenleben in der Wohnung durch laute Musik und Unordnung erschwert haben. Seinerseits sah sich der jüngere Mann durch den Älteren mitunter latent bedroht. Auch habe der Angeklagte gesagt, das Opfer sei nicht aus Eritrea, sondern aus Äthiopien, "um sich hier das Asylrecht zu erschleichen".

Gegenseitig an der Kehle gepackt

Der Angeklagte bestritt emotional jegliche Tötungsabsicht. "Ich möchte mich dafür entschuldigen", sagte er im Lauf des ersten Verhandlungstages.

Am 13. Juni, so die Anklage, sei der ehemalige Soldat ins Wohnzimmer gekommen und habe den auf den Sofa schlafenden Landsmann auf ein Bein geschlagen. In der Folge soll es zu zwei Schlägen mit der Holzlatte auf den Kopf des Jüngeren gekommen sein. Während der anschließenden Rangelei - die beiden Männer hatten sich gegenseitig an der Kehle gepackt, waren zwischenzeitlich zu Boden gegangen und hatten sich wieder aufrappeln können - erhielt das Opfer einen Biss in den Ringfinger der rechten Hand, während der Angeklagte Bisswunden am Rücken davontrug. Durch die Schläge mit der Holzlatte erlitt der Jüngere Platzwunden auf der Stirn und am Hinterkopf. Die Bissverletzungen an der Hand des jungen Mannes werden immer noch behandelt, zuletzt in einer auf Handchirurgie spezialisierten Klinik. Noch nicht letztlich geklärt ist, ob der Finger amputiert werden muss.

An der Holzlatte war Blut

Mitbewohner des Hauses verständigten die Polizei, die in der Wohnung einen Splitter der Holzlatte sicherstellten. Die Holzlatte selbst fand ein Polizeihundeführer später in einem Gebüsch hinter dem Haus. Daran war Blut. An beiden Holzteilen wurden DNA-Spuren der beiden Männer sichergestellt.

Die Erste große Strafkammer am Landgericht Coburg unter Vorsitz von Richter Christoph Gillot bemühte sich intensiv, etwaige kriegsbedingte Wesensveränderungen und Verhaltensauffälligkeiten des Angeklagten zu ergründen. Zäh gestalteten sich die Befragungen, was sich wann und wo in der Wohnung zugetragen hatte. Die Darstellungen der beiden Beteiligten wurden von Dolmetschern übersetzt.

Die Verhandlung wird am 8. und 22. November fortgesetzt.

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