Laden...
Coburg
Krise

Scharfe Kritik am Verein Hilfe für das behinderte Kind Coburg

Die Beschäftigten des Vereins Hilfe für das behinderte Kind haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Gewerkschaft fordert mehr Transparenz.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Verein Hilfe für das behinderte Kind  steht in der Kritik.  Foto: CT-Archiv/Oliver Schmidt
Der Verein Hilfe für das behinderte Kind steht in der Kritik. Foto: CT-Archiv/Oliver Schmidt
Der Verein Hilfe für das behinderte Kind Coburg steckt seit einigen Jahren in einer finanziellen Schieflage. Davon sind ebenfalls die drei dazugehörigen Tochtergesellschaften - die Heilpädagogischen Einrichtungen gGmbH, das Schulförderzentrum gGmbH und die Medizinisch-Therapeutischen Einrichtungen gGmbH - betroffen. "Mit der Gründung der Tochtergesellschaften im Jahr 1996 begannen die Probleme für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Waren sie vorher noch in Vollzeit beim Verein beschäftigt, war nun in vielen Abteilungen der neugegründeten gGmbHs nur noch eine Teilzeitbeschäftigung möglich. Um in Vollzeit arbeiten zu können, mussten sie fortan ein Arbeitsverhältnis bei zwei Arbeitgebern eingehen. Hinzu kamen ständige Befristungen der Arbeitsverträge. Dies führte zu großen innerbetrieblichen Konflikten, die bis heute nachwirken und die jetzige Gesamtsituation stark verschlechtern", heißt es in einer Pressemitteilung, die am Donnerstag von Magdalene Majeed, Gewerkschaftssekretärin von ver.di Bezirk Oberfranken-West, verschickt wurde.

Der Verein hatte vor Kurzem bekannt gegeben, mit dem Diakonischen Werk Coburg eine Kooperation in Form einer gemeinsamen Holding GmbH gründen zu wollen. Auf einer Mitgliederversammlung des Vereins sei dies nun wieder als fraglich dargestellt worden. Von einer Mehrheitsübernahme der Diakonie sei nun die Rede.

Aktuell bemängeln die Beschäftigten die Informationspolitik der Gesellschaften und des Vereins. Zudem kritisieren die Betriebsräte die ungenügende Einbeziehung in Fragen der aktuellen Lage und deren Entwicklung. Auf einer Betriebsversammlung habe Geschäftsführer Holger Flettner als grundlegendes Problem der Misere, die unzureichende Refinanzierung der Kostenträger, insbesondere durch den Bezirk Oberfranken genannt.

Susanne Schmehle, Betriebsrätin in den Heilpädagogischen Einrichtungen gGmbH: "Immer öfter hören die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen die Worte ‚drohende Insolvenz‘. Zu den großen Arbeitsbelastungen aufgrund der innerbetrieblichen Schwierigkeiten kommt nun also noch die Angst, wie es weitergeht."

Die vertretenen Gewerkschaften ver.di und GEW sind über die innerbetriebliche Lage informiert. Die zuständige ver.di-Gewerkschaftssekretärin Magdalene Majeed zur aktuellen Lage: "Sowohl ver.di als auch die GEW begleiten und unterstützen die Kolleginnen und Kollegen nun mehr seit vielen Jahren. Uns geht es um das Wohl der Belegschaft und das heißt, dass wir eine transparente Kommunikation, sowie eine Offenlegung der Haushalte zwischen dem Verein/Tochtergesellschaften und der Belegschaft fordern. Darüber hinaus muss bei einem Betriebsübergang, in welcher Art und Weise dieser stattfindet, für einen Erhalt aller Arbeitsplätze gekämpft werden. " Es dürfe zu keiner einzigen Entlassung sowie zu keiner Verschlechterung der Arbeitsbedingungen oder Bezahlung kommen, schreibt die Gewerkschaftssekretärin.
Nachgehakt
"Gewerkschaft verunsichert Belegschaft"
Der Unmut der Mitarbeiter im Verein Hilfe für das behinderte Kind wächst. Vor allem mangelnde Transparenz und eine schwache Informationspolitik werden von Seiten der Gewerkschaft kritisiert. Das Tageblatt wollte von der Geschäftsführerin Karolin Netschiporenko wissen, wie sie die Situation beurteilt.
Frau Netschiporenko, müssen die Mitarbeiter des Vereins Hilfe für das behinderte Kind einschließlich der Tochtergesellschaften um ihre Arbeitsplätze fürchten? Droht die Insolvenz?
Karolin Netschiporenko: Die Mitarbeiter wissen, dass sie bei uns eine wichtige Arbeit leisten und dass wir dies wertschätzen. Der Fachkräftemangel im pädagogischen und pflegerischen Bereich ist allen bekannt, auch unseren Mitarbeitern. Sie sind diejenigen, die darunter leiden, wenn eine freie Stelle nicht schnell genug nachbesetzt werden kann.
Die formulierten Fragen stammen nicht von unseren Mitarbeitern, sondern von Gewerkschaftsseite, welche scheinbar diese Zusammenhänge nicht kennt. Unsere Mitarbeiter wissen auch, dass wir zum Beispiel mit unseren Schulen als gemeinnütziger Träger staatliche Pflichtaufgaben erfüllen, was wesentlich die Arbeitsplatzsicherheit bestimmt. Alle Maßnahmen für die Kooperation mit dem Diakonischen Werk Coburg dienen der Zukunftsausrichtung und der Erhaltung der Leistungen für behinderte Menschen und ihre Familien.

Wie steht es um die Kooperation mit dem Diakonischen Werk Coburg? Geht es dabei um eine gemeinsame Holding oder um eine Mehrheitsübernahmen durch die Diakonie?
Wir sind froh, dass die letzte Mitgliederversammlung der Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk Coburg schlussendlich zugestimmt hat. An der konkreten Ausgestaltung arbeiten zur Zeit unsere jeweiligen Wirtschaftsprüfer.

Bei der Mitgliederversammlung wurde die unzureichende Refinanzierung der Kostenträger kritisiert, die für die Schieflage mitverantwortlich seien. Könnten Sie das konkretisieren bzw. etwas näher erläutern?
Vertrauliche Informationen der Mitgliederversammlung unterliegen bekanntlich dem Datenschutz und sind somit nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Können Sie sich vorstellen, die Haushalte offen zu legen, wie von der Gewerkschaft gefordert? Welche Möglichkeiten sehen Sie, um die Informationspolitik zu verbessern und den Mitarbeitern das Gefühl von mehr Transparenz zu vermitteln?
Diese Forderung hören wir zum ersten Mal. Die Gewerkschaft hat sich seit Jahren nicht mehr gemeldet. Mit unserer Erfahrung aus dem Jahr 2009 würden wir uns darauf aber auch gar nicht einlassen. Deren Vorgehen führt durch die aktuelle Pressemitteilung zu unnötiger Verunsicherung der Belegschaft.
Alle Mitarbeiter haben bereits eine Einladung zur Mitarbeiterversammlung am 16. Mai.Darüber hinaus finden regelmäßige Gespräche mit der Mitarbeitervertretung und den Betriebsräten statt.

Die Fragen stellte Christiane Lehmann.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren