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Rosemarie Nimz aus Haarbrücken wird entsendet: So funktioniert moderne Missionsarbeit

Kruzifixe, schwarze Kutten und ellenlange Bibelpredigten sind hier Fehlanzeige: Rosemarie Nimz ist zwar Missionarin, doch die 27-Jährige beweist, dass sich Glaube auch vom Bürostuhl aus verbreiten lässt.
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Ihre Kollegen sind in der ganzen Welt unterwegs, Rosemarie Nimz wird ihrer Missionsarbeit aber von der OM-Zentrale im baden-württembergischen Mosbach aus nachgehen. Foto: Jutta Punken
Ihre Kollegen sind in der ganzen Welt unterwegs, Rosemarie Nimz wird ihrer Missionsarbeit aber von der OM-Zentrale im baden-württembergischen Mosbach aus nachgehen. Foto: Jutta Punken

Nein, Rosemarie Nimz wird sich nicht mit einer Machete durch den dichten Urwald schlagen, um dann mit erhobenem Zeigefinger vor einem Ureinwohnerstamm aus der Bibel zu predigen. Die 27-Jährige aus Haarbrücken ist Missionarin bei der christlichen Organisation "Operation Mobilisation" (OM). Am 8. September wird sie von ihrer Gemeinde feierlich entsendet. Zuvor stellt sie jedoch klar, wie moderne Missionsarbeit wirklich aussieht.

In den afrikanischen Busch gehen und Leuten ihren Glauben aufzwingen, dieses Bild hätten wohl noch viele Leute beim Wort "Missionarin" im Kopf. "Manchen überrascht es, was wirklich dahintersteckt", sagt Nimz. Denn ihre Art der Missionsarbeit wird sich vor allem von ihrem Schreibtisch in Mosbach aus abspielen, wo sich die deutsche Zentrale von OM befindet.

Ihre Position ist zweigeteilt: Als Projektmanagerin kümmert sie sich um die Ausrichtung von Events, beispielsweise um den jährlichen Jugendkongress "TeenStreet". Daneben gehört sie aber auch zum Team des internationalen Krisen- und Sicherheitsmanagers der Organisation. Hinter diesem administrativen Wortungetüm steckt eine genauso komplexe Aufgabe: Nämlich die Unterstützung von Kollegen bei riskanten Einsätzen.

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"Wir sind auch in Ländern unterwegs, in denen Christen nicht unbedingt willkommen sind", erklärt Nimz. Werden OM-Mitarbeiter beispielsweise daran gehindert, aus einem Land auszureisen, haben Probleme bei der Verständigung oder einen Unfall, koordiniert Nimz als Teil des internationalen Krisenteams von Deutschland aus, informiert beispielsweise die Familienangehörigen oder organisiert die Ausreise.

Auswandern kommt nicht infrage

Die Mitarbeiter von OM sind in 110 Ländern im Einsatz, doch Nimz hat sich bewusst dafür entschieden, in Deutschland zu bleiben. "Die Büroarbeit macht mir genügend Spaß, auch wenn ich nicht direkt sehen kann, was meine Arbeit vor Ort bewirkt." Außerdem sei Auswandern keine Option für sie. Die 27-Jährige machte zunächst ein duales Studium als Eventmanagerin in Ravensburg, hängte dann noch den Master im Sicherheitsmanagement in Berlin an.

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Danach zog es sie ins Ausland: Sieben Monate lang war sie für OM in El Salvador und Costa Rica unterwegs. "Die Erlebnisse dort haben mein Herz berührt und mich in meinem Glauben bestärkt", erzählt Nimz. Anderen Menschen ihre Religion vielfältig, kreativ und bedürfnisorientiert näher zu bringen, das sei ihr Ziel als Missionarin.

Spendenaufrufe haben Überwindung gekostet

Voraussetzung für ihren Job sei es auch, OM mit Spendenaufrufen zu unterstützen. Denn durch Gebete alleine kann sich keine Organisation finanzieren. Zunächst sei es etwas befremdlich gewesen, Leute um Geld zu bitten. "Mittlerweile erscheint es mir logisch, das über persönliche Beziehungen anzugehen und jemanden um Spenden zu bitten, der genau weiß, was mit dem Geld gemacht wird."

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Eigentlich hat Nimz ihren neuen Job schon im Mai angetreten, doch weil vorher kein passender Termin gefunden werden konnte, findet ihre offizielle "Entsendung" erst am 8. September im Rahmen des Haarbrückener Gemeindefestes statt. Bei einem Gottesdienst wird sie den Gläubigen die Arbeit von OM vorstellen. "Das ist noch mal eine gute Gelegenheit, die Gemeinde mit ins Boot zu holen", sagt Nimz. "Damit nicht nur der Kirchenvorstand Bescheid weiß." Denn dieser musste zu Beginn erst seine Zustimmung geben, Nimz' Arbeit bei OM moralisch, aber auch finanziell zu unterstützen.

Rückhalt aus der Familie

Rückhalt bekommt Nimz auch von ihrer Familie. "Sie waren verständnisvoller, als ich erwartet hätte", erinnert sich die 27-Jährige. "Niemand hat je versucht, mir den Job auszureden. Aber sie unterstützen mehr mich, als das Thema Mission an sich." Sie sei zwar in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, doch ihr starker Glaube habe sich eher durch Freunde und einschneidende Lebensereignisse entwickelt.

Auch mit Klischees und Unverständnis sei sie konfrontiert worden, wenn Bekannte ihre "Karriereentscheidung" nicht nachvollziehen konnten, ihre Ausbildung an einen gemeinnützigen Verein "verschwendet" sahen. Selbst in den eigenen Reihen gebe es den ein oder anderen Nörgler: "Manche behaupten, nur ein ‚perfekter Vorzeigechrist‘ könne Missionar werden. Das ist aber Quatsch."

Feierliche Entsendung in Haarbrücken

Termin Das Gemeindefest der Kirchengemeinde Haarbrücken-Ketschenbach-Thann findet am 8. September statt. Los geht es um 13.30 Uhr mit einem Gottesdienst, in dessen Rahmen Rosemarie Nimz die Organisation OM und ihre Arbeit vorstellen wird.

OM "Operation Mobilisation" ist eine internationale, überkonfessionelle Organisation. OM hat auch einen deutschen Zweig, der 1972 gegründet wurde. Hauptsitz von "OM Deutschland" ist im baden-württembergischen Mosbach. Die Organisation hat weltweit 3500 Mitarbeiter und ist in 110 Ländern sowie an Bord des Schiffes "Logos Hope" im Einsatz.

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