Coburg
Interview

Romantik pur mit Gast aus Berlin beim Coburger Sinfoniekonzert

Als Solistin hat Antje Weithaas schon die halbe Welt bereist. Auf Einladung von Roland Kluttig gibt die Geigerin jetzt ihr Coburg-Debüt.
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Coburgs Generalmusikdirektor Roland Kluttig nach einer Probe mit der Geigerin Antje Weithaas. Beim Sinfoniekonzert am Montag ist sie die Solistin im Violinkonzert D-Dur von Johannes Brahms.Foto: Jochen Berger
Coburgs Generalmusikdirektor Roland Kluttig nach einer Probe mit der Geigerin Antje Weithaas. Beim Sinfoniekonzert am Montag ist sie die Solistin im Violinkonzert D-Dur von Johannes Brahms.Foto: Jochen Berger
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Antje Weithaas ist einer der stillen Stars der internationalen Geigenszene. Sie lässt sich ihre Karriere nicht von irgendwelchen Marketingstrategen großer Plattenkonzerne diktieren. Sie setzt vielmehr auf Vielseitigkeit und musikalische Entdeckerfreude. Wie sie den Weg nach Coburg fand, verrät sie im Gespräch gemeinsam mit Generalmusikdirektor Roland Kluttig. Beim Sinfoniekonzert am Montag ist die in Berlin unterrichtende Geigenprofessorin die Solistin im Violinkonzert von Johannes Brahms.

Wie oft haben Sie das Brahms-Vi olinkonzert schon gespielt?
Antje Weithaas: Das weiß ich gar nicht genau. Sehr oft jedenfalls Aber ich zähle meine Auftritte nicht.


Gehört das Brahms-Konzert zu Ihren Lieblingswerken?
Antje Weithaas: Welcher Geiger liebt das Brahms-Konzert nicht? Aber natürlich liebe ich auch das Beethoven-Konzert oder die Mozart-Konzerte. Auch zeitgenössische Musik ist sehr wichtig. Ich brauche einfach die Vielfalt des Repertoires.

Wie viel Zeit bleibt eigentlich für die gemeinsamen Proben?
Roland Kluttig: Wir haben uns heute die gesamte Probe Zeit genommen für den Brahms. Im Grunde ist das Brahms-Konzert ja eine Sinfonie mit obligater Solovioline.

Reicht diese Zeit?
Antje Weithaas: Eine komplette Probe mit dem Orchester und die Generalprobe am Montag - das ist bei einem Repertoirestück wie dem Brahms-Konzert eigentlich viel Zeit. So viel Zeit bekommt man nicht immer.

Und wie finden Solist und Dirigent mit dem Orchester einen gemeinsamen Nenner? Tauschen Sie sich vor der Probe darüber aus?
Roland Kluttig: Ich sperre meine Ohren auf, das Orchester sperrt seine Ohren auf, dann findet man mit dem Spiel zu einer gemeinsamen Interpretation.
Antje Weithaas: Alle haben Ohren, alle sind intelligente Musiker.
Roland Kluttig: Wir müssen jedenfalls bei der Probe gar nicht viel miteinander reden.

Sie unterrichten an der Berliner Hochschule "Hanns Eisler", Sie konzertieren als Solistin, machen viel Kammermusik, spielen Streichquartett und sind künstlerische Leiterin der Camerata Bern - wie lässt sich das alles vereinbaren? Ist das nicht sehr strapaziös?
Antje Weithaas: Das Unterrichten macht mir wahnsinnig viel Spaß. Das ist eine sehr kreative Arbeit, weil ich eine sehr kreative Klasse unterrichte. Von meinen Schülern bekommen ich auch sehr viele Anregungen zurück. Mit meiner Konzerttätigkeit lässt sich das durch die Flexibilität aller Beteiligten vereinbaren.

Sie spielen eine moderne Geige von Stefan Peter Greiner aus dem Jahr 2001. Wie hat sich das ergeben?
Antje Weithaas: Früher habe ich auf eine sehr schönen alten Guarneri del Gesù gespielt, ein klangschönes Instrument, bei dem man aber vielleicht doch nicht alle Klangfarben bekommt, die man zum Beispiel für Bartók oder Schostakowitsch braucht. Über Christian Tetzlaff, der schon lange auf Greiner-Geigen spielt, bin ich dann auf diesen Geigenbauer aufmerksam geworden.

Was ist Ihnen wichtig bei der Wahl Ihrer Geige?
Antje Weithaas: Sie muss die eigenen Klangvorstellungen, die man als Solist mitbringt, produzieren können. Man muss sich einfach im Klang wiederfinden. Im Idealfall wird die Geige so etwas wie die eigenen Stimmbänder. Ich bin jedenfalls glücklich mit dieser Geige.

Wie würden Sie diese Geige beschreiben?
Antje Weithaas: Sie hat unglaublich viele Farben und eine große dynamische Bandbreite vom zartesten Pianissimo bis zum kräftigsten Fortissimo.

Haben Sie schon einmal gemeinsam musiziert?
Roland Kluttig: Wir kennen uns eigentlich schon sehr lange, sind uns immer wieder über den Weg gelaufen, haben aber noch nie gemeinsam musiziert - außer damals in Gotha.

Bei welcher Gelegenheit war das?
Roland Kluttig: Bei einem Kurs in Gotha, den Heinz Rögner kurz nach der Wende gehalten hat. Damals haben wir das Brahms-Doppelkonzert gemeinsam geprobt - mit Antje Weithaas und Michael Sanderling.

Was war der Grund, für dieses Konzert nicht die häufiger gespielte zweite Fassung, sondern die Erstfassung von Schumanns 4. Sinfonie zu wählen? Pure Neugier?
Roland Kluttig: Ich hatte bislang tatsächlich immer nur die Spätfassung dirigiert und wollte einfach mal die Erstfassung ausprobieren. Es ist tatsächlich so, wie viele Kollegen sagen: sie geht viel leichter.
Wo liegen die Unterschiede zur Spätfassung?
Roland Kluttig: Sie ist noch mehr im Geist der Frühromantik geschrieben, viel schlanker instrumentiert. Natürlich haben beide Fassungen ihre Vorzüge. Aber die Erstfassung hat eine Frische und Ursprünglichkeit, die in der Spätfassung fehlt. Sie hat eine Leichtgängigkeit und Spritzigkeit, die in der Spätfassung fast der Behäbigkeit weicht. Im Grunde sind das zwei verschiedene Stücke.

Schumann und Brahms - wo liegen die Unterschiede bei der Probenarbeit?
Roland Kluttig: Ich bin ja wirklich ein Schumannianer. Aber wenn man Schumann und Brahms unmittelbar nacheinander probt, ist der Unterschied eklatant: Brahms klingt von allein, aber bei Schumann muss man sehr viel arbeiten, bis es so klingt, wie man es sich vorstellt.
Antje Weithaas: Bei Schumann muss man an jedem Ton arbeiten - aber wenn man das macht, kann es am Ende wunderbar klingen.


Das Sinfoniekonzert im Landestheater und seine Interpreten


Termin 3. Sinfoniekonzert Montag, 28. Januar, 20 Uhr, Landestheater Coburg;

Programm Werke von Felix Mendelssohn ("Das Märchen von der schönen Melusine"), Robert Schumann (4. Sinfonie, Erstfassung), Johannes Brahms (Violinkonzert D-Dur)

Interpreten Antje Weithaas (Violine); Musikalische Leitung: GMD Roland Kluttig; Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg

Antje Weithaas Mit viereinhalb Jahren begann Antje Weithaas das Geigenspiel. Sie studierte später an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin bei Professor Werner Scholz. 1987 gewann sie den Kreisler-Wettbewerb in Graz, 1988 den Bach-Wettbewerb in Leipzig und 1991 den Internationalen Joseph-Joachim-Violin-Wettbewerb in Hannover. Einige Jahre war Antje Weithaas Professorin an der Berliner Universität der Künste, 2004 wechselte sie an die Hochschule für Musik Hanns Eisler. Antje Weithaas spielt ein Instrument von Peter Greiner aus dem Jahr 2001.
Neben solistischen und kammermusikalischen Auftritten spielte Antje Weithaas mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, den Bamberger Symphonikern sowie beim Los Angeles Philharmonic Orchestra, der San Francisco Symphony, dem Philharmonia Orchestra, dem BBC Symphony Orchestra und den führenden Orchestern der Niederlande, Skandinaviens und Asiens. Zu ihren Partnern am Dirigentenpult zählten Vladimir Ashkenazy, Sir Neville Marriner, Marc Albrecht, Yakov Kreizberg, Sakari Oramo und Carlos Kalmar. Einen Schwerpunkt ihrer kammermusikalischen Arbeit bildet für Antje Weithaas das Arcanto Quartett mit Daniel Sepec, Tabea Zimmermann und Jean-Guihen Queyras. Beim Label Harmonia Mundi erschienen CDs mit Werken von Bartók, Brahms, Ravel, Dutilleux und Debussy und Schubert.


"Concertino" Gesprächskonzert zur Erstfassung von Robert Schumanns 4. Sinfonie, Philharmonische Orchester Landestheater Coburg, Leitung: Roland Kluttig, Samstag, 26. Januar, 11 Uhr, Landestheater Coburg




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