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Coburg
Hintergrund

Sanierungsfall Kunstverein Coburg

Warum vor dem Beginn einer umfassenden baulichen Instandsetzung der Ausstellungsgebäude noch grundsätzliche juristische Fragen geklärt werden müssen.
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Äußerlich noch immer ein Anziehungspunkt, im Inneren freilich sanierungsbedürftig: der Kusntverein Coburg und sein in den 80er Jahren errichteter Anbau.Foto: Jochen Berger
Äußerlich noch immer ein Anziehungspunkt, im Inneren freilich sanierungsbedürftig: der Kusntverein Coburg und sein in den 80er Jahren errichteter Anbau.Foto: Jochen Berger
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Risse, überall Risse. Im großen Vortragssaal des Kunstvereins ebenso wie im Untergeschoss. Und am betagten Parkettfußboden in der ehemaligen Voliere hat der Holzwurm Spuren hinterlassen. Der Kunstverein Coburg ist in die Jahre gekommen.

Längst ist der einstige Neubau eigentlich auch schon wieder ein Altbau. Wer beim Gang durch den Ausstellungspavillon am Rande des Kleinen Rosengartens nicht die Kunstwerke von Peter Stauder und Christa Filser betrachtet, sondern das Gebäude ins Visier nimmt, sieht ohne große Mühe viele schadhafte Stellen. Kein Zweifel: Der Kunstverein ist - baulich gesehen - ein Sanierungsfall.

Inhaltliche Erneuerung

Das wissen auch Vorsitzender Joachim Goslar und sein Stellvertreter Reinhard Heinritz. Gemeinsam haben Goslar und Heinritz im vergangenen Jahr bereits eine inhaltliche Sanierung des Kunstvereins und seiner Angebote in Angriff genommen. Seit 2019 firmiert der Kunstverein mit seinen Aktivitäten als Forum Kunst und hat dazu die Kooperation mit anderen Vereinen und Veranstaltern bewusst verstärkt und ausgebaut.

Beim Thema der baulichen Sanierung freilich sind Goslar und Heinritz die Hände gebunden. Denn der Kunstverein ist zwar Mieter der Ausstellungsgebäude, nach Ansicht der Stadt aber nicht der Eigentümer. Das gilt auch für den Erweiterungsbau, der 1984 in Angriff genommen, mit großer finanzieller Eigenleistung errichtet und 1986 eingeweiht wurde.

"Da die Gebäude fest auf dem städtischen Grund errichtet wurden, sind sie Bestandteil des Grundstücks und somit ist die Stadt auch Eigentümer der Gebäude", erläutert David Schmitt als Pressesprecher der Stadt auf Nachfrage die rechtliche Einschätzung aus Sicht der Kommune. Nach dem im September 1984 abgeschlossenen Mietvertrag mit der Stadt ist der Kunstverein als Nutzer für die "bauliche Unterhaltung" zuständig. Weil der Sanierungsbedarf nach Ansicht der Stadt inzwischen drängend ist, kam von städtischer Seite der Vorschlag, "einen neuen Mietvertrag zu erstellen, in dem für alle Gebäudeteile eine einheitliche Regelung getroffen wird".

Entscheidung im Mai oder Juni

Bislang hat der Kunstverein einen jährlichen Mietzins zu entrichten, der in gleicher Höhe als "Zuschuss zur Förderung der freischaffenden Kunst" gewährt wird. Im September 1995 war dieser Mietzins auf damals 2804 Mark festgesetzt worden.

Wie genau es weitergehen wird, ist noch unklar, wenn der Kunstverein künftig eine höhere Miete aufbringen sollte. "Dass der Kunstverein den marktüblichen Mietzins nicht aufbringen kann, ist der Stadt bewusst, was auch gegenüber den Vertretern des Kunstvereins kommuniziert wurde", erklärt Pressesprecher David Schmitt.

Eine Grundsatzentscheidung über die Sanierung wird freilich erst nach den Kommunalwahlen fallen - voraussichtlich im Mai oder Juni. In der Stadtverwaltung gibt es sogar schon konkrete Vorstellungen über die anfallenden Kosten der Sanierung.

Diese Zahlen jedoch, so der Pressesprecher, "werden noch vertraulich behandelt." Klar freilich ist: diese Kosten wird ausschließlich die Stadt Coburg tragen.

Übrigens hat die Stadt im vergangenen Jahr bereits investiert und den maroden Bodenbelag im Studioraum des Anbaus erneuert. Neu ist auch die Verwandlung der einstigen Garderobenecke in ein kleines Kunst-Café, die ebenfalls von der Stadt übernommen wurde, wie Reinhard Heinritz erklärt.

Zudem habe die Stadt im vergangenen Jahr Teile der sanitären Einrichtungen im Untergeschoss saniert. Alles erste Schritte auf dem weiten Weg einer umfassenden Sanierung der Ausstellungsgebäude.

Rund um den Kunstverein Coburg

Entstehung Der Kunstverein Coburg widmet sich der der Vermittlung zeitgenössischer Kunst und ist ein Verein mit langer Tradition. Unter seinem jetzigen Namen besteht er seit 1981 - entstanden aus der Fusion des Kunst-, Industrie- und Gewerbevereins Coburg und des Coburger Kunstvereins. Vorgängerverein Der Kunst-, Industrie- und Gewerbeverein Coburg wurde am 8. Dezember 1824 im einstigen Hotel zum Grünen Baum am Coburger Marktplatz gegründet. Nach wechselhafter Entwicklung zählte der Kunst- und Gewerbeverein 1975 noch 165 Mitglieder. Coburger Kunstverein Der Coburger Kunstverein wurde am 5. Juli 1901 durch 317 Gründungsmitglieder aus der Taufe gehoben. Erster Ausstellungsort war die ehemalige Sonntagsschule am Ernstplatz 12. Nachdem die Vereinstätigkeit in den 1940er Jahren zum Erliegen gekommen war, konstituierte sich der Verein 1951 neu mit neuen Ausstellungsräumen im Pavillon am Hofgarten. 1975 zählte der Coburger Kunstverein 274 Mitglieder. Friedemann Lysek, Vorsitzender des Coburger Kunstvereins und zugleich des Kunst- und Gewerbevereins, initiierte die Fusionierung beider Vereine, die am 2. Juli 1981 vollzogen wurde unter dem Namen Kunstverein Coburg. Ausstellungsgebäude Die ehemalige Voliere der Villa des einstigen Zaren Ferdinand von Bulgarien am südlichen Rand des Hofgartens wurde zum ersten eigenen Ausstellungsraum des damaligen Coburger Kunstvereins. Nach der Fusionierung begannen im Herbst 1984 die Bauarbeiten für den ersten Erweiterungsbau, den der Verein in Eigenleistung erstellte. Die Pläne für das zweistöckige Gebäude entwarf der Architekt Thomas Günzler. Die Einweihung des auch durch viele Spenden ermöglichten Baus erfolgte am 13. April 1986. Ein weiterer Anbau folgte 2001. red

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