Rossach
Geschäftsidee

Saskia Jeske baut Möbel und Särge für Tiere

Eine Zeit lang führte Saskia Jeske mit ihrer kleinen Werkstatt einen schweren Kampf gegen die Schreiner-Riesen der Branche. Doch dann hatte sie eine tierisch gute Idee.
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Saskia Jeske baut Möbel und Särge für Tiere. Fotos: Thomas Heuchling
Saskia Jeske baut Möbel und Särge für Tiere. Fotos: Thomas Heuchling
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Saskia Jeske war schon in ihrer Ausbildung besonders. "In allen Klassen war ich immer die einzige Frau", sagt Jeske, die in ihrer Werkstatt in Rossach gerade an etwas sehr speziellem arbeitet - einem Chalet für den Hund einer Kundin aus Wien. Aber bis Jeske mit dem Bau von Tiermöbeln und -särgen einen Teil ihres Lebensunterhalts erwirtschaften konnte, war es ein langer Weg.

"Als Frau bekommst du in der Branche nichts. Deshalb habe ich 2004 meine eigene kleine Werkstatt aufgemacht", erinnert sich Jeske, die gerade mit Schleifpapier ein kleines weißes X aus Holz bearbeitet. Aber die Werkstatt lief nicht gut. Die Vorstellungen vom Wert eines Möbelstücks sind heute durch die Branchenriesen geprägt, das bekam Jeske zu spüren. "Viele Leute hatten einfach eine andere Wertvorstellung. Kleine Schreinereien haben es schwer", sagt Jeske. Der Betrieb war am Ende.
Dass es das Leben zu diesem Zeitpunkt mit der heute 33-Jährigen nicht gut meinte, merkt man an ihrer Stimme, wenn sie davon erzählt.

Vielleicht kann man es Schicksal nennen, dass dann auch noch Hund Leo im Sterben lag. "Ich hab einen kleinen Sarg für Leo gebaut. In meinem Freundeskreis ist das bekannt geworden und ich bekam Folgeaufträge", so Jeske. Sie hatte eine Nische entdeckt. Kleine Möbel, dass heißt für Jeske: Kleine Aufträge, Sicherheit und kein Warten mehr auf offene Rechnungen. Den Satz aus ihrer Lehre, den sie öfters hörte, wenn sie gerne an kleinen Stücken arbeitete: "Wir basteln nicht, wir bauen", kann sie jetzt getrost vergessen.

Kunden haben enge Bindung zum Tier
Nach und nach entfernte sie sich komplett vom "Humangeschäft", wie sie sagt, und hat sich komplett auf Tiermöbel spezialisiert. Aber auch hier droht wieder die Konkurrenz der großen Ketten, in denen Futternäpfe und Tiermöbel in Masse angeboten werden. "Meine Sachen kauft nur die Minderheit, Leute die zu ihren Tieren eine enge Beziehung haben", sagt Jeske.

Inzwischen hat sie die große Kreissäge angeworfen und schneidet kleine Schlitze in ein wenige Zentimeter großes Holzstück. In einem Regal stehen Särge. Größe: Katzen bis Hunde. Damit hat sie angefangen, inzwischen gibt es Betten, Fressnäpfe und vieles mehr. Seit 2011 hat Jeske zwei Internetseiten, über die sie ihre Stücke aus Meisterhand inzwischen in ganz Europa vertreibt. "Seit drei Jahren gibt es eine positive Entwicklung. Seit Weihnachten habe ich jeden Tag zu tun", sagt die Schreinermeisterin. Aber trotzdem reicht es noch nicht ganz, um ihren Lebensunterhalt komplett zu bestreiten: "Ich gebe noch Musikunterricht an der VHS und Werkunterricht an der Grundschule. Hinzu kommt noch der Verdienst meines Mannes."



Sogar Anfragen aus Australien oder Hollywood hat die Rossacherin für ihre tierischen Möbelstücke und Särge. "Solche Anfragen muss ich leider noch absagen", gibt Jeske zu und erklärt auch warum: "Ich mache alles selbst: Produktion, Buchhaltung oder Werbung. Internationales Handelsrecht ist nochmal eine Wissenschaft für sich. Die Sachen sollen ja auch heil ankommen. Vielleicht in der Zukunft."

Ein Hunde-Chalet für 2300 Euro
Das Hunde-Chalet für die Wiener Kundin geht aber schon ein wenig in die Richtung eines Hollywood-Kunden. 2300 Euro kostet der Schattenspender für den Hund im Garten. "Geplant habe ich 50 Arbeitsstunden, aber es wird wohl etwas mehr werden. Im Juni fahre ich noch persönlich nach Wien und liefere es aus", sagt Jeske und kriecht in das Hundehaus hinein. Kleine Fenster, Dachschindeln und sogar Miniatur-Blumenkästen machen es zu einem aufwendigen Einzelstück.

Bei vielen ihrer Stücke dokumentiert sie die einzelnen Arbeitsschritte mit Fotos, damit der Kunde ein Gefühl und eine Wertschätzung für das Produkt bekommt.

Die neuste Idee in diese Richtung: Schreiner-Seife. "Die Leute sehen zwar die Bilder, aber bekommen leider nichts von dem Duft einer Schreinerei mit. Das wollte ich ändern und habe an der VHS einen Kurs zur Seifenherstellung gemacht , sagt Jeske. Seitdem kriegen ihre Kunden immer ein Stück Seife mit Sägespänen und Holzölen zum Sarg oder Bett dazu. "Man muss sich eben immer was einfallen lassen", sagt sie und nimmt ein Glas mit veganem Holzleim in die Hand, um die zugeschnittenen Stücke zu verkleben. "Ich arbeite nur mit Ölen, Farben und anderen Produkten, für die keine Tierversuche gemacht werden", erklärt Jeske. Auch dazu passt ihr Motto: "Anders sein als andere und vielleicht auch besser."

Hier geht es zur Seite von Saskia Jeske.
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