Coburg
Lesungen

Schauspieler lesen daheim bei den Coburgern

Es war kein Platz mehr zu vergeben bei den Coburger Bürgern, die ihre Häuser geöffnet hatten. Elf Ensemblemitglieder des Landestheater lasen dort aus ihren Lieblingsbüchern, mittlerweile schon zum sechsten Mal im Rahmen des Projektes "Literatur in den Häusern der Stadt".
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Intimes Flair und aufmerksame Stimmung: Sandrina Nitschke war eines der elf Ensemblemitglieder des Landestheaters, die "Literatur in den Häusern der Stadt" präsentierten.  Fotos: Jeanette Feyler
Intimes Flair und aufmerksame Stimmung: Sandrina Nitschke war eines der elf Ensemblemitglieder des Landestheaters, die "Literatur in den Häusern der Stadt" präsentierten. Fotos: Jeanette Feyler
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Die beliebte Veranstaltung war auch heuer Teil der Coburger Literaturtage. So etwa stellte Anna Staab Stefan Zweigs "Angst" vor, Helmut Jakobi las aus "1913: Der Sommer des Jahrhunderts" und Thomas Straus aus Timur Vermes anrührendem Werk "Er ist wieder da. Sommer 2001". Eine der Vortragenden war die 32-jährige Schauspielerin Sandrina Nitschke, die zur Zeit als hübsche Kohlhiesel-Tochter auf der Bühne des Landestheaters steht. Sie stellte in der Seifartshofstraße Michel Quints Buch "Die schrecklichen Gärten" vor, ein kleines, aber sehr intensives Buch, das 2002 aus dem Französischen übersetzt wurde.

Es handelt von einem Sohn, dem der eigene Vater peinlich ist, weil er sich in seiner Freizeit als der traurigste aller traurigen Clowns verdingt. Doch als André die Hintergründe erfährt, beginnt er zu verstehen.
Ohne Wahrheit kann es keine Hoffnung geben, versteht André, als sein Onkel ihm erzählt, was seinem Vater im 2. Weltkrieg widerfahren ist und was er trotz aller Gräuel auch Gutes erlebt hat - von einem "Soldatenclown" namens Bernhard Wicki. André beginnt zu ahnen, wie sich sein Vater fühlt mit "dicken schwarz gemalten Ringen unter den Augen und dem Gipsweiß einer künstlichen Leiche auf den Wangen, wenn der Papa versucht, all die zu sein, deren Lachen verstummt ist in Buchenwäldern und Birkenauen".

Die zahlreichen Zuhörer lauschten der zauberhaften Stimme von Sandrina Nitschke gebannt, es floss sogar das eine oder andere Tränchen, nachdem die Schauspielerin fast das ganze Buch vorgelesen hatte.

Die Idee, Schauspieler bei den Leuten daheim lesen zu lassen, wurde in diesem Jahr von Schauspieldramaturg Georg Mellert umgesetzt und organisiert. Die Karten für die elf Lesungen waren restlos ausverkauft. Zum Abschluss trafen sich Gastgeber, Schauspieler und Zuhörer noch im Münchner Hofbräu, um den Abend Revue passieren zu lassen. Georg Mellert denkt nun bereits an die nächste Auflage dieses "Theaters Extra".
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